Nur in Rumänien liegt der Anteil der offenen Stellen niedriger als in Polen. Im zweiten Quartal 2026 lag die Quote in Polen bei 0,8 Prozent. Der EU-Durchschnitt war mehr als doppelt so hoch. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Das Ergebnis lässt sich unterschiedlich interpretieren.
„Im zweiten Quartal 2026 lag die Quote der offenen Stellen (nicht besetzte Arbeitsplätze, die von einem Arbeitgeber gemeldet wurden und der aktiv nach einem Arbeitnehmer sucht) im Euroraum bei 2,1 Prozent, gegenüber 2,3 Prozent im ersten Quartal 2026 und 2,2 Prozent im zweiten Quartal 2025“, teilte Eurostat am Dienstag mit.
In der gesamten EU lag die Quote etwas niedriger. Sie erreichte 2,0 Prozent. Im ersten Quartal 2026 und im zweiten Quartal 2025 hatte sie jeweils 2,1 Prozent betragen.
Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen. In der EU waren weniger Stellen in Industrie und Bauwirtschaft unbesetzt als beispielsweise im Dienstleistungssektor. Die Quote lag bei:
- 1,8 Prozent in Industrie und Bauwirtschaft
- 2,1 Prozent im Dienstleistungssektor
Offene Stellen: Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten
Unter den EU-Mitgliedstaaten mit vergleichbaren Daten verzeichnete Eurostat im zweiten Quartal 2026 die höchsten Quoten offener Stellen in den Niederlanden mit 4,1 Prozent und in Belgien mit 3,3 Prozent. Es folgten Malta mit 3,1 Prozent und Österreich mit 2,9 Prozent.
Die niedrigsten Werte gab es in Rumänien mit 0,5 Prozent. Danach folgten Polen und Bulgarien mit jeweils 0,8 Prozent. Spanien und die Slowakei lagen mit jeweils 0,9 Prozent ebenfalls am unteren Ende der Rangliste.
Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 stieg die Quote der offenen Stellen in drei EU-Mitgliedstaaten. In acht Ländern blieb sie unverändert, während sie in 15 Staaten zurückging.
Die größten Anstiege meldete Eurostat für Slowenien (+0,3 Prozentpunkte), Griechenland (+0,2 Prozentpunkte) und Schweden (+0,1 Prozentpunkte). Die stärksten Rückgänge gab es in Zypern (-0,7 Prozentpunkte) und Belgien (-0,6 Prozentpunkte). Danach folgten Österreich (-0,5 Prozentpunkte), Estland (-0,4 Prozentpunkte) und Italien (-0,3 Prozentpunkte).
In welchen Branchen werden die meisten Mitarbeiter gesucht?
Eurostat weist in seiner Analyse auch die Wirtschaftsbereiche mit den höchsten Quoten offener Stellen im Euroraum sowie in der EU aus. An der Spitze steht die Bauwirtschaft. Dort lag die Quote bei 3,0 Prozent im Euroraum und 2,8 Prozent in der EU.
Bei den administrativen und unterstützenden Dienstleistungen, zu denen unter anderem Zeitarbeitsagenturen gehören, betrug die Quote jeweils 2,8 Prozent. Im Bereich Beherbergung und Gastronomie wurden 2,6 Prozent im Euroraum und 2,5 Prozent in der EU verzeichnet.
Bei Telekommunikation, Computerprogrammierung, IT-Beratung und sonstigen Informationsdienstleistungen lag die Quote bei 2,3 Prozent im Euroraum und 2,2 Prozent in der EU. Für freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen meldete Eurostat ebenfalls 2,3 Prozent im Euroraum und 2,2 Prozent in der EU.
Wie steht Polen da und wie lässt sich das Ergebnis interpretieren?
Mit einer Quote von 0,8 Prozent gehört Polen zu den EU-Ländern mit dem niedrigsten Anteil offener Stellen. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt lag bei 2,0 Prozent, im Euroraum waren es 2,1 Prozent. Damit war der Anteil der offenen Stellen in Polen mehr als doppelt so niedrig wie im EU-Durchschnitt. Dieses Ergebnis lässt sich auf zwei Arten interpretieren.
Einerseits bedeutet eine niedrige Quote offener Stellen, dass Unternehmen vergleichsweise wenige Stellen ausschreiben. Das deutet auf eine geringere Nachfrage nach neuen Arbeitskräften hin als in vielen anderen EU-Ländern.
Andererseits bedeutet der niedrige Wert nicht automatisch, dass sich der polnische Arbeitsmarkt in einer schlechten Lage befindet. Polen gehört weiterhin zu den Ländern mit einer niedrigen Arbeitslosenquote. Ein Teil der Unternehmen könnte daher schlicht weniger Bedarf an intensiver Personalsuche haben.
Eurostat-Daten deuten auf Abkühlung des Arbeitsmarktes hin
Im gesamteuropäischen Vergleich sprechen die Daten von Eurostat eher für eine Abkühlung des Arbeitsmarktes als für eine deutliche Verschlechterung.
Die Quote der offenen Stellen ging sowohl in der EU als auch im Euroraum gegenüber dem vorherigen Quartal und im Jahresvergleich zurück. Unternehmen suchen weiterhin nach Mitarbeitern. Sie tun dies jedoch weniger intensiv als während der Phase besonders hoher Arbeitskräftenachfrage nach der Pandemie.
Quelle: BI
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