Ein durchschnittlicher Pole hat im vergangenen Jahr 82 Kilogramm Fleisch, 218 Eier, 108 Kilogramm Gemüse und 96,5 Kilogramm Kartoffeln konsumiert. In den meisten Kategorien ist der Verbrauch gestiegen. Deutlich rückläufig ist dagegen vor allem der Alkoholkonsum.
Auf jeden Einwohner Polens entfielen 2025 außerdem durchschnittlich 43,1 Kilogramm Zucker und 114 Kilogramm Getreideprodukte. Das geht aus den vom polnischen Statistikamt GUS zusammengestellten Daten hervor.
Bei den wichtigsten Lebensmittelkategorien ist insgesamt ein Anstieg zu beobachten. Stabil blieb der Milchkonsum mit 282 Litern pro Person. Rückgänge gab es dagegen ausschließlich beim Alkohol: Der Verbrauch von Wein und Met sank von 5,4 auf 4,9 Liter pro Einwohner, der Bierkonsum von 85,9 auf 81,7 Liter. Bei Spirituosen ging der Verbrauch, umgerechnet auf 100-prozentigen Alkohol, von 3,4 auf 3,2 Liter zurück.
Was sich auf den Tellern der Polen verändert
Die Daten zeigen, dass sich das Konsumverhalten selbst bei Grundnahrungsmitteln verändert. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Eiern: Noch 2025 entfielen auf jeden Einwohner 144 Eier pro Jahr, inzwischen sind es 218. Allein innerhalb eines Jahres stieg der Verbrauch damit um 17 Eier pro Person.
Auch die Empfehlungen von Ernährungsexperten haben sich verändert. Eier wurden früher wegen ihres hohen Cholesteringehalts häufig kritisch gesehen und ein möglichst geringer Konsum empfohlen. Heute ist der Trend nahezu umgekehrt.
Die stabile Entwicklung beim Milchverbrauch könnte unterdessen auch mit dem starken Wachstum pflanzlicher Alternativen zu Milchprodukten zusammenhängen. Ein Teil der Verbraucher ist auf diese Produkte umgestiegen.
„2025 hat der polnische Milchproduktmarkt einen Wert von mehr als 31,3 Milliarden Złoty erreicht. Milchprodukte wurden von 100 Prozent der Haushalte gekauft, das gesamte Einkaufsvolumen lag bei mehr als 2,6 Millionen Tonnen. Ein durchschnittlicher Haushalt kaufte im Laufe des Jahres 187 Kilogramm Milchprodukte und gab dafür durchschnittlich 2.243 Złoty aus“, erklärt Szymon Mordasewicz, Geschäftsführer bei YouGov.
„Die derart hohe Marktdurchdringung, verbunden mit einer hohen Einkaufshäufigkeit und der vielseitigen Verwendung von Milchprodukten im täglichen Speiseplan, macht diese Kategorie weiterhin zu einer der Säulen des FMCG-Marktes“, fügt er hinzu.
Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich das Wachstum bei frischen Milchprodukten fort. Die verkaufte Menge stieg um 4,1 Prozent, der Umsatz sogar um 7 Prozent. Besonders dynamisch entwickelten sich Naturjoghurts: Hier legte das Absatzvolumen um 12,7 Prozent und der Umsatz um 18,3 Prozent zu. Auch Trinkjoghurts gewannen an Bedeutung.
„Polen greifen immer häufiger zu Produkten mit einer einfachen Zutatenliste, die als natürlicher und ernährungsphysiologisch vorteilhafter wahrgenommen werden. Diesen Trend beobachten wir bereits seit längerer Zeit. Er ist Teil der umfassenderen Veränderungen auf dem Lebensmittelmarkt“, sagt Marek Sumiła, Geschäftsführer von Danone und Żywiec-Zdrój.
Die guten Ergebnisse bei Trinkprodukten seien zudem ein Beleg dafür, dass praktische und unkomplizierte Produktformate für Verbraucher mit einem aktiven und dynamischen Lebensstil immer wichtiger würden, so Sumiła.
Auch beim Fleisch verändert sich der Markt. Insgesamt gaben die Polen innerhalb von zwölf Monaten mehr als 38 Milliarden Złoty für Fleischprodukte aus – fast 12 Prozent mehr als 2024. Das geht aus Daten von YouGov hervor.
Polnische Haushalte kauften in diesem Zeitraum knapp 1,8 Millionen Tonnen Fleischprodukte. Jeder Haushalt gab dafür mehr als 2.700 Złoty aus und kaufte über 125 Kilogramm Produkte aus dieser Kategorie.
Nach Angaben von YouGov sind Wurstwaren gemessen an der gekauften Menge die größte Fleischkategorie. Davon wurden fast 700.000 Tonnen gekauft. Jeder Käufer gab dafür durchschnittlich knapp 1.600 Złoty aus und kaufte mehr als 50 Kilogramm Wurstwaren. Das entspricht fast 79 Einkäufen pro Haushalt und Jahr.
Rotes Fleisch und Geflügel wurden statistisch jeweils knapp 30-mal pro Jahr gekauft.
Deutlich weniger Alkohol auf den Tischen
Auf der anderen Seite schrumpfen sämtliche Alkoholkategorien. Der Absatz geht bereits seit mehreren Jahren zurück – besonders deutlich bei Wodka und Bier.
„Alles deutet jedoch darauf hin, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr 2026, das in den GUS-Statistiken noch nicht berücksichtigt ist, deutlich verstärkt“, sagt Magdalena Zielińska, Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Polska Rada Winiarstwa.
Auch die Einnahmen aus der Verbrauchsteuer des polnischen Finanzministeriums bestätigen diese Entwicklung. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres flossen 6,5 Milliarden Złoty aus der Verbrauchsteuer auf alkoholische Getränke in den Staatshaushalt. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits weniger als 6 Milliarden Złoty – und das trotz einer Erhöhung der Verbrauchsteuer um 5 Prozent.
„Die Polen reduzieren ihren Alkoholkonsum, und dieser Prozess findet bereits jetzt statt – ohne zusätzliche steuerliche oder regulatorische Belastungen. Statt die Situation in Ruhe zu bewerten, gibt es jedoch Ankündigungen weiterer Steuererhöhungen und Einschränkungen“, kritisiert Zielińska.
Die vom Finanzministerium geplante Erhöhung der Verbrauchsteuer soll 2027 je nach Art des Alkohols zwischen 20 und 26 Prozent betragen. Gleichzeitig arbeitet das Gesundheitsministerium an einer neuen Abgabe auf den Verkauf von Alkohol. Hinzu kommen geplante höhere Gebühren für Verkaufslizenzen, an denen derzeit im Parlament gearbeitet wird.
„Über viele Jahre war die Logik des Marktes sehr einfach: Mehr Konsum bedeutete größere Absatzmengen. Diese wiederum ließen sich durch Sonderangebote, niedrige Preise und eine breite Distribution steigern. Heute funktioniert diese Logik zunehmend nicht mehr“, sagt Joanna Dolęga-Semczuk, Vorstandsmitglied und Handels- und Marketingdirektorin bei Henkell Freixenet Polska.
„Wenn Verbraucher seltener zu Alkohol greifen, muss das Regal mehr Gründe für eine Kaufentscheidung liefern und nicht einfach nur mehr Produkte anbieten“, erklärt sie.
Die Zukunft sieht Dolęga-Semczuk deshalb in einer stärkeren Ausrichtung des Sortiments auf konkrete Konsumanlässe. Kunden erwarteten heute nicht mehr nur ein Produkt, sondern einen zusätzlichen Wert.
Besonders deutlich sei der Wandel bei Schaumweinen zu beobachten. Gleichzeitig schreitet die sogenannte Premiumisierung voran: Viele Kunden kaufen seltener Alkohol, greifen dafür aber zu teureren Produkten.
Handel reagiert auf den Wandel
Die Veränderungen im Konsumverhalten zwingen auch den Einzelhandel zum Umdenken.
„Wir analysieren laufend die Vorlieben unserer Kunden und passen unser Sortiment an ihre Erwartungen an. In den vergangenen Jahren beobachten wir ein wachsendes Interesse an alternativen Produkten, darunter auch alkoholfreien Angeboten. Das spiegelt sich ebenfalls in unserem Sortiment wider“, sagt Szymon Czubak, Einkaufsdirektor bei Aldi Polska.
Die aktuellen Markttrends erforderten vor allem ein aktives Sortimentsmanagement und eine flexible Reaktion auf veränderte Bedürfnisse der Verbraucher. Auch die Berücksichtigung saisonaler Nachfrage sei ein wichtiger Bestandteil der Strategie, so Czubak.
Auch bei Biedronka wird der Rückgang des Alkoholkonsums beobachtet.
„Der sinkende Alkoholkonsum in Polen ist deutlich sichtbar und wirkt sich auch auf die gesamte Kategorie aus. Besonders stark zeigt sich dies bei Spirituosen. Gleichzeitig verändern sich die Vorlieben der Verbraucher, und alkoholfreie sowie alkoholreduzierte Produkte gewinnen zunehmend an Bedeutung“, sagt Antoni Płuciennik, Kategorienleiter bei Biedronka.
Eine Verringerung der Verkaufsfläche für alkoholische Getränke sei derzeit jedoch nicht geplant. Stattdessen wolle man die Struktur des Sortiments laufend an die veränderten Bedürfnisse und Kaufentscheidungen der Kunden anpassen und insbesondere die Segmente weiterentwickeln, die an Bedeutung gewinnen.
Quelle: rp
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