Der polnische Luftfrachtmarkt wächst kontinuierlich. Dennoch erreicht er bislang nur einen Bruchteil des Frachtaufkommens großer westeuropäischer Drehkreuze. Vor allem Deutschland bleibt der unangefochtene Marktführer in der Europäischen Union. Ein aktueller Bericht der polnischen Förderbank BGK kommt zu dem Schluss, dass der geplante Port Polska zu einem entscheidenden Wendepunkt werden könnte und Polen langfristig in die Gruppe der führenden europäischen Luftfrachtstandorte aufsteigen lassen könnte.
Nach dem Bericht „Cargo lotnicze w Polsce“ wurden im Jahr 2025 über die polnischen Flughäfen insgesamt 214.000 Tonnen Luftfracht transportiert. Das entspricht einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber 2024 und einem Plus von 73 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.
Warszawa / Warschau bleibt das Zentrum des polnischen Luftfrachtverkehrs
Die Autoren des Berichts bewerten die Entwicklung des polnischen Luftfrachtmarktes als dynamisch. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass der Sektor weiterhin unter seinem wirtschaftlichen Potenzial bleibt und im Vergleich zu den größten Volkswirtschaften der EU bisher nur eine geringe Bedeutung besitzt.
Nach Daten von Eurostat entfielen im Jahr 2024 auf Deutschland 31,2 Prozent des gesamten Luftfrachtmarktes der Europäischen Union. Frankreich und Belgien belegten die weiteren Spitzenplätze. Polen lag dagegen auf Rang zwölf und erreichte einen Marktanteil von lediglich 1,3 Prozent beim Transport von Luftfracht und Luftpost innerhalb der EU.
Daten der polnischen Zivilluftfahrtbehörde ULC zeigen außerdem, dass sich der Luftfrachtverkehr in Polen stark auf Warszawa / Warschau konzentriert. Der Flughafen Chopin fertigte im Jahr 2025 rund 140.000 Tonnen Fracht ab und vereinte damit 64 Prozent des gesamten polnischen Marktes auf sich. Es folgten die Flughäfen Katowice / Kattowitz mit rund 16 Prozent Marktanteil sowie Gdańsk / Danzig mit etwa fünf Prozent.
Größter Luftfrachtanbieter in Polen ist nach transportierter Frachtmasse die staatliche Fluggesellschaft PLL LOT. Sie erreichte 2025 einen Marktanteil von 25 Prozent. Sämtliche Fracht wird dabei als sogenanntes „Belly Cargo“ im Frachtraum von Passagierflugzeugen transportiert.
Der polnische Luftfrachtmarkt wird weiterhin vom Import dominiert. Im vergangenen Jahr entfielen 57 Prozent des gesamten Luftfrachtvolumens auf eingeführte Waren. Besonders häufig werden Elektronik, hochwertige Maschinen und Autoteile transportiert. Die wichtigsten Handelspartner sind die USA, China und Indien.
Ein großer Teil der Luftfracht wird weiterhin über deutsche Flughäfen abgewickelt
Nach Einschätzung der Autoren verliert Polen nach wie vor einen erheblichen Teil seines Luftfrachtgeschäfts an ausländische Logistikzentren. Ein großer Teil der Waren mit Ziel oder Ursprung in Polen wird über Flughäfen in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien abgefertigt.
Der geplante Port Polska könnte diese Situation grundlegend verändern. Allerdings reicht nach Ansicht der Experten ein wachsender Passagierverkehr allein nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen.
Die Marktprognosen gehen von einem deutlichen Wachstum der Luftfracht in Polen aus. Nach Berechnungen der polnischen Zivilluftfahrtbehörde ULC könnte das Frachtaufkommen am Port Polska im Jahr 2040 rund 560.000 Tonnen erreichen.
Noch optimistischer fällt die Prognose der International Air Transport Association (IATA) aus. Sie erwartet bis 2040 ein Luftfrachtvolumen von rund 790.000 Tonnen. Das entspräche nahezu einer Vervierfachung des heutigen polnischen Marktes.
Damit würde der geplante Zentralflughafen größere Frachtmengen umschlagen als vergleichbare europäische Drehkreuze wie München, Zürich, Wien oder Kopenhagen. Dort liegt das jährliche Luftfrachtaufkommen derzeit zwischen 200.000 und 440.000 Tonnen und wird überwiegend durch Belly Cargo erzeugt.
BGK: All-Cargo-Verkehr entscheidet über den Erfolg
Der Bericht geht außerdem davon aus, dass der weltweite Luftfrachtverkehr in den kommenden 20 Jahren durchschnittlich um rund 3,3 Prozent pro Jahr wachsen wird. Polen könnte dabei sogar überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen.
Hubert Pyliński von der Branchenanalyse-Abteilung der BGK erklärte: „Bis zum Jahr 2040 könnte der polnische Luftfrachtmarkt auf nahezu eine Million Tonnen pro Jahr anwachsen. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll die Inbetriebnahme des neuen Zentralflughafens leisten. Nach unserer Einschätzung besitzt dieser das Potenzial, zu den größten Cargo-Flughäfen Europas zu gehören, erhebliche Frachtmengen umzuschlagen und bedeutende Einnahmen für den Staatshaushalt zu generieren. Unsere Analysen zeigen jedoch, dass die prognostizierten Volumina ohne einen deutlichen Ausbau des All-Cargo-Verkehrs kaum erreichbar sein werden. Dafür werden spezialisierte Cargo-Fluggesellschaften und eine eigene Frachtflugzeugflotte benötigt.“
Rechtliche und steuerliche Hürden bremsen den Markt
Neben dem Ausbau der Infrastruktur sehen die Autoren des Berichts weitere Hindernisse für die Entwicklung des polnischen Luftfrachtmarktes.
Im Bericht heißt es: „Die Wettbewerbsfähigkeit Polens auf dem europäischen Luftfrachtmarkt wird durch zoll- und steuerrechtliche Vorschriften geschwächt. Dazu zählen insbesondere das Fehlen eines aufgeschobenen Mehrwertsteuerverfahrens sowie bilaterale Luftverkehrsabkommen, welche die Aufnahme neuer Flugverbindungen regeln.“
Nach Einschätzung der Autoren müssen diese Rahmenbedingungen verbessert werden, damit Polen das Wachstumspotenzial des Luftfrachtmarktes vollständig ausschöpfen und seine Abhängigkeit von ausländischen Logistikdrehkreuzen verringern kann.
Quelle: interia
