Die Arbeitskosten in Polen steigen weiterhin schneller als im EU-Durchschnitt. Im zweiten Quartal 2026 legten die Kosten pro Arbeitsstunde um 4,7 Prozent zu. Damit liegt Polen deutlich über dem EU-Mittelwert von 3,2 Prozent. Gleichzeitig hat sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert. Besonders stark steigen die Arbeitskosten derzeit in Mittel- und Osteuropa.
Die Arbeitskosten in der Europäischen Union nehmen weiter zu, allerdings deutlich langsamer als in den vergangenen Jahren. Nach den neuesten Daten von Eurostat stiegen die Arbeitskosten pro Arbeitsstunde im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 3,2 Prozent in der gesamten EU und um 3,1 Prozent im Euroraum.
Polen gehört weiterhin zu den Ländern mit überdurchschnittlich hohen Zuwachsraten. Gleichzeitig zeigt sich auch hier eine deutliche Abschwächung der Dynamik.
Arbeitskosten in der EU steigen um 3,2 Prozent
Zu den Arbeitskosten gehören nicht nur die ausgezahlten Löhne und Gehälter. Eingerechnet werden auch sogenannte Lohnnebenkosten, etwa die vom Arbeitgeber getragenen Sozialversicherungsbeiträge.
Im zweiten Quartal 2026 entwickelten sich die beiden Bestandteile wie folgt:
- Im Euroraum stiegen die Löhne und Gehälter um 3,0 Prozent, die Lohnnebenkosten um 3,2 Prozent.
- In der gesamten EU erhöhten sich sowohl die Löhne und Gehälter als auch die Lohnnebenkosten um jeweils 3,2 Prozent.
Nach Wirtschaftsbereichen war das Wachstum unterschiedlich. Am stärksten legten die Arbeitskosten im Baugewerbe zu. Dort betrug der Anstieg 3,9 Prozent. In der Industrie und im Dienstleistungssektor lag er bei rund 3 Prozent.
Polen liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt
In Polen erhöhten sich die Arbeitskosten pro Stunde in der Gesamtwirtschaft im zweiten Quartal 2026 um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Damit lag Polen 1,5 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt.
Sowohl die Lohnkosten als auch die Lohnnebenkosten stiegen um jeweils 4,7 Prozent. Polen gehört damit weiterhin zur Gruppe der EU-Staaten, in denen die Arbeitskosten deutlich schneller wachsen als im europäischen Durchschnitt.
Allerdings ist Polen nicht das Land mit dem stärksten Anstieg.
Bulgarien und Litauen führen das Wachstum an
Besonders stark stiegen die Arbeitskosten in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern. Die höchsten Zuwächse wurden im zweiten Quartal 2026 in folgenden Staaten registriert:
- Bulgarien: 9,9 Prozent
- Litauen: 9,6 Prozent
- Kroatien: 8,9 Prozent
- Ungarn: 7,9 Prozent
- Slowenien: 6,9 Prozent
- Estland: 6,5 Prozent
Polen lag mit 4,7 Prozent deutlich darunter. Dennoch war der Anstieg weiterhin wesentlich höher als in vielen großen Volkswirtschaften Westeuropas.
In Deutschland erhöhten sich die Arbeitskosten um 2,9 Prozent, in Frankreich und Italien jeweils um 2,1 Prozent. Österreich kam auf 3,3 Prozent, die Niederlande auf 3,1 Prozent.
Damit zeigt sich bei der Entwicklung der Arbeitskosten ein deutliches geografisches Muster: In zahlreichen mittel- und osteuropäischen Ländern steigen diese weiterhin schneller als in den großen Volkswirtschaften Westeuropas.
Wachstum in Polen hat sich innerhalb eines Jahres halbiert
Trotz des überdurchschnittlichen Anstiegs gibt es für Polen eine wichtige Veränderung: Die Dynamik hat deutlich nachgelassen.
Noch im zweiten Quartal 2025 waren die Arbeitskosten pro Stunde in der polnischen Gesamtwirtschaft um 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Ein Jahr später beträgt der Zuwachs nur noch 4,7 Prozent.
Damit hat sich das Wachstum innerhalb eines Jahres nahezu halbiert.
Eine ähnliche Entwicklung ist in mehreren Ländern der Region zu beobachten. Nach einer Phase hoher Inflation und starkem Lohndruck hat sich die Dynamik auf den Arbeitsmärkten abgeschwächt.
Immobilienbranche mit besonders starkem Kostenanstieg
Auch zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen gibt es deutliche Unterschiede.
Auf EU-Ebene stiegen die Lohnkosten besonders stark in folgenden Bereichen:
- Grundstücks- und Wohnungswesen: +5,7 Prozent
- sonstige Dienstleistungen: +5,1 Prozent
- sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen und Unterstützungsleistungen: +4,8 Prozent
Deutlich moderater fiel der Anstieg dagegen im Bergbau aus. Dort erhöhten sich die Lohnkosten um 1,5 Prozent.
Im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung lag der Zuwachs bei 1,7 Prozent.
In der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen gingen die Lohnkosten sogar leicht zurück. Hier wurde ein Minus von 0,4 Prozent verzeichnet.
Die aktuellen Zahlen zeigen damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Arbeitskosten steigen in der EU weiterhin, doch die Dynamik lässt nach. Gleichzeitig bleibt der Abstand zwischen vielen mittel- und osteuropäischen Ländern und den großen westlichen Volkswirtschaften deutlich sichtbar.
Quelle: businessinsider
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