In fast allen Ländern Europas steigen die Löhne. Polen ist auch von dieser Tendenz gezeichnet.
Laut dem Bericht des Statistischen Hauptamtes (GUS) verdiente man in Polen im September durchschnittlich 4.473 Zloty. Das bedeutet einen Lohnanstieg im Jahresvergleich um rund 6%. Experten gehen davon aus, dass die Löhne weiter steigen könnten. Allerdings muss man bei den GUS-Daten beachten, dass für die Auswertung durchschnittliche Bruttogehälter innerhalb der Unternehmen, die mindestens zehn Arbeitnehmer beschäftigen, unter die Lupe genommen wurden. In anderen Worten, netto bekommen die Arbeitnehmer an der Weichsel viel weniger.
Auf der anderen Seite spiegelt der GUS-Bericht die Tendenzen auf dem polnischen Arbeitsmarkt wieder. Eine niedrige Arbeitslosenrate zusammen mit steigender Einstellungsquote führt zum Lohndruck und schließlich höheren Gehältern. Eine Rolle spielt auch hier die gute Wirtschaftslage, die den Lohnanstieg noch zusätzlich untermauern könnte. Wir haben zurzeit nicht nur in Polen mit einer Wirtschaftsbelebung zu tun, sondern in fast allen Ländern der Eurozone und der EU. Man kann also sagen, dass sich die polnische Wirtschaft im richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz befindet. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lage verschlechtert ist zurzeit begrenzt – erklärt Bartosz Grejner, von Cinkciarz.pl
Der Marktanalytiker stellte auch eine interessante Frage bezüglich der Lohnkluft zwischen Deutschland und Polen. Wann könnten die polnischen Löhne mit den deutschen gleichziehen? In den letzten zehn Jahren stiegen die Gehälter in Deutschland im Schnitt um 2,05%. In Polen war der Lohnanstieg noch signifikanter und erreichte 4,17%. Bei der recht optimistischen und wenig realen Annahme, dass das Lohnwachstumstempo in beiden Ländern mit ähnlichen Inflationsraten aufrechterhalten wird, zieht Polen mit Deutschland in Sachen Durchschnittslöhne erst in 83 Jahren gleich, wie die Experten von Cinkciarz.pl ausrechneten. Man muss aber bedenken, dass es fast unmöglich ist, dieses Lohnwachstumstempo zu behalten. Je schneller sich das jeweilige Land weiterentwickelt und dementsprechend reicher wird, desto schwieriger ist es das Wachstumstempo zu behalten. Das ist der normale Lauf der Dinge – erklärt Bartosz Grejner.
Wann könnte also Polen die Lohnlücke zu Deutschland real schließen? Laut Grejner wird es sogar Anfang des 22. Jahrhunderts sehr schwierig sein dies zu schaffen.