Ende 2025 machten Einpersonenhaushalte bereits 35 Prozent aller Haushalte in Polen aus. Im Jahr 2006 lag ihr Anteil noch bei 22 Prozent. Darauf weist das Polnische Wirtschaftsinstitut (Polski Instytut Ekonomiczny, PIE) unter Berufung auf Daten von Eurostat hin. Gleichzeitig ging der Anteil der Haushalte mit Kindern deutlich zurück – von 37 Prozent im Jahr 2006 auf 25 Prozent im Jahr 2025.
Die Analystin des Instituts, Iga Rozbicka, erklärte, dass ein Haushalt nach der Definition von Eurostat aus einer erwachsenen Person oder einer Gruppe von Erwachsenen besteht, die in einer Wohnung oder einem Haus zusammenleben. Dabei müssen die Personen nicht miteinander verwandt sein. Entscheidend ist, dass sie gemeinsam über Ressourcen verfügen, die Ausgaben tragen und ihren Alltag organisieren.
Zahl der Haushalte wächst weiter
Zwischen 2006 und 2025 stieg die Gesamtzahl der Haushalte in Polen von 12,7 Millionen auf 15,5 Millionen.
Besonders stark nahm der Anteil der Einpersonenhaushalte zu. Auch Haushalte von Paaren – unabhängig davon, ob Kinder vorhanden sind oder nicht – wurden häufiger. Im Jahr 2025 bestanden 35 Prozent aller Haushalte aus einer einzelnen Person. Paare machten 40 Prozent aller Haushalte aus. Im Jahr 2006 lagen diese Werte noch bei 22 beziehungsweise 36 Prozent.
Gleichzeitig verringerte sich der Anteil anderer Haushaltsformen nahezu um die Hälfte. Dazu zählen Haushalte mit mindestens zwei Erwachsenen, die kein Paar bilden, sowie Haushalte mit mehr als zwei Erwachsenen. Ihr Anteil sank von 42 Prozent auf 24 Prozent.
Auch Haushalte mit Kindern wurden seltener. Während 2006 noch in 37 Prozent aller Haushalte Kinder lebten, lag dieser Anteil 2025 nur noch bei 25 Prozent.
Struktur der Familien bleibt weitgehend stabil
Trotz des Rückgangs von Familienhaushalten bleibt die Verteilung nach Kinderzahl weitgehend unverändert.
„In Bezug auf die Zahl der Kinder bleibt die Struktur der Haushalte stabil. Während des gesamten Analysezeitraums dominierten Haushalte mit einem Kind – ihr Anteil lag 2006 bei 52 Prozent und 2025 bei 51 Prozent. Der Anteil der Haushalte mit zwei Kindern stieg leicht von 34 auf 38 Prozent. Dagegen ging der Anteil von Haushalten mit drei oder mehr Kindern von 14 auf 10 Prozent zurück“, erklärte Rozbicka.
Mehrgenerationenhaushalte werden seltener
Deutlich seltener leben ältere Menschen gemeinsam mit Kindern in einem Haushalt. Im Jahr 2006 wohnten noch 15 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in einem Haushalt mit Kindern. Heute sind es lediglich 6 Prozent.
Im Durchschnitt der Europäischen Union leben nur 3 Prozent der über 65-Jährigen gemeinsam mit Kindern in einem Haushalt.
Nach Einschätzung der Analystin gründen junge Menschen heute häufiger eigene Haushalte – sowohl allein als auch mit Partnerinnen oder Partnern. „Bei den 18- bis 24-Jährigen stieg der Anteil der Einpersonenhaushalte im Analysezeitraum von 3,5 auf 9 Prozent. Der Anteil der jungen Menschen, die als Paar zusammenleben, erhöhte sich von 6 auf 11 Prozent. Zum Vergleich: In der EU lebten 2025 zwölf Prozent der 18- bis 24-Jährigen allein, während sieben Prozent in Paarhaushalten wohnten“, betonte Rozbicka.
Wohnungsmarkt bremst den Trend zur Selbstständigkeit
Gleichzeitig gehört Polen zu den EU-Staaten mit einer besonders hohen Wohnraumüberbelegung. Darunter versteht man Situationen, in denen zu viele Menschen auf zu wenig Wohnfläche leben.
„Die wachsenden Ansprüche an ein eigenständiges Wohnen stoßen auf Hindernisse beim Zugang zu geeigneten Wohnungen“, erklärte Rozbicka.
Herausforderungen für Politik und Gesellschaft
Nach Einschätzung der Expertin werden sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren fortsetzen. Dadurch entstehen neue Herausforderungen für die öffentliche Politik.
Die Veränderungen seien einerseits das Ergebnis kultureller Entwicklungen und steigender Wünsche nach Unabhängigkeit. Andererseits spiegelten sie langfristige demografische Prozesse wider, darunter Migration, eine höhere Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten.
„Weniger gemeinsames Wohnen bedeutet unter anderem eine schwächere familiäre Unterstützungsstruktur – sowohl für Familien mit Kindern als auch für ältere Menschen, die Hilfe benötigen. Ein größerer Teil der Betreuungsaufgaben wird deshalb schrittweise von den Familien auf öffentliche Institutionen und den Dienstleistungsmarkt übergehen. Gleichzeitig wird der wachsende Wunsch nach eigenständigem Wohnen den Druck auf die Wohnungspolitik erhöhen. Sie könnte jungen Menschen den Aufbau eigener Haushalte erleichtern“, sagte Rozbicka.
Quelle: money
Foto: magnific
