Der US-amerikanische Luftfahrtkonzern Pratt & Whitney plant eine weitere bedeutende Investition in Polen. Das Unternehmen kündigte an, rund 100 Millionen US-Dollar in den Bau eines neuen Werks in Rzeszów / Resche zu investieren. Die Anlage soll moderne Komponenten für Flugzeugtriebwerke herstellen – sowohl für die zivile Luftfahrt als auch für militärische Anwendungen.
Die Ankündigung erfolgte am Mittwoch während des Europäischen Wirtschaftskongresses in Katowice / Kattowitz durch den Präsidenten von Pratt & Whitney Polen, Piotr Owsicki.
Erweiterung bestehender Produktionsstrukturen
Das neue Werk wird Teil der bereits bestehenden Produktionsanlage in Rzeszów / Resche. Es soll als spezialisierte Einheit für fortschrittliche Fertigung und Materialbearbeitung fungieren. Der Fokus liegt auf der Herstellung kritischer rotierender Triebwerkskomponenten.
Die Investition ist zugleich Bestandteil eines größeren globalen Programms des Mutterkonzerns RTX. Dieses Gesamtprojekt hat ein Volumen von rund 300 Millionen US-Dollar.
Produktion von Hochleistungsmaterialien
Die vollständige Inbetriebnahme der neuen Anlage ist für Anfang 2028 geplant. In Rzeszów / Resche sollen künftig Materialien aus gesinterten Pulvern produziert werden. Diese dienen als Grundlage für besonders belastete Teile von Flugzeugtriebwerken, darunter Turbinenscheiben.
Diese Komponenten arbeiten unter extremen Bedingungen. Sie müssen Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius standhalten, bei sehr hohen Drehzahlen funktionieren und gleichzeitig enormen Belastungen widerstehen. Trotz dieser Anforderungen ist eine zuverlässige Funktion über tausende Betriebsstunden hinweg erforderlich.
Gründe für den Standort Polen
Die Entscheidung für Rzeszów / Resche fiel aufgrund mehrerer Faktoren. Dazu zählen die hohe Qualifikation der Beschäftigten, die ausgeprägte technische Kompetenz vor Ort sowie staatliche Unterstützung in Form von Fördermitteln und Steuervergünstigungen.
Pratt & Whitney ist Teil des RTX-Konzerns, zu dem auch Collins Aerospace und Raytheon gehören. Das Unternehmen ist seit rund 50 Jahren in Polen tätig. RTX beschäftigt landesweit knapp 10.000 Menschen, davon etwa 4.500 allein in Rzeszów / Resche.
Einsatz in zivilen und militärischen Flugzeugen
Die in Rzeszów / Resche entwickelten Technologien haben einen doppelten Verwendungszweck. Die produzierten Komponenten werden unter anderem in GTF-Triebwerken eingesetzt. Diese treiben zivile Flugzeuge wie den Airbus A220 an. Gleichzeitig finden sie Anwendung in militärischen Maschinen, darunter Kampfflugzeuge des Typs F-35.
Die technologischen Lösungen bleiben Eigentum von Pratt & Whitney. Die in Polen hergestellten Materialien werden anschließend weiterverarbeitet – sowohl in anderen polnischen Werken des Konzerns als auch bei Zulieferern innerhalb der europäischen Lieferkette. Dadurch wird die neue Anlage eng in das bestehende Produktionsnetzwerk integriert.
Strategische Bedeutung der Investition
Nach Einschätzung von Unternehmenschef Owsicki hat das Projekt auch eine strategische Dimension. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage gewinnt der Ausbau technologischer Kompetenzen in Polen und Europa zunehmend an Bedeutung. Die Investition soll sowohl die wirtschaftliche Stärke als auch die operative Leistungsfähigkeit im Bereich der Verteidigung nachhaltig verbessern.
Quelle: money
Foto: Pratt & Whitney / Pressematerialien
