Oktoberfest aus polnischer Sicht: „Die Menge ist unglaublich, das Bier läuft überall hin“ (Video)

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Am Samstag begann in München das wohl bekannteste Bierfest der Welt: das Oktoberfest. In den kommenden zwei Wochen werden die Besucher mehrere Millionen Liter Bier trinken. Für einen Liter zahlen sie dabei mehr als 16 Euro – ein Vielfaches des Preises im Supermarkt. Dazu kommen Tänze auf den Tischen, ein harter Kampf um Sitzplätze und chaotische Zustände in den Toiletten. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, zieht das Oktoberfest jedes Jahr Millionen Menschen nach Bayern.

Für Michał Ćwieląg, den Betreiber der YouTube-Kanäle „Życie w Niemczech“ und „Górska Adrenalina“, lässt sich das Münchner Volksfest vor allem mit einem Wort beschreiben: Schock.

Tänze auf den Tischen und ein Schock auf der Toilette

„Diese Veranstaltung macht zweifellos einen unglaublichen Eindruck, auch wenn dieser in vielerlei Hinsicht nicht unbedingt positiv ist“, berichtet der Pole, der seit Jahren in Deutschland lebt.

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Besonders beeindruckend findet er die vielen Menschen in traditionellen bayerischen Trachten. Sie treffen sich nicht nur auf dem Festgelände. Auch in München sind überall Besucher in Lederhosen und Dirndln unterwegs.

Auch die Bedienungen haben bei ihm Eindruck hinterlassen. „Ich war voller Bewunderung für die Kellnerinnen, die mehrere Dutzend Liter Bier tragen und das so machen, als wäre es für sie überhaupt keine Anstrengung“, erzählt Ćwieląg.

Andere Seiten des Oktoberfestes hinterließen dagegen einen deutlich weniger positiven Eindruck. „Seien wir ehrlich: Das Oktoberfest ist ein Fest des Trinkens. Viele Menschen besetzen die Festzelte von morgens bis zur Schließung und trinken die ganze Zeit Bier. Am Nachmittag sitzen deshalb in den Zelten Tausende mehr oder weniger betrunkene Menschen.“

Dann werde auch auf den Tischen getanzt. „Es sind nicht nur ein oder zwei Personen, sondern ganze Gruppen, die auf die Tische springen und tanzen. Die Menge ist unglaublich, das Bier läuft überall hin und es entsteht ein wirklich unbeschreibliches Chaos“, sagt der YouTuber.

Ein 20 Meter langes Urinal

Für ihn kam der größte Schock allerdings an einem anderen Ort. „Der größte Schock für mich als Pole war der Anblick der Toiletten“, berichtet Ćwieląg. Die Besucher würden beim Bierkonsum nicht gerade zurückhaltend sein. Wer mehrere Liter Bier trinke, müsse entsprechend häufig die Toilette aufsuchen.

„In die Damentoilette habe ich natürlich nicht geschaut. Aber die Herrentoilette war für mich ein echter Schock. Es gibt keine einzelnen Kabinen. Stattdessen gibt es ein gemeinsames Urinal in Form einer 20 Meter langen Rinne, in die gleichzeitig 100 Männer urinieren“, erzählt er.

In der Rinne schwimme alles Mögliche: Müll und verlorene Gürtel. Sogar Schlüssel habe er dort gesehen. „Dieser Anblick und der Geruch sind weit entfernt von dem, was die bunten Bilder in den Oktoberfest-Prospekten zeigen: hübsch gekleidete Kellnerinnen und fröhlich tanzende Besucher in traditionellen Trachten“, sagt Ćwieląg lachend.

Der große Kampf um einen Sitzplatz

Das Oktoberfest ist für viele Besucher nicht nur ein Fest, sondern auch eine Art Wettbewerb. Die größten Fans messen sich darin, wer besonders viel trinken kann. Die Kellnerinnen stellen Rekorde auf, wenn es darum geht, wie viele Bierkrüge sie gleichzeitig tragen. Und die Besucher liefern sich einen regelrechten Kampf um die Plätze an den Tischen.

„Um ein Bier zu trinken oder etwas zu essen, reicht es nicht, in eines der Zelte zu kommen, an die Theke zu gehen und etwas zu bestellen. Bedient werden nur Gäste, die an den Tischen sitzen“, erklärt Ćwieląg. Zwar gibt es in jedem der zehn großen Festzelte mehrere tausend Sitzplätze. Einen davon zu bekommen, sei trotzdem schwierig.

Der Wettbewerb beginnt deshalb lange vor der Öffnung der Zelte. „Viele Menschen stellen sich bereits mehrere Stunden vorher an den Eingängen an, um einen Platz für sich und ihre Freunde zu sichern. Weitere Besucher können sich erst hinsetzen, wenn ein Platz frei wird. Da die meisten Menschen viele Stunden auf dem Fest verbringen, ist die Fluktuation gering.“ Für Ćwieląg erinnert das an eine bekannte Urlaubssituation. „Es sieht ein bisschen aus wie die Jagd nach Liegestühlen am Pool eines All-inclusive-Hotels“, scherzt er.

Mehr als 16 Euro für einen Liter Bier

Auch finanziell ist das Oktoberfest eine Veranstaltung der Extreme. Denn auf dem Festgelände ist längst nicht alles „im Preis inbegriffen“. Im Gegenteil: Bier kostet dort viel Geld. „In diesem Jahr hat der Preis für einen Liter Bier bereits die Marke von 16 Euro überschritten. Das sind umgerechnet rund 70 Zloty“, erklärt Ćwieląg.

Zum Vergleich nennt er die Preise im deutschen Einzelhandel. Für einen Kasten Bier mit 20 Halbliterflaschen zahle man im Discounter im Angebot etwa zehn Euro. Das entspricht weniger als einem Euro pro Liter. Deshalb würden manche Besucher ihren Magen bereits vor dem Betreten des Festgeländes auf den Abend vorbereiten.

Während des Oktoberfestes erinnerten die Straßen rund um das Festgelände laut Ćwieląg an die Atmosphäre vor einem Fußball-Derby. „Überall sind viele Menschen in diesen speziellen Trachten unterwegs. Sie sammeln sich in Gruppen und gehen gemeinsam zum eigentlichen Fest.“

Auch die Geschäfte in der Umgebung stellen sich darauf ein. „Vor den kleinen Läden stehen Tische, an denen man sitzen und etwas trinken kann. Es gibt also viele Möglichkeiten für einen kleinen Pitstop und eine Aufwärmrunde, bevor das eigentliche Biertrinken auf dem Festgelände beginnt“, erzählt der YouTuber.

Oktoberfest als Teil einer Bayern-Reise

Ćwieląg besuchte das Oktoberfest im Jahr 2024. Eine regelmäßige Tradition möchte er daraus allerdings nicht machen. „Ich war einmal dort und glaube nicht, dass ich noch einmal zum Oktoberfest nach München fahren werde.“

Ähnliche Veranstaltungen in anderen deutschen Städten kann er sich dagegen vorstellen. Denn fast jede etwas größere Stadt in Deutschland veranstalte Bierfeste dieser Art. Diese seien jedoch meist kleiner, lokaler und ruhiger. Im Mittelpunkt stehe dort eher das gemeinsame Essen und Trinken mit der Familie als der reine Alkoholkonsum.

Trotz seiner Erfahrungen rät der Pole nicht grundsätzlich von einem Besuch des Oktoberfestes ab. „Ich wollte das unbedingt erleben und ich bin froh, dass ich zum Oktoberfest gefahren bin.“

Wenn ihn Freunde aus Polen fragen, ob sich ein Besuch lohne, habe er deshalb eine differenzierte Antwort. „Man kann für einen Tag hinfahren. Am besten verbindet man das aber mit einer mehrtägigen Reise durch Bayern, denn auch wenn ich kein großer Fan des sehr teuren und luxuriösen Münchens bin, ist das Bundesland selbst wunderschön und hat Touristen viel zu bieten.“

Quelle: wp

Foto: Screenshot / Youtube / Michał Ćwieląg

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