Das Ende des polnischen Regierungsprogramms zur Senkung der Kraftstoffpreise hat deutsche Autofahrer nicht von Tankfahrten nach Polen abgehalten. Obwohl die Spritpreise seit Anfang Juli deutlich gestiegen sind, bleiben die Tankstellen im Grenzort Lubieszyn / Neu Linken stark frequentiert.
Lange Schlangen an den Tankstellen nahe der Grenze
Lubieszyn / Neu Linken hat weniger als 100 Einwohner. Dennoch gibt es dort fünf Tankstellen. Sie leben seit Jahren vor allem von Kundschaft aus Deutschland, die regelmäßig wegen der günstigeren Kraftstoffpreise über die Grenze fährt.
Kurz vor dem 1. Juli nahm der Andrang deutlich zu. Viele Autofahrer wollten noch vor dem Auslaufen der staatlichen Steuervergünstigungen tanken. Nach einer kurzen ruhigeren Phase normalisierte sich die Lage jedoch schnell wieder. Inzwischen bilden sich erneut Warteschlangen mit Fahrzeugen auf deutschen Kennzeichen. Auch Kanister gehören weiterhin zum gewohnten Bild.
Die Tankstellen sind auf deutsche Kundschaft eingestellt. An vielen Standorten werden die Preise zusätzlich in Euro angezeigt. Außerdem ist die Bezahlung in Euro möglich.
Mitarbeiter einer Tankstelle berichten: „Tatsächlich hatten wir kurz vor Juli deutlich mehr Kunden. Wer noch vor dem 1. Juli tanken wollte, hat das getan. Jetzt nimmt der Andrang aber wieder zu. Die Deutschen sind nicht weggeblieben. Sie kommen wieder zum Tanken, und auch die Kanister sind nicht verschwunden.“
Ende der Steuersenkung ließ die Preise steigen
Seit dem 1. Juli gilt in Polen wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent auf Kraftstoffe. Zuvor lag der Satz im Rahmen des Regierungsprogramms bei 8 Prozent.
Dadurch sind die Preise an polnischen Tankstellen deutlich gestiegen. Ein Liter Super 95 kostet derzeit im Durchschnitt rund 6,79 Zloty. Für einen Liter Diesel werden inzwischen fast 7 Zloty fällig. Allein innerhalb einer Woche verteuerte sich Benzin um fast 90 Groschen.
Polen bleibt günstiger als Deutschland
Auch die Entwicklung in Deutschland trägt dazu bei, dass Polen für viele Autofahrer attraktiv bleibt. Ende Juni lief dort ebenfalls das zeitlich befristete Programm zur Senkung der Kraftstoffsteuern aus. In der Folge stiegen auch in Deutschland die Preise.
Derzeit kostet ein Liter Benzin in Deutschland durchschnittlich 2,09 Euro. Für Diesel werden im Schnitt 1,96 Euro verlangt. Vor dem Auslaufen der Steuererleichterungen lagen die Durchschnittspreise bei rund 1,90 Euro für Benzin und 1,77 Euro für Diesel.
Deutsche Fahrer sehen weiterhin Preisvorteile
Ein deutscher Autofahrer erklärte gegenüber Business Insider, dass Polen weiterhin ein attraktives Ziel zum Tanken sei. Nach seiner Einschätzung reagiert die polnische Regierung schneller auf Probleme bei den Kraftstoffpreisen als die Regierung in Berlin.
Quelle: interia
Foto: magnific