Ein Spaziergang auf der Suche nach Waldbeeren endete für einen Einwohner von Świnoujście / Swinemünde mit einer außergewöhnlichen Entdeckung. Er stieß auf verrostete Metallteile, die nach ersten Einschätzungen von einem alliierten Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg stammen könnten. Fachleute fordern nun eine schnelle Sicherung des Fundorts. Sie schließen nicht aus, dass sich dort weitere Überreste befinden.
Fund nahe der Festung Fort Gerhard
Der Mann war in der Umgebung der Festung Fort Gerhard unterwegs. Dort bemerkte er zunächst eine tiefe Grube und anschließend Fragmente einer Aluminiumkonstruktion. Eines der Teile nahm er mit und übergab es an den Militärkomplex „Podziemne Miasto“ (Unterirdische Stadt).
Über den Fund berichtete Piotr Piwowarczyk vom Museum der Küstenverteidigung (Muzeum Obrony Wybrzeża) in Świnoujście / Swinemünde.
„Schon die erste Begutachtung zeigte, dass es sich nicht um gewöhnlichen Metallschrott handelt. Die Beschaffenheit der Bleche, die Nietverbindungen, Spuren der Flugzeugkonstruktion und verbrannte Munition deuten darauf hin, dass dies Fragmente eines Flugzeugs sind“, erklärte der Experte des Museums, Wiktor Czeszewski.
Weitere Wrackteile und Munition entdeckt
Nach dem ersten Hinweis entsandten die Fachleute ein Team zum Fundort. Dort wurden weitere Flugzeugteile sowie Munitionsreste entdeckt. Nach einer ersten Einschätzung handelt es sich dabei um Munition des Kalibers .303 British. Dieses Kaliber wurde unter anderem in britischen Browning-Maschinengewehren verwendet.
In einer Mitteilung heißt es: „Unter den zuvor geborgenen Entdeckung befand sich außerdem ein Rohr mit einer Identifikationsnummer. Einer Analyse zufolge könnte es mit Komponenten des Merlin-Flugmotors in Verbindung stehen. Sollte sich dieser Hinweis bestätigen, kämen Flugzeuge wie die Lancaster, die Mosquito oder andere alliierte Maschinen mit entsprechenden Triebwerkskomponenten infrage. Derzeit handelt es sich jedoch lediglich um eine Hypothese und nicht um ein endgültiges Ergebnis.“
Milan Litwinowicz vom Museum der Küstenverteidigung erklärte: „Vor uns liegen noch viele offene Fragen und vermutlich manche weitere Überraschung. Eines steht jedoch fest: Die Geschichte dieses Ortes wird immer faszinierender, und das unscheinbare Kupferrohr könnte sich als erster Schlüssel zur Lösung eines mehr als 80 Jahre alten Rätsels erweisen.“
Experten fordern Schutz des Fundorts
Die Museumsmitarbeiter betonen, dass das Gelände rund um die Entdeckung unter Schutz gestellt und wissenschaftlich untersucht werden sollte.
„Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich im Boden noch die sterblichen Überreste von Besatzungsmitgliedern befinden. Deshalb sollte das Gebiet so schnell wie möglich professionell gesichert werden“, sagte Wiktor Czeszewski.
Möglicher Absturz in den letzten Kriegsmonaten
Nach bisherigen Einschätzungen könnte das Flugzeug in der Endphase des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet des heutigen Świnoujście / Swinemünde abgestürzt sein. Alliierte Bomber flogen damals über diese Region, um die von Deutschland kontrollierten Städte Szczecin / Stettin und Police / Pölitz sowie Industrieanlagen in Pommern anzugreifen. Möglicherweise wurde die Maschine von der deutschen Flugabwehr getroffen.
In der Mitteilung heißt es außerdem: „Als letztes über Świnoujście / Swinemünde abgeschossenes Flugzeug gilt höchstwahrscheinlich eine sowjetische Maschine, die erst in den letzten Tagen des ausklingenden Krieges abgeschossen wurde.“
Über den Fund wurden bereits mehrere Institutionen informiert. Dazu gehören unter anderem der Woiwodschaftliche Denkmalpfleger, das Forstamt Międzyzdroje / Misdroy sowie Organisationen, die sich mit dem Schutz von Kriegsgräbern befassen.
Quelle: interia
Foto: facebook / Fort Gerharda – Muzeum Obrony Wybrzeża