Polizei verstärkt Kontrollen an Schulen in Polen – mehrere Einrichtungen bleiben geschlossen

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Nach mehreren schweren Vorfällen an Schulen in der polnischen Woiwodschaft Masowien überprüfen die Sicherheitsbehörden Hinweise auf mögliche weitere Angriffe. Offiziell bestätigte Informationen über eine konkrete Bedrohung für Freitag liegen bislang nicht vor. Dennoch bleiben zahlreiche Schulen geschlossen, während Polizei und Kommunen die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen. Zugleich warnen die Behörden vor Falschmeldungen und unbegründeter Panik.

Polizei überprüft Hinweise auf angebliche Internet-Challenge

Nach den jüngsten Angriffen an Schulen und Berichten, wonach einer der mutmaßlichen Täter einen Helm mit einer Kamera zur Liveübertragung getragen haben soll, verbreiteten sich Meldungen über eine angebliche Internet-Challenge unter Schülern. Demnach könnten weitere Angriffe geplant sein.

Am Freitagmorgen veröffentlichte die polnische Polizeihauptkommandantur eine Stellungnahme. Darin erklärte sie: „Seit Bekanntwerden der Informationen über die angebliche Internet-Challenge haben die Polizeibeamten ununterbrochen Ermittlungen durchgeführt, um diese Hinweise zu überprüfen.“

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Bislang gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass eine solche Challenge tatsächlich stattgefunden habe. In der auf der Plattform X veröffentlichten Mitteilung betonte die Polizei außerdem, dass die Beamten im ganzen Land weiter an dem Fall arbeiteten. Sie gingen sämtlichen Meldungen nach und überprüften verdächtige Hinweise im Internet.

Die Polizei rief dazu auf, Ruhe zu bewahren, ungeprüfte Meldungen nicht weiterzuverbreiten und ausschließlich vertrauenswürdige Informationsquellen zu nutzen. Zugleich richtete sie eine deutliche Warnung an diejenigen, die absichtlich Panik schürten: „Wir weisen alle darauf hin, die in dieser Situation vorsätzlich versuchen, Panik auszulösen, dass ein solches Verhalten strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.“

Innenministerium kündigt verstärkte Polizeipräsenz an Schulen an

Angesichts der jüngsten Vorfälle appellierte Wiesław Szczepański, stellvertretender Leiter des polnischen Innenministeriums (MSWiA), an Schüler, Eltern und Lehrkräfte, verdächtige Äußerungen oder Hinweise unverzüglich der Polizei zu melden.

„Ich appelliere erneut an alle jungen Menschen, aber auch an Eltern und Lehrkräfte: Wenn sie von Informationen erfahren, wonach ein Schüler oder eine andere Person an der Schule ankündigt, eine bestimmte rechtswidrige Handlung begehen zu wollen, sollen sie die Polizei verständigen. Auf jede solche Warnmeldung reagieren wir heute“, sagte Szczepański am Freitag im Sender Polskie Radio 24.

Zudem kündigte er an, dass Polizeibeamte künftig häufiger vor Schulen präsent sein und die Bereiche rund um die Einrichtungen kontrollieren würden. Mit Zustimmung der jeweiligen Schulleitung sollen sie auch die Gebäude betreten können.

Die zuständigen Polizeikommandos auf Kreisebene müssten zunächst mit den Schulleitungen klären, ob diese einem Betreten der Schulen zustimmten. Anschließend würden die Termine festgelegt. Szczepański sprach sich jedoch dagegen aus, solche Besuche im Voraus anzukündigen. Andernfalls könnten mögliche Täter erfahren, wann die Polizei vor Ort sei.

Auch über Sicherheitskontrollen an den Eingängen und die Überprüfung von Schülerrucksäcken äußerte sich der stellvertretende Innenminister. Solche Maßnahmen lägen in der Verantwortung der Schulleitungen. Zwar verfügten einige Schulen bereits über Sicherheitsschleusen, doch deren Einführung erfordere in den meisten Fällen Entscheidungen der Schulen und der Kommunalverwaltungen. Letztere müssten auch die Kosten für die Installation tragen.

Auf die Frage nach einer Empfehlung des Innenministeriums erklärte Szczepański: „Meine Empfehlung wäre, gegebenenfalls solche Schleusen zu installieren. Allerdings würden sie leider auch den Schulalltag der Jugendlichen erschweren.“

KI-generiertes Drohvideo: 17-Jähriger festgenommen

Am späten Donnerstagabend nahm die Polizei einen 17-Jährigen aus dem Kreis Przasnyski fest. Er steht im Verdacht, ein mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugtes Video verfasst zu haben, das einen Angriff auf ein Lyzeum in Przasnysz / Pezaßnitz ankündigte.

Ilona Cichocka, Polizeihauptkommissarin bei der Kreispolizei in Przasnysz / Pezaßnitz, erklärte gegenüber der Polnischen Presseagentur PAP: „Im Internet ist ein mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugtes Video aufgetaucht. Die Polizeibeamten überprüften die Informationen schnell und nahmen einen 17-jährigen Einwohner des Powiat Przasnyski fest, der wahrscheinlich der Urheber des Videos ist. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht bestätigen, ob die festgenommene Person das Video tatsächlich erstellt hat. Die Ermittlungen dauern an.“

In sozialen Netzwerken war ein Video verbreitet worden, in dem eine künstlich erzeugte Stimme einen Angriff auf ein Lyzeum in Przasnysz / Pezaßnitz ankündigte. Zudem hieß es darin, dass sich ähnliche Vorfälle auch in anderen Regionen ereignen würden. Das Video enthielt außerdem Drohungen gegen eine bestimmte Person.

Nach Angaben des Nachrichtenportals infoprzasnysz kursierten bereits am Donnerstag Screenshots und Aufnahmen, die sich auf angeblich geplante Angriffe auf Schulen in Przasnysz / Pezaßnitz bezogen. Besonders große Besorgnis löste demnach ein Video aus, in dem der Urheber ein „Massaker in Przasnysz“ ankündigte. Dabei nannte er ausdrücklich das Lyzeum namens Komisja Edukacji Narodowej und bedrohte Schüler.

Mehrere Schulen in Masowien bleiben geschlossen

Als Reaktion auf die jüngsten Angriffe in Leszczydół-Nowiny und Ostrołęka / Ostrolenka bleiben am Freitag in mehreren Landkreisen der Woiwodschaft Masowien weiterführende Schulen geschlossen. Betroffen sind unter anderem die Kreise Pułtusk, Wołomin und Ciechanów. Auch Schulen und Kindergärten in Piaseczno bleiben an diesem Tag geschlossen.

In Góra Kalwaria / Kalvarienberg appellierten die Behörden an Eltern, ihre Kinder am Freitag zu Hause zu lassen. Die Stadtverwaltung von Legionowo teilte mit, dass zwei Schulen geschlossen worden seien. Nach unbestätigten Informationen, hätten diese Einrichtungen auf einer Liste im Zusammenhang mit der angeblichen Internet-Challenge gestanden.

Die Polizei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (Centralne Biuro Zwalczania Cyberprzestępczości) untersucht den Fall. Weitere Gemeinden meldeten verstärkte Streifen von Polizei und kommunalen Ordnungskräften in der Umgebung von Schulen sowie innerhalb der Einrichtungen.

Auch die Stadtverwaltung von Warszawa / Warschau reagierte bereits am Donnerstagabend. Sie verpflichtete die Schulleitungen zu verstärkten Sicherheitskontrollen. In einer Mitteilung in den sozialen Medien erklärte die Stadt: „(…) Zutritt zu den Schulen erhalten ausschließlich Schüler und Beschäftigte. Wir empfehlen nicht, den Unterricht abzusagen. Rund um die Schulen werden Polizeistreifen und Streifen des kommunalen Ordnungsdienstes eingesetzt. Die Schulleitungen werden die Eltern über das elektronische Klassenbuch ausführlich informieren. Wir bitten darum, Ruhe zu bewahren und ausschließlich geprüfte Informationsquellen zu nutzen.“

Zuvor hatte der Woiwode von Masowien, Mariusz Frankowski, angekündigt, dass am Freitag sämtliche öffentlichen und nicht öffentlichen Grundschulen in der Gemeinde Wyszków geschlossen bleiben würden.

Serie von Angriffen und Drohungen an Schulen

Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen folgen auf mehrere schwere Vorfälle innerhalb weniger Tage.

Am Donnerstag griff ein 15-Jähriger eine Grundschule in Leszczydół-Nowiny in der Gemeinde Wyszków an. Dabei verletzte er drei Menschen, eine Person tödlich. Über das weitere Schicksal des Jugendlichen entscheidet ein Familiengericht. Unter bestimmten Voraussetzungen kann er wegen Mordes wie ein Erwachsener strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Bereits am Mittwoch hatte ein 19-Jähriger an der Berufsschule Nr. 4 in Ostrołęka / Ostrolenka neun Menschen mit einem Messer angegriffen. Unter den Verletzten waren fünf Schüler, zwei Lehrkräfte und zwei weitere Personen. Rettungskräfte brachten die Verletzten in Krankenhäuser in Łomża und Ostrołęka / Ostrolenka.

Der Tatverdächtige hatte zudem einen Rucksack bei sich, der selbst hergestelltes explosives Material enthielt. Gegen ihn wurden unter anderem Vorwürfe wegen versuchten Mordes erhoben.

Ebenfalls am Mittwoch nahm die Polizei in Sierpc einen 17-Jährigen fest. Er soll gegenüber Mitschülern angekündigt haben, in der Schule „etwas Schlimmes“ tun zu wollen. Bei einer Durchsuchung stellten die Beamten eine Tasche des Jugendlichen sicher, in der sich zwei Messer befanden. 

Außerdem beschlagnahmten die Ermittler sein Mobiltelefon. Darauf fanden sie Suchanfragen zu einem geplanten Angriff. Die Polizei war durch einen Lehrer alarmiert worden, der von anderen Schülern von den Äußerungen des 17-Jährigen erfahren hatte.

Sicherheitsbehörden warnen vor Radikalisierung Jugendlicher

Die Häufung solcher Vorfälle innerhalb kurzer Zeit sorgt in Polen für große Besorgnis. Wie das Portal rp.pl berichtete, beschloss die polnische Polizeihauptkommandantur deshalb, die Präsenz von Beamten im Umfeld von Schulen zu erhöhen. Zudem berief der Ministerpräsident eine dringende Krisenbesprechung mit Ministern mehrerer Ressorts und Vertretern der Sicherheitsbehörden ein.

Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte der Leiter des polnischen Inlandsgeheimdienstes ABW, Oberst Rafał Syrysko, in einem Interview mit der Zeitung „Rzeczpospolita“ vor entsprechenden Risiken gewarnt. Er erklärte damals, die Sicherheitsdienste beobachteten eine deutliche Neigung russischer Dienste zu sogenannten kinetischen Operationen in Polen. Darunter verstehen die Behörden Aktionen, die konkrete Zerstörungen und menschliche Opfer verursachen können.

Ein weiterer gefährlicher Trend, auf den polnische Sicherheitsbehörden bereits Monate zuvor hingewiesen hatten, war die zunehmende Radikalisierung junger Menschen.

Am Freitagmorgen wandte sich auch Jacek Dobrzyński, Sprecher des Ministers für die Koordinierung der Geheimdienste, an die Öffentlichkeit. Er rief dazu auf, ungeprüfte und falsche Informationen nicht weiterzuverbreiten.

„Das treibt eine unnötige und schädliche Spirale der Angst an“, betonte Dobrzyński. Gleichzeitig versicherte er, dass die Polizei gemeinsam mit der Agentur für Innere Sicherheit (ABW) und dem polnischen Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk NASK intensiv an der Aufklärung der Vorfälle arbeite.

Quelle: rp

Foto: magnific

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