Der französische Automobilzulieferer Valeo baut seinen Standort in Czechowice-Dziedzice / Czechowitz-Dzieditz zu einem der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungszentren des Konzerns in Europa aus. Nach Informationen von Business Insider Polska sollen dabei auch Entwicklungsprojekte aus anderen europäischen Standorten, darunter aus Deutschland, nach Polen verlagert werden.
Das neue Zentrum wird sich auf Schlüsseltechnologien der Elektromobilität konzentrieren. Im Fokus stehen Hochvolt-Elektroantriebe, eAxle-Systeme (elektrische Achsen), Elektromotoren, hydraulische Komponenten sowie intelligente Aktuatoren.
Mehr als 100 neue Ingenieurstellen geplant
Mit dem Ausbau der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wächst auch der Personalbedarf. Valeo plant die Einstellung von mehr als 100 Ingenieurinnen und Ingenieuren. Sie sollen ein bereits bestehendes Forschungs- und Entwicklungsteam von rund 200 Beschäftigten verstärken.
Die Rekrutierung und der Aufbau neuer Teams sollen in den kommenden Monaten beginnen. Zum Investitionsvolumen machte das Unternehmen keine Angaben.
Nach Angaben des Konzerns soll die Rolle Polens innerhalb der Unternehmensgruppe deutlich gestärkt werden. „Das Werk in Czechowice-Dziedzice entwickelt sich zu einem zentralen Forschungs- und Entwicklungsstandort der Valeo-Gruppe, der für Schlüsselprojekte im Bereich der Elektromobilität verantwortlich sein wird“, sagte Marcin Weinkauf, R&D-Projektleiter bei Valeo und verantwortlich für den Aufbau des neuen Zentrums.
Kompetenzen werden in Polen gebündelt
Wie Business Insider Polska aus Unternehmenskreisen erfuhr, werden Know-how und wichtige Entwicklungsprojekte aus anderen europäischen Standorten nach Czechowice-Dziedzice / Czechowitz-Dzieditz verlagert. Dazu gehören auch Aktivitäten aus Deutschland. Am polnischen Standort soll ein europaweit bedeutendes Entwicklungszentrum für diese Technologien entstehen.
Die Verlagerung entspricht einem breiteren Trend innerhalb der Industrie. Ingenieur- und Entwicklungsaufgaben werden zunehmend nach Mittel- und Osteuropa verlegt. Dort ist die Verfügbarkeit technischer Fachkräfte vergleichsweise hoch, während die Arbeitskosten weiterhin unter dem Niveau Westeuropas liegen. Bereits vor zwei Jahren hatte Valeo die Belegschaft um rund 1.000 Stellen reduziert. Die Einschnitte betrafen vor allem Standorte in Westeuropa.
Laut Unternehmensangaben wird der neue Hub für „Schlüsselentwicklungsprojekte“ im Bereich elektrischer und hybrider Antriebe verantwortlich sein. Zudem sollen künstliche Intelligenz und KI-gestützte Werkzeuge in den Entwicklungs- und Konstruktionsprozessen eingesetzt werden. „Das strategische Ziel unseres neuen technischen Zentrums besteht darin, die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich moderner elektrischer und hybrider Antriebssysteme wieder aufzubauen“, betonte Weinkauf.
Automobilindustrie bleibt wichtiger Wirtschaftsfaktor in Polen
Die Automobilindustrie ist der drittgrößte Industriesektor Polens. Die Branche beschäftigt entlang der gesamten Lieferkette rund 200.000 Menschen und trägt etwa acht Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.
Investitionen wie das neue Valeo-Projekt spiegeln den Wandel der Branche wider. Der Sektor entwickelt sich zunehmend weg von Verbrennungsmotoren hin zu emissionsärmeren und technologisch anspruchsvolleren Antriebslösungen.
Valeo setzt auf Elektromobilität und Kreislaufwirtschaft
Das an der Börse in Paris notierte Unternehmen erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 20,9 Milliarden Euro. Die Gruppe beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 29 Ländern. Weltweit verfügt Valeo über 59 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie 149 Produktionsstandorte.
Der Standort Czechowice-Dziedzice / Czechowitz-Dzieditz hatte bereits bislang eine wichtige Produktions- und Kompetenzfunktion. Dazu gehört unter anderem die Wiederaufbereitung von Fahrzeugkomponenten. Durch diesen Prozess lassen sich bis zu 80 Prozent der Bauteile aus gebrauchten Produkten zurückgewinnen. Das reduziert den Rohstoffverbrauch und senkt die CO₂-Emissionen.
Darüber hinaus entwickelt Valeo Projekte zur Wiederaufbereitung von Komponenten für Elektrofahrzeuge, darunter Elektromotoren. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in erneuerbare Energien und Photovoltaikanlagen. Geplant ist auch eine Erweiterung der bestehenden Anlagen, um einen eigenen Solarpark aufzubauen.
Teil einer langfristigen Technologiestrategie
Der Ausbau des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Czechowice-Dziedzice / Czechowitz-Dzieditz ist Teil einer umfassenderen Technologiestrategie von Valeo. Das Unternehmen konzentriert sich dabei auf die Elektrifizierung von Antrieben, Fahrassistenzsystemen und softwarebasierte Lösungen.
Zusätzlich plant der Konzern Investitionen in KI-basierte Werkzeuge. Diese sollen Entwicklungsprozesse beschleunigen und die Markteinführung neuer Produkte verkürzen.
Quelle: BI
Foto: magnific
