Züge verspätet: Lokführer protestieren ab Mitternacht

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Seit Mitternacht läuft am Freitag der angekündigte Protest der Gewerkschaft der Eisenbahnlokführer. Zahlreiche Züge sind verspätet, für Fahrgäste kommt es zu erheblichen Behinderungen. Die Aktion soll bis Freitagmittag dauern.

Nach den Vereinbarungen der protestierenden Lokführer sollen Züge beim Überqueren von Bahnübergängen auf maximal 20 km/h abbremsen. Dadurch kann es zu Verspätungen kommen. Der Protest soll bis 12 Uhr am Freitag dauern. Auslöser ist der Unfall an einem Bahnübergang in Sokolniki Suche, der sich am Mittwoch ereignet hat.

Zahlreiche Züge wegen des Protests verspätet

Aktuelle Fahrpläne und Informationen zu Verspätungen können laufend über Portal Pasażera, das zentrale polnische Fahrgastportal für den Bahnverkehr, abgerufen werden.

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Nach den dort veröffentlichten Daten lag die Pünktlichkeit der Züge, die am Freitag kurz nach 7 Uhr unterwegs waren, bei 70 Prozent. Bei den Zügen, die ihr Ziel bereits erreicht hatten, lag der Wert bei 81 Prozent. 94 Prozent der neu gestarteten Züge waren hingegen pünktlich.

Den Angaben des Portals zufolge wurden am Freitag bislang 14 Züge gestrichen. Ein Grund für die Ausfälle wurde nicht genannt.

Auch PKP Intercity informierte über die Verkehrslage. Um 6.46 Uhr waren demnach 140 Züge des Unternehmens unterwegs, 47 davon hatten Verspätung. Insgesamt summierten sich die Verspätungen der Intercity-Züge auf 1.225 Minuten. Im Durchschnitt war ein betroffener Zug 26 Minuten zu spät.

Nach Angaben des Portals Pasażera waren um 2.15 Uhr weniger als die Hälfte der fahrenden Züge – 48 Prozent – pünktlich. Um 5 Uhr lag der Wert bereits bei 85 Prozent. Ähnlich hoch war die Pünktlichkeit der Züge, die zu diesem Zeitpunkt bereits am Zielbahnhof angekommen waren.

Protest sollte ursprünglich länger dauern

Den landesweiten Protest hatten die Gewerkschafter am Donnerstagmorgen angekündigt. Ursprünglich sollte er den gesamten Freitag bis Mitternacht dauern. Die Gewerkschaft der Eisenbahnlokführer verkürzte die Aktion jedoch später und teilte mit, dass sie bereits am Freitagmittag enden soll.

„Im Interesse der Reisenden und als Zeichen unseres guten Willens appelliert der Landesrat der Gewerkschaft an die Lokführer in ganz Polen, am 11. September 2026 zwischen 0.00 und 12.00 Uhr alle Bahnübergänge unabhängig von ihrer Kategorie mit einer sicheren Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h zu passieren“, erklärten die Gewerkschafter am Donnerstagabend.

„Das gesamte System wird am Morgen aus dem Takt geraten“

Nach Einschätzung von PKP Polskie Linie Kolejowe, die für die Verwaltung der staatlichen Eisenbahninfrastruktur zuständig ist, sowie des Infrastrukturministeriums kann der Protest zu erheblichen Behinderungen im Bahnverkehr führen.

Der stellvertretende Infrastrukturminister Piotr Malepszak erklärte, dass in Polen innerhalb von 24 Stunden rund 7.000 Züge verkehren. Rund 45 Prozent davon fahren bis zur Mittagszeit. Der Protest werde sich deshalb auf den Fahrplan auswirken und die Verspätungen könnten sich im Laufe des Tages weiter aufsummieren.

„Das gesamte System wird in den Morgenstunden aus dem Takt geraten, und das wird sich auch auf den Nachmittag auswirken“, sagte Malepszak dem Sender TVN24.

Er wies außerdem darauf hin, dass freitags besonders viele Menschen mit der Bahn unterwegs sind. „Heute sprechen wir bereits von Größenordnungen von 1,8 bis 2 Millionen Fahrgästen“, erklärte der Vize-Minister.

Nach dem Bekanntwerden des Protestes teilte PKP PLK mit, man analysiere die Situation als nationaler Betreiber der Eisenbahninfrastruktur. Gleichzeitig wird geprüft, ob angemessene rechtliche Konsequenzen gegen Unternehmen und Personen gezogen werden, die für eine mögliche Destabilisierung des polnischen Eisenbahnnetzes verantwortlich sind.

Wichtige Informationen für Fahrgäste: Was passiert mit den Tickets?

PKP-Intercity-Chef Janusz Malinowski erklärte, dass das Unternehmen bereits die gegenseitige Anerkennung von Fahrkarten mit allen in Polen tätigen Bahnunternehmen vereinbart habe. Zusätzlich werde man versuchen, einen Ersatzverkehr zu organisieren.

Der Betreiber plane nach eigenen Angaben derzeit nicht, Züge abzusagen. Außerdem sollen Fahrgäste, die ihre Fahrkarte für eine Reise am Freitag zurückgeben, keine zusätzliche Gebühr zahlen müssen.

Während des Protests gilt die gegenseitige Anerkennung der Fahrkarten für verschiedene Bahnunternehmen, einschließlich regionaler Anbieter. Ausgenommen sind die EIP-Züge (Express InterCity Premium).

Unfall in Sokolniki Suche löste Protest aus

Der Protest der Lokführer ist eine Folge des schweren Unfalls an einem Bahnübergang in Sokolniki Suche in der Woiwodschaft Masowien nahe der Landesstraße DK 12 am Mittwoch.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler fuhr der Fahrer eines Lastwagens trotz eines roten Lichtsignals auf den Bahnübergang. Dabei kam es zur Kollision mit einem PKP-Intercity-Zug auf der Strecke Lublin–Szczecin.

Bei dem Unfall entgleisten die Elektrolokomotive und die beiden ersten Wagen des Zuges. Insgesamt waren mindestens 114 Menschen, darunter drei Besatzungsmitglieder, an Bord. Eine Person, eine Passagierin des Zuges, kam ums Leben.

Nach dem Unfall erklärte Ministerpräsident Donald Tusk, die Katastrophe in Sokolniki Suche zeige, dass dringend an einer deutlichen Verschärfung der Vorschriften für Autofahrer gearbeitet werden müsse, die wiederholt Bahnübergänge missachten. In jüngster Zeit hatte es mehrere aufeinanderfolgende Zwischenfälle und Unfälle an Bahnübergängen gegeben.

Führerscheinentzug für Verstöße an Bahnübergängen?

Infrastrukturminister Dariusz Klimczak kündigte neue Vorschriften an, nach denen Autofahrern der Führerschein für drei Monate entzogen werden könnte, wenn sie bei rotem Licht einen Bahnübergang überqueren.

Der Entwurf für die Gesetzesänderung soll bereits für die nächste Sitzung der Regierung vorbereitet werden. Klimczak betonte, dass Verhalten, „das zu Katastrophen und zum Verlust von Menschenleben führt“, künftig sehr streng bestraft werden soll.

„Hier wird das Gericht verpflichtet sein, eine Freiheitsstrafe zu verhängen, aber auch die Fahrerlaubnis für einen bestimmten Zeitraum zu entziehen“, erklärte der Minister.

Auch die Gewerkschaft der Lokführer setzt auf eine schnelle Reaktion der Regierung. Klimczak kündigte darüber hinaus an, Arbeiten an einem Gesetz zur Arbeitszeit von Lokführern aufzunehmen.

Die Gewerkschafter erklärten, sie erwarteten nun „konkrete Entscheidungen und tatsächliche Maßnahmen“, die aus den Ankündigungen des Ministers hervorgehen.

Quelle: rmf24

Foto: Magnific

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