Legendäre Kanalfahrt in Polen kehrt zurück: Elf Stunden über den Oberländischen Kanal (Fotos)

Teilen:
Oberländischer Kanal, Elbląg Elbing, Ostróda Osterode, Kanalfahrt Polen, Oberländischer Kanal Schifffahrt, Schiffe über Land, Sehenswürdigkeiten Polen, historische Wasserstraßen Europa, geneigte Ebenen Oberländischer Kanal, einzigartige Attraktionen in Polen,

Nach 15 Jahren Pause können Touristen wieder die komplette Strecke zwischen Elbląg / Elbing und Ostróda / Osterode in Masuren befahren. Die Reederei Żegluga Ostródzko-Elbląska kündigte die Rückkehr der legendären, elfstündigen Kanalfahrt an. Die Route gilt als eine der außergewöhnlichsten touristischen Attraktionen Polens und führt über den Oberländischen Kanal, der zu den sieben Wundern des Landes zählt.

Eine der ungewöhnlichsten Wasserstraßen Europas

Der Oberländische Kanal verbindet die Städte Elbląg / Elbing und Ostróda / Osterode im ehemaligen Ostpreußen im Nordosten Polens. Mit einer Länge von 151 Kilometern gehört er zu den längsten Binnenwasserstraßen des Landes.

Seine Besonderheit ist weltweit nahezu einzigartig: Schiffe fahren hier nicht nur auf dem Wasser, sondern werden auf bestimmten Abschnitten auch über Land transportiert. Dafür kommen spezielle Wagen zum Einsatz, welche die Schiffe auf Schienen über Hügel befördern. Ein vergleichbares System existiert heute nur noch in Kanada.

Anzeige

Vom Wirtschaftsprojekt zur Touristenattraktion

Der Bau des Kanals begann 1844. Ziel war es, Ostróda / Osterode im damaligen Ostpreußen mit Elbląg / Elbing und damit indirekt mit der Ostsee zu verbinden. Ursprünglich diente die Wasserstraße ausschließlich wirtschaftlichen Zwecken. Über den Kanal wurden unter anderem die begehrte Taber-Kiefer aus den Wäldern rund um Ostróda / Osterode in Ostpreußen, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Industrieprodukte transportiert.

Bemerkenswert ist auch der finanzielle Aufwand des Projekts. Der Bau des Kanals war teurer als die Errichtung des Eiffelturms, dessen Kosten dem Wert von rund 77 Tonnen Gold entsprachen.

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verlor der Kanal zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend seine wirtschaftliche Bedeutung. Gleichzeitig entwickelte er sich zu einer beliebten Touristenattraktion. Die Route führt durch eine reizvolle Landschaft mit Seen, Wäldern und weitgehend unberührter Natur.

Die ersten Touristen befuhren die Strecke bereits 1912 an Bord des Motorbootes „Seerose“. Regelmäßige Passagierfahrten wurden 15 Jahre später eingeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Personenverkehr Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre wieder Fahrt auf.

Ein Ingenieurwunder des 19. Jahrhunderts

Die Wasserstraße führt unter anderem über den Drausensee, Samrodt-See, Röthloff See, Ilińsk-See und Drwęckie-See. Außerdem gehören der Große und Kleine Schillingsee zur Route. Zwischen Ostróda / Osterode in Ostpreußen und Stare Jabłonki / Alt Jablonken verläuft dort sogar ein seltener Schiffstunnel.

Entlang des Kanals befinden sich fünf geneigte Ebenen – Buczyniec / Buchwalde, Kąty / Kanthen, Oleśnica, Jelenie / Gelens und Całuny – sowie vier Schleusen: Miłomłyn / Liebemühl, Zielona, Mała Ruś und Ostróda / Osterode in Ostpreußen.

Das hügelige Gelände machte den Bau zahlreicher Schleusen wirtschaftlich unattraktiv. Deshalb entschied man sich für eine damals revolutionäre Lösung: geneigte Ebenen. Auf dem spektakulärsten Abschnitt zwischen Buczyniec / Buchwalde und Całuny werden die Schiffe auf Plattformen gesetzt und auf Schienen über Land transportiert. Auf diese Weise lässt sich ein Höhenunterschied von nahezu 100 Metern überwinden.

„Schiffe fahren über Gras“

Das System wurde im 19. Jahrhundert vom Ingenieur Georg Jacob Steenke entwickelt und funktioniert bis heute nahezu unverändert.

Besonders bemerkenswert ist die Antriebstechnik. Die Anlage arbeitet weder mit Dampfmaschinen noch mit Elektromotoren oder Verbrennungsmotoren. Stattdessen nutzen die Wagen die Kraft des Wassers. Große Wasserräder setzen die Transportmechanik in Bewegung und ziehen die Schiffe über die Hügel.

Der nahezu geräuschlose Transport vermittelt vielen Besuchern den Eindruck, die Schiffe würden tatsächlich „über Gras fahren“.

Rückkehr der legendären Elf-Stunden-Fahrt

In diesem Jahr führt die Żegluga Ostródzko-Elbląska erstmals seit 15 Jahren wieder Fahrten über die gesamte Länge des Kanals durch. Die elfstündige Tour passiert sämtliche geneigten Ebenen und Schleusen der historischen Wasserstraße.

Die letzten Fahrten dieser Art fanden vor der umfassenden Modernisierung des Kanals statt, die zwischen 2011 und 2015 durchgeführt wurde. Während der Arbeiten wurde das alternde technische System vollständig restauriert und wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt.

Nach Angaben des Unternehmens konzentrierte sich die Reederei nach Abschluss der Sanierung zunächst auf kürzere und häufigere Ausflugsfahrten. In den vergangenen Jahren galt die rund viereinhalbstündige Tour „Mit dem Schiff über Gras“ zwischen Elbląg / Elbing und Buczyniec / Buchwalde als längste Attraktion. Andere Strecken dauern in der Regel etwa zwei Stunden.

Der Präsident der Żegluga Ostródzko-Elbląska, Cezary Wawrzyński, erklärte gegenüber Radio Olsztyn / Allenstein: „Wir wollen zu dieser Tradition zurückkehren und die Kultfahrten wiederbeleben. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Enthusiasten und ausdauernde Touristen.“

Termine und Ablauf

Die erste elfstündige Fahrt wurde für den 29. Mai angesetzt. Das Schiff startet um 8.15 Uhr in Ostróda / Osterode in Ostpreußen und erreicht Elbląg / Elbing am Abend. Für die Rückreise steht den Passagieren ein Bus zur Verfügung.

Die nächste Tour findet am 25. Juni statt. Dann verläuft die Strecke in umgekehrter Richtung von Elbląg / Elbing nach Ostróda / Osterode in Ostpreußen. Auch hier erfolgt die Rückfahrt per Bus. Am folgenden Tag startet erneut eine Fahrt in Gegenrichtung mit einer neuen Reisegruppe.

Wird die Kultfahrt wieder zum Publikumsmagneten?

Zunächst sollen die Fahrten testweise einmal pro Monat während der gesamten Saison stattfinden. Sollte die Nachfrage hoch sein, plant die Reederei eine Ausweitung des Angebots.

Im vergangenen Jahr beförderte die Żegluga Ostródzko-Elbląska rund 63.000 Touristen. Zum Einsatz kommen traditionelle Ausflugsschiffe der sogenannten „Weißen Flotte“, darunter die Einheiten „Marabut“, „Cyranka“ und „Pingwin“.

Quelle: dziennikbaltycki

Foto: facebook / Żegluga Ostródzko-Elbląska

Anzeige
Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Mehr von PolenJournal.de
adddddd
[mailpoet_form id="1"]
Das könnte Sie auch interessieren:
Anzeige
Aufgrund Ihres Blockers zeigen wir PolenJournal.de nicht an.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, guter Journalismus hat nicht nur einen Wert, sondern kostet auch Geld. PolenJournal.de finanziert sich durch Werbeeinnahmen. Deaktivieren Sie Ihre Blocker, damit die Inhalte auf PolenJournal.de weiterhin kostenlos bleiben können.
So deaktivieren Sie Ihre Blocker
  1. Klicken Sie auf das Symbol Ihres Werbe- oder Cookiebanner-Blockers in der oberen rechten Ecke Ihres Browsers.
  2. Klicken Sie auf den farbigen Regler, der Ihnen anzeigt, dass Werbung auf PolenJournal.de geblockt wird.
  3. Aktualisieren Sie die Seite und genießen Sie kostenlose Inhalte auf PolenJournal.de.

A Sale Promotion

A description of the promotion and how the visitor could claim the discount