Ende März 2026 arbeiteten in Polen 1.152.700 Ausländer. Das teilte das polnische Statistikamt GUS mit. Damit lag ihre Zahl um 8,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vormonat stieg sie um 1,8 Prozent.
Der Arbeitsmarktexperte Krzysztof Inglot von Personal Service sprach im Radiosender RMF24 über die Entwicklung. Er sieht eine zunehmende Abhängigkeit des polnischen Arbeitsmarktes von ausländischen Beschäftigten. „Wir haben mehr Arbeit, während die Verfügbarkeit von Visa sinkt. Der polnische Arbeitsmarkt hat keine Chance, ohne ausländische Arbeitskräfte zu funktionieren“, sagte Inglot.
Neue Daten zu ausländischen Beschäftigten
Von den Ende März in Polen arbeitenden Ausländern waren 437.700 Personen beziehungsweise 38,0 Prozent ausschließlich auf Grundlage von Dienstleistungs- und vergleichbaren Verträgen beschäftigt. Die Zahl der Ausländer, die solche Verträge hatten, stieg innerhalb eines Jahres um 8,0 Prozent. Gegenüber dem 28. Februar 2026 nahm sie um weitere 2,0 Prozent zu.
Nach Angaben des GUS arbeiteten Ende März unter anderem:
- 121.099 Staatsangehörige aus Belarus,
- 22.661 Staatsangehörige Indiens,
- 20.946 Staatsangehörige Georgiens.
Ukrainer bilden mit Abstand größte Gruppe
Die mit Abstand größte Gruppe unter den ausländischen Beschäftigten in Polen stellen die ukrainischen Staatsangehörigen. Am 31. März 2026 arbeiteten 783.900 Ukrainer in Polen. Das waren 9,6 Prozent beziehungsweise 68.900 Personen mehr als Ende März 2025. Im Vergleich zu Ende Februar 2026 stieg die Zahl um 1,9 Prozent beziehungsweise 14.600 Personen.
Damit stellten Ukrainer Ende März 68,0 Prozent aller ausländischen Beschäftigten in Polen. Ihr Anteil lag damit um 1,0 Prozentpunkt höher als ein Jahr zuvor. Gegenüber Ende Februar 2026 erhöhte er sich um weitere 0,1 Prozentpunkte.
Dr. habil. Agnieszka Fihel vom Zentrum für Migrationsforschung der Universität Warschau / Warszawa wies im Radiosender RMF24 zugleich darauf hin, welche Ukrainer derzeit in Polen leben. Abgesehen von älteren Menschen handle es sich vor allem um Personen im erwerbsfähigen Alter.
Mehr Männer als Frauen unter den ausländischen Beschäftigten
Unter den Ausländern, die am 31. März 2026 in Polen arbeiteten, stellten Männer die Mehrheit. Ihr Anteil lag bei 59,9 Prozent. Damit blieb der Anteil unverändert gegenüber Ende März 2025 und Ende Februar 2026.
Die polnische Ministerin für Familie, Arbeit und Sozialpolitik, Agnieszka Dziemianowicz-Bąk, hatte im August im Sender TVP Info erklärt, dass die allgemeine Erwerbsquote unter Ukrainern bei über 70 Prozent liege. Damit entspreche sie in etwa der Erwerbsquote unter polnischen Staatsbürgern.
In welchen Branchen arbeiten Ukrainer?
Nach Angaben des Berichts des Europäischen Migrationsnetzwerks arbeiten ukrainische Staatsangehörige in Polen besonders häufig in der industriellen Verarbeitung, im Baugewerbe, im Transport- und Lagerwesen sowie im Dienstleistungssektor und Handel.
Einen großen Anteil stellen außerdem Lkw- und Taxifahrer. Ukrainische Frauen arbeiten dagegen besonders häufig in der häuslichen Pflege, in der Reinigungsbranche, im Handel und in der Kosmetikbranche.
Kann die polnische Wirtschaft ohne ausländische Arbeitskräfte auskommen?
Für Arbeitsmarktexperte Krzysztof Inglot steht fest: Polen ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Im Gespräch mit Tomasz Terlikowski bei RMF24 betonte er, dass der polnische Arbeitsmarkt ohne ausländische Beschäftigte nicht funktionieren könne. Ukrainer trügen zudem erheblich zum polnischen Bruttoinlandsprodukt bei.
„Wir betrachten die Einwanderungswelle aus der Ukraine ständig aus einer politischen und medialen Perspektive. Das ist völlig unnötig. Vor zehn Jahren gab es nur einige Zehntausend solcher Arbeitskräfte. Ich erinnere mich an eine Konferenz des Barometers des polnischen Arbeitsmarktes, bei der wir darüber gesprochen haben, dass 80.000 Menschen aus der Ukraine gekommen waren. Wir haben uns gefragt, ob das viel oder wenig ist. Danach waren es Hunderttausende. Nach Angaben der Unentgeltlichen Rechtshilfe machen diese Menschen mit ihrer Arbeit sogar 7 Prozent des polnischen BIP aus“, sagte Inglot bei RMF24.
Nach seinen Worten haben die Arbeitskräfte aus dem Ausland zudem geholfen, die demografisch bedingte Lücke auf dem polnischen Arbeitsmarkt zu schließen. „Was wir dank der Arbeit von Einwanderern lösen konnten, war die demografische Lücke, die wir vor einigen Jahren hatten. Ohne die zwei Millionen Arbeitskräfte aus der Ukraine hätten wir gigantische Defizite auf dem Arbeitsmarkt“, fügte Inglot hinzu.
Lange Wartezeiten auf Arbeitserlaubnisse
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften in Polen hoch. Laut Inglot schwächt sie sich nicht ab. Problematisch sei jedoch die sinkende Verfügbarkeit von Visa und die teilweise lange Bearbeitungszeit für eine Arbeitserlaubnis.
„Wir haben mehr Arbeit, während die Verfügbarkeit von Visa sinkt (…) Wenn eine Person drei Monate auf eine Genehmigung wartet und diese 90 Tage vergehen, findet der betreffende Arbeitgeber sehr häufig jemand anderen für diese Stelle.“
Bei Fachkräften mit besonderen Qualifikationen sehe die Situation anders aus. Ein Arbeitgeber werde beispielsweise auf einen besonders guten Arzt, Spezialisten oder Experten warten.
Bei vielen Unternehmen, die ausländische Arbeitskräfte beschäftigen, gehe es jedoch um einfache Tätigkeiten mit geringen Qualifikationsanforderungen. „Hier kann eine solche Person potenziell leicht durch jemand anderen ersetzt werden. Dann verliert sie die Möglichkeit zu arbeiten“, erklärte Inglot.
Die aktuellen Zahlen des GUS zeigen damit deutlich, welche Bedeutung ausländische Arbeitskräfte inzwischen für den polnischen Arbeitsmarkt haben. Ukrainer bilden dabei mit fast 784.000 Beschäftigten mit weitem Abstand die größte Gruppe.
Quelle: rmf24
Foto: magnific
