Ein Senkloch auf einem Privatgrundstück in Głuchołazy / Ziegenhals hat möglicherweise ein lange verborgenes Kapitel der regionalen Bergbaugeschichte offengelegt. Das Loch entstand am 18. Mai an der Lompy-Straße und vergrößerte sich innerhalb von nur 24 Stunden deutlich.
Experten des Bergbauunternehmens KGHM Cuprum sehen einen möglichen Zusammenhang mit dem historischen „Stollen der Drei Könige“, einem mehrere Jahrhunderte alten Goldstollen. Gleichzeitig warnen sie davor, dass ähnliche Einbrüche auch an anderen Stellen auftreten könnten.
Das Senkloch wurde innerhalb eines Tages größer und tiefer
Nach ersten Untersuchungen zeigt sich, dass die Einbruchsstelle unter dem Rasen und dem Parkplatz deutlich größer ist als an der Oberfläche sichtbar. Das Senkloch hat eine tropfenartige Form und erreicht eine Tiefe von bis zu drei Metern.
Spezialisten von KGHM Cuprum trafen vor Ort ein. Sie untersuchten und vermaßen die betroffene Fläche.
Warum der historische Goldstollen als Ursache gilt
Dr.-Ing. Maciej Madziarz, Leiter der Bergbauabteilung von KGHM Cuprum und Dozent an der Technischen Universität Wrocław / Breslau, sieht eine klare Verbindung zur alten unterirdischen Infrastruktur.
Nach seiner Einschätzung entstand das Senkloch wahrscheinlich direkt über dem Verlauf eines historischen Stollens. Dort könnte sich früher ein Belüftungsschacht oder ein Lichtschacht befunden haben.
Als wahrscheinliche Ursache nennt er verstärkte unterirdische Wasserströme während der Überschwemmungen der vergangenen Jahre. Das Wasser habe nach und nach Gesteinsmaterial ausgespült. Dadurch sei der verfüllte Schacht langsam instabil geworden, bis das Material schließlich nachgab.
Madziarz vergleicht den Prozess mit einem Flaschenkorken: Über Jahre könne ein solcher Verschluss stabil bleiben. Unter bestimmten Bedingungen rutsche er jedoch plötzlich tiefer – genau das sei hier vermutlich geschehen.
Was ist der „Stollen der Drei Könige“?
Historiker und Geologen gehen davon aus, dass unter dem Wohngebiet Osiedle Tysiąclecia in Głuchołazy / Ziegenhals der sogenannte „Stollen der Drei Könige“ verläuft.
Der rund sechs Kilometer lange Tunnel entstand Ende des 16. Jahrhunderts. Bergleute legten ihn damals an, um Wasser aus den Goldminen abzuleiten. Der Stollen reicht nach heutigen Erkenntnissen bis ins heutige tschechische Zlaté Hory.
Im Bereich der Lompy-Straße verläuft der Hauptstollen etwa 50 Meter unter der Oberfläche. Historische Quellen zeigen außerdem, dass mehrere parallel verlaufende Gänge existierten. Belüftungsschächte verbanden diese mit der Oberfläche und versorgten die Bergwerke mit Frischluft.
Gefahr für die umliegenden Häuser bleibt unklar
Das Senkloch liegt auf privatem Gelände. Das Wohnhaus der Eigentümer steht nur etwa 20 Meter entfernt.
Experten halten deshalb Sicherungsmaßnahmen und eine kontinuierliche Beobachtung für notwendig. Ohne geophysikalische Untersuchungen lasse sich das Risiko für die umliegende Bebauung nicht seriös einschätzen.
Ein einfaches Zuschütten der Öffnung würde das Problem nach Einschätzung der Fachleute nicht lösen.
Ähnliche Vorfälle gab es bereits früher
In den vergangenen 50 Jahren entstanden im Raum Głuchołazy / Ziegenhals und Konradów / Dürr Kunzendorf mindestens drei vergleichbare Senklöcher. Historische Aufzeichnungen nennen sogar weitere Fälle.
Der aktuelle Vorfall unterscheidet sich jedoch deutlich: Zum ersten Mal entstand ein solcher Einbruch mitten in einem Wohngebiet und in unmittelbarer Nähe von Häusern.
Frühere Sucharbeiten blieben erfolglos
Bereits 2023 suchte KGHM Cuprum im Auftrag der Stadtverwaltung nach dem Anfang des historischen Stollens. Die Arbeiten konzentrierten sich auf das Gebiet zwischen der Brodatego- und der Zdrojowa-Straße.
Die Suche brachte jedoch kein Ergebnis. Der vermutete Zugang war offenbar im Laufe der Jahrzehnte mit Bauschutt und Schlacke verfüllt worden.
Auch alte Geländevertiefungen, die noch auf Karten aus den 1920er Jahren eingezeichnet waren, existieren heute nicht mehr. Sie wurden inzwischen vollständig zugeschüttet.
Eine Überschwemmung stoppte die Arbeiten. Dennoch planen Wissenschaftler eine Rückkehr nach Głuchołazy / Ziegenhals.
Historischer Fund könnte Tourismus ankurbeln
Forscher wollen den „Stollen der Drei Könige“ erneut lokalisieren und zugänglich machen.
Sollte das gelingen, könnte Głuchołazy / Ziegenhals eine außergewöhnliche touristische Attraktion gewinnen. Die jahrhundertealte Goldmine würde nicht nur neue Erkenntnisse zur regionalen Geschichte liefern, sondern auch viele Besucher anziehen.
Quelle: wp
Foto: facebook / Głuchołazy to MY