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Wo Goethe und Chopin sich erholten

Schon vor Jahrhunderten kannte man die heilsame Wirkung der Mineralquellen in den niederschlesischen Sudeten. Die heute zu Polen gehörende Mittelgebirgsregion zeigt sich in neuem Glanz und zieht wieder zahlreiche Gäste aus Deutschland an. 

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Montag, 23. Oktober 2017
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Gängige historische Darstellungen Polens sehen das Land vor allem als Opfer seiner Nachbarn; Politik und Gesellschaft stehen bei dieser Betrachtungsweise im Vordergrund. Im Gegensatz dazu ist das vorliegende Buch eine erste deutschsprachige, knappe und integrierte Kulturgeschichte Polens. Sie reicht von den Anfängen bis in die Gegenwart und bezieht auch die europäischen Entwicklungen mit ein. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem 19. sowie dem 20. und 21. Jahrhundert. 

Gegengezeichnet werden sowohl landläufige Verortungen Polens am Rande Europas und im Schatten Russlands, als auch die in der polnischen Historiographie verbreiteten Vorstellungen von einem ausschließlich nach Westen orientierten und hin zum Osten weitgehend isolierten Land. Stattdessen bietet Christoph Augustynowicz einen breiten Blick auf die unterschiedlichen Medien repräsentativer Kultur an, angefangen bei den verschiedenen Literaturgattungen und der bildenden Kunst über die Architektur und das Museumswesen hin zu Musik und Film.

Das staatenlose 19. Jahrhundert, als Polen zwischen Preußen, Russland und Österreich dreigeteilt war, prägte sehr unterschiedliche kulturelle Strömungen aus. An der Wende von der klassizistischen Aufklärung zur nationalen Romantik betrat der später zum Nationaldichter erhobene Adam Mickiewicz die literarische Bühne. Die Repression nach der Niederschlagung des Novemberaufstandes 1831/32 gegen den Zarismus trieb Tausende polnische Kulturschaffende ins Exil. Fryderyk Chopin eroberte die Konzertsäle Europas, Piotr Michałowski galt als einer der wichtigsten Vertreter der Romantik in der Malerei. Nach dem Aufstand von 1863 traten positivistische Strömungen hervor, unter ihnen der spätere Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz. 

Die Gliederung des Buchs folgt einem chronologischen Schema. Von der Kultur in dynastischen Zusammenhängen des Mittelalters (Piasten, Jagiellonen) und in der feudal-dezentralen Adelsgesellschaft der frühen Neuzeit führt der Autor über zur polnischen Kultur als Substitut für fehlende staatliche Politik im langen 19. Jahrhundert unter den Teilungsmächten und in der Emigration. Zum Abschluss wird die Kulturgeschichte Polens im 20. Jahrhundert, vor allem in der Zeit nach 1945 sowohl unter kommunistischer als auch unter transformierter Herrschaft beschrieben.

Christoph Augustynowicz, geboren 1969 in Wien, Studium der Geschichte und Slawistik. Er arbeitet als außerordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen galizisch-polnische Grenzraumforschung, Sozialgeschichte Polen(-Litauens) unter besonderer Berücksichtigung der Juden sowie Bilder und Stereotype des östlichen Europa.

Das Buch Kleine Kulturgeschichte Polens. Vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert ist bereits im Handel erhältlich.

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