Der höchste Wolkenkratzer Polens – gemessen bis zum Dach – könnte künftig nicht in Warszawa / Warschau, sondern in Wrocław / Breslau stehen. Der Entwickler, die Giant Development Group, hat bereits Grundstücke erworben, auf denen ein bis zu 272 Meter hohes Gebäude errichtet werden darf. Das geplante Projekt mit dem Arbeitstitel „Giant Tower“ hat ein geschätztes Investitionsvolumen von mehr als drei Milliarden Zloty.
Das Unternehmen arbeitet derzeit an den Vorbereitungen für das Baugenehmigungsverfahren. Gleichzeitig wird nach einem finanzstarken Partner gesucht, der die Realisierung des Großprojekts unterstützt.
272 Meter Höhe geplant
Nach Angaben der Stadtverwaltung von Wrocław / Breslau erlaubt der geltende Bebauungsplan auf dem ehemaligen Pafawag-Gelände den Bau von Wolkenkratzern. Auf dem Areal könnte daher ein Gebäude mit einer Höhe von bis zu 272 Metern entstehen.
„Dort gilt ein örtlicher Bebauungsplan, der theoretisch den Bau von Hochhäusern ermöglicht. Es stimmt, dass Giant den Erwerb weiterer Grundstücke vom Breslauer Technologiepark anstrebt“, erklärte Michał Guz, Sprecher der Stadt Wrocław / Breslau.
Zum Vergleich: Das derzeit höchste Gebäude der Stadt, der Sky Tower, ist 212 Meter hoch. Das im Bau befindliche Quorum wird eine Höhe von 140 Metern erreichen. Der Giant Tower würde beide Gebäude deutlich übertreffen.
Warum setzt der Entwickler auf genau 272 Meter? Dazu sagt Ewelina Wnękowska-Pietrzycka, Vorstandsmitglied der Giant Development Group: „Jeder hat seine eigenen Ambitionen. Nach einer gründlichen Marktanalyse sind wir zu dem Schluss gekommen, dass das Interesse von Investoren an einem 272 Meter hohen Projekt größer sein wird als an einem Gebäude mit 230 Metern Höhe.“
Sie verweist zudem auf die europäische Dimension des Projekts: „Wir sprechen von einem Projekt, das gemessen an der Höhe des Baukörpers die Chance hat, das höchste multifunktionale Gebäude der Europäischen Union bis zum Dach zu werden.“
Ehemaliges Pafawag-Gelände als Standort
Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehrere benachbarte Grundstücke mit einer Gesamtfläche von rund 2,5 Hektar erworben. Dabei handelt es sich um Flächen des ehemaligen Schienenfahrzeugherstellers Pafawag.
Bisher wurden drei Grundstücke gekauft:
- 4.100 Quadratmeter für ein Studentenwohnheim, ein PRS-Projekt oder eine andere kommerzielle Nutzung,
- 10.500 Quadratmeter für ein Studentenwohnheim oder PRS,
- 10.500 Quadratmeter für den geplanten Wolkenkratzer.
Ursprünglich sollte das gesamte Vorhaben als ein gemeinsames Projekt entwickelt werden. Inzwischen wurde es in zwei getrennte Teilprojekte aufgeteilt.
Multifunktionsgebäude mit Büros, Hotel und Premiumflächen
Für die architektonische Konzeption des Wolkenkratzers ist Marek Skorupski vom Architekturbüro Arche verantwortlich. Er plant nicht nur den Turm selbst, sondern ein ganzes Stadtquartier.
Der Giant Tower soll als multifunktionales Gebäude der Klasse A entstehen. Vorgesehen sind Büroflächen, ein Hotel sowie Bereiche für Kurzzeitvermietungen. Darüber hinaus werden weitere Nutzungsarten geprüft.
„In Betracht kommen unter anderem Sitze von Finanzinstituten, Banken, internationalen Konzernen, Hotelbetreibern, private Business Center, Konferenzflächen, Shared-Service-Center, Premiumflächen für Technologieunternehmen, Restaurants, Freizeitbereiche, Business Clubs oder exklusive Eventflächen“, erklärt Ewelina Wnękowska-Pietrzycka.
Nach der aktuellen Planung sollen sich im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss des Wolkenkratzers Geschäfte, Dienstleistungsflächen und eine repräsentative Lobby befinden. In den darüberliegenden Etagen könnten je nach Bedarf Büros oder Hotelapartments entstehen.
Geplant ist außerdem ein außergewöhnlich großes Parkhaus mit elf Ebenen – von Untergeschoss 2 bis zur neunten Etage. Dort sollen zwischen 1.500 und 1.600 Fahrzeuge Platz finden.
Der Entwickler betont jedoch, dass sich das Konzept noch ändern kann. Die endgültige Gestaltung werde auch von den Anforderungen eines künftigen Investors oder Käufers abhängen.
Baugenehmigung für den Wolkenkratzer noch nicht beantragt
Obwohl erste Entwürfe vorliegen, befindet sich das Projekt noch in einer frühen Phase. Bislang wurde kein Antrag auf Baugenehmigung eingereicht. Nach Angaben des Unternehmens soll dies jedoch in naher Zukunft erfolgen.
In unmittelbarer Nähe existiert bereits ein anderes Hochhausprojekt mit vier Türmen, das von Marek Skorupski für einen anderen Entwickler entworfen wurde. Der höchste dieser Türme soll 214 Meter messen und verfügt bereits über eine Baugenehmigung. Mit dem Bau wurde bislang jedoch nicht begonnen.
Milliardenprojekt übersteigt die Möglichkeiten des Entwicklers
In der Immobilienbranche sorgte die Ankündigung des Giant Tower für Überraschung. Es handelt sich um das bislang größte Vorhaben des Unternehmens. Die Investitionssumme von mehr als drei Milliarden Zloty übersteigt nach Einschätzung des Entwicklers die eigenen finanziellen Möglichkeiten.
„Giant Development Group ist Teil einer Kapitalgruppe, die auf dem Immobilienmarkt tätig ist. Wir verfügen über eigene Finanzierungsmittel für unsere Projekte. Dabei handelt es sich um Beträge in Höhe von mehreren Dutzend Millionen Zloty“, erklärt Wnękowska-Pietrzycka.
Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass das eigentliche Ziel darin besteht, zunächst die Baugenehmigung zu erhalten und anschließend das gesamte Projekt zu verkaufen. Alternativ sei auch eine gemeinsame Umsetzung mit einem Kapitalpartner im Rahmen eines Joint Ventures möglich.
Interesse internationaler Investoren
Nach Angaben von Giant gibt es bereits Gespräche mit potenziellen Investoren. Aufgrund bestehender Vertraulichkeitsvereinbarungen können jedoch nicht alle Namen genannt werden.
„Ich kann bestätigen, dass einer der Interessenten ein großer Entwickler aus Warszawa / Warschau ist, der mit einem Investmentfonds aus Großbritannien, einem Fonds aus der Schweiz sowie einer Beratungsfirma aus Dubai zusammenarbeitet. Dieses Unternehmen hat bereits eine Absichtserklärung hinsichtlich eines möglichen Erwerbs des Projekts nach Erteilung der Baugenehmigung vorgelegt“, berichtet das Vorstandsmitglied.
Darüber hinaus nennt das Unternehmen einen kanadischen Investor israelischer Herkunft, der Polen besucht und an Gesprächen über das Projekt teilgenommen haben soll.
Ob einer dieser Interessenten letztlich die Finanzierung des ambitionierten Vorhabens übernimmt, bleibt offen. Giant Development Group führt nach eigenen Angaben weiterhin Gespräche mit weiteren potenziellen Partnern.
Quelle: forsal
Foto: facebook / Radio Wrocław