Mit dem Bau einer technischen Zufahrtsstraße hat in Swinemünde/Świnoujście die Umsetzung des Projekts Przylądek Pomerania“ (dt. Kap Pomerania) begonnen. Dabei handelt es sich um das neue Tiefwasser-Containerterminal, auf welches die polnische maritime Wirtschaft seit Jahren wartet.
Bei der Eröffnung der Bauarbeiten betonte der polnische Infrastrukturminister Dariusz Klimczak, dass „Kap Pomerania“ die größte Hafeninvestition in der jüngeren Geschichte Polens sei.
„Wir beginnen mit dem Bau einer technischen Straße. Das ist der tatsächliche Start dieser Mega-Investition, auf welche die polnische maritime Wirtschaft gewartet hat. Die Investition im Wert von 10 Milliarden Zloty wird das Gesicht der polnischen Meereswirtschaft verändern. Wir werden mit den wichtigsten europäischen Häfen konkurrieren können, weil wir uns für ein wirklich mutiges Projekt entschieden haben“, sagte Klimczak.
Wie der Minister erklärte, sei die wichtigste Herausforderung die Integration des neuen Hafens in das bestehende Straßen- und Schienennetz. Dies sei notwendig, damit das Terminal eine möglichst hohe Umschlagskapazität erreichen könne und der Standort optimale Bedingungen für Unternehmen biete.
Technische Straße als erster Schritt des Milliardenprojekts
Nach Angaben von Klimczak soll die technische Straße innerhalb von zehn Monaten fertiggestellt werden. Sie wird während der gesamten Bauphase als Zufahrt für Baumaschinen, Baumaterialien und die beteiligten Teams dienen.
„Die Straße, die wir bauen, wird eine technische Funktion erfüllen und die Zufahrt zum zukünftigen Baufeld auf dem Meer ermöglichen“, erklärte Jarosław Siergiej, Vorstandsvorsitzender der Seehafenverwaltung Szczecin und Świnoujście, während einer Pressekonferenz.
Im nächsten Schritt soll ein Unternehmen ausgewählt werden, welches den maritimen Teil der Anlage errichtet. Dazu gehören unter anderem Wellenbrecher, Spundwände, neues durch Aufspülung gewonnenes Land, das Hafenbecken sowie die Zufahrtswasserstraße.
Neuer Außenhafen mit 186 Hektar Neuland
„Kap Pomerania“ wird ein neuer Außenhafen in Swinemünde/Świnoujście und gleichzeitig eines der größten Hafenprojekte an der Ostsee. Nach den aktuellen Planungen entstehen rund 186 Hektar neues Land, fast drei Kilometer neue Kaianlagen mit einem Wellenbrecher, eine Zufahrtsrinne sowie ein Hafenbecken mit einer Tiefe von 17 Metern.
Das wichtigste Element des Projekts ist das neue Tiefwasser-Containerterminal. Es wird über einen 1,3 Kilometer langen Kai verfügen und jährlich bis zu zwei Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit – Standardcontainer) umschlagen können.
Das Terminal soll sowohl internationale interkontinentale Verkehrsverbindungen bedienen sowie auch als logistisches Zentrum für Mitteleuropa dienen. Dazu gehören neben Polen auch Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Österreich und Ungarn.
Polen will zum Tor für Mitteleuropa werden
Der stellvertretende Infrastrukturminister Arkadiusz Marchewka erklärte, dass Polen mit dem neuen Hafen eine strategische Rolle im internationalen Handel übernehmen wolle.
„Wir haben den Anspruch, dass unsere Häfen das Tor für diesen Teil Mittel- und Osteuropas werden. Dank des Hafens in Swinemünde/Świnoujście und des neuen Tiefwasserhafens wird die polnische Wirtschaft eine Schlüsselrolle im internationalen Handel spielen. Diese Waren werden nicht nur den polnischen Markt versorgen können, sondern auch unsere südlichen Nachbarn und den Osten Deutschlands. Das sind große Möglichkeiten und große Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung“, sagte Marchewka.
Terminal mit ziviler und militärischer Nutzung
Das neue Containerterminal wird für eine doppelte Nutzung vorbereitet: für zivile und militärische Zwecke.
„Das ist eine zweite Funktion, die heute eine grundlegende Voraussetzung für den Beginn jeder neuen Investition ist. Der Bau dieses Hafens in einem Umfang, der Sicherheitsaspekte berücksichtigt, ist eine gute Nachricht für die gesamte Ostsee-Region und diesen Teil Europas“, sagte Infrastrukturminister Klimczak.
Die geplante militärische Nutzung steht im Zusammenhang mit der wachsenden Bedeutung strategischer Infrastruktur für die Sicherheit Europas.
Aufnahme der größten Containerschiffe auf der Ostsee
Das „Kap Pomerania“ wird östlich des LNG-Wellenbrechers in Swinemünde/Świnoujście auf einer künstlich aufgeschütteten Fläche in der Pommerschen Bucht entstehen. Der Hafen wird für die größten Hochsee-Containerschiffe ausgelegt, welche die Ostsee erreichen können.
Die Anlage soll gleichzeitig drei Schiffe aufnehmen können: zwei Schiffe mit einer Länge von jeweils 400 Metern sowie ein weiteres Schiff mit einer Länge von 250 Metern.
Die Kosten für den Teil des Projekts, für den die Seehafenverwaltung Szczecin und Świnoujście verantwortlich sind, belaufen sich auf rund 1,5 Milliarden Zloty.
Zusätzlich sollen rund 70 Kilometer der Zufahrtswasserstraße zum Hafen vertieft werden. Geplant sind außerdem der Bau eines neuen Hafenbeckens sowie einer umfangreichen Binneninfrastruktur mit Straßen- und Bahnverbindungen.
Ökologischer Hafen mit moderner Technologie
Nach den Plänen der Investoren soll das neue Terminal ein umweltfreundlicher Hafen werden. Zum Einsatz kommen emissionsfreie Umschlagstechnologien sowie Systeme zur Versorgung von Schiffen mit Strom vom Land.
Diese Lösungen sollen den Lärm und die Abgasemissionen reduzieren.
Auf einer Fläche von mehr als 47 Hektar entsteht außerdem eine neue Straßen- und Eisenbahninfrastruktur. Geplant sind zwei Zufahrtsgleise mit einer Länge von mehr als drei Kilometern sowie ein eigener Bahnanschluss direkt auf dem Terminalgelände.
Das Terminal wird zudem über ein rund zwei Kilometer langes Straßensystem erreichbar sein. Vorgesehen sind außerdem Wasser- und Abwassernetze, IT-Infrastruktur, sanitäre Einrichtungen sowie Gebäude für den Grenzschutz, den Zoll und die Gesundheitsdienste.
Proteste von Einwohnern gegen das Projekt
Vor der offiziellen Eröffnung der Bauarbeiten für das Tiefwasser-Containerterminal versammelte sich eine Gruppe protestierender Einwohner von Świnoujście.
Die Demonstranten hielten unter anderem Transparente mit den Aufschriften „Stoppt die Betonierung der Ostsee“ und „Der Hafen darf unser rechtes Stadtgebiet nicht zerstören“.
Wie die Protestierenden erklärten, werden die Meinungen der Einwohner bei der Umsetzung des Projekts nicht ausreichend berücksichtigt. Ihrer Ansicht nach könnte die Investition in der aktuellen Form negative Auswirkungen auf den Tourismus haben.
Die Fertigstellung des Projekts „Kap Pomerania“ ist nach derzeitigen Planungen für etwa das Jahr 2030 vorgesehen.
Quelle: bankier
Foto: Facebook/Ministerstwo Infrastruktury
