Tłusty Czwartek 2026: Warum Polen am „Schmotzigen Donnerstag“ Millionen von Krapfen essen

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Symbolbild / Pixabay

Während in Köln Frauen den Männern die Krawatten abschneiden und in München der Straßenkarneval startet, bilden sich in Warszawa / Warschau kilometerlange Warteschlangen vor jeder Bäckerei. Polen feiert an diesem Donnerstag anders. Ruhiger. Ohne Kostüme. Aber mit enormen Mengen an süßem, fettigem Gebäck.

Tłusty Czwartek bedeutet wörtlich „fetter Donnerstag“. Es ist der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit im christlichen Kalender. An diesem Tag des Jahres ist Kalorienzählen verboten. Offiziell. Gesellschaftlich. Moralisch. Im Jahr 2026 fällt Tłusty Czwartek auf den 12. Februar 2026. Alle Polen essen an diesem Tag dasselbe. Wirklich!

Fetter Donnerstag in Polen – woher kommt die Tradition?

Historisch gesehen reicht der Brauch weit vor das Christentum zurück. Schon heidnische Kulturen feierten das Ende des Winters mit üppigem Essen. Fett galt als Symbol für Glück und Wohlstand. Wer viel aß, hoffte auf ein gutes Jahr. Diese Logik war einfach. Und überzeugend.

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Mit dem Christentum wanderte der Brauch in den liturgischen Rahmen. Tłusty Czwartek markiert den Auftakt zur Fastenzeit, also zur Zeit der Enthaltsamkeit. Man musste Vorräte verbrauchen. Eier. Zucker. Fett. Alles, was später tabu war. Deshalb wurde gebacken, frittiert und verzehrt. So entstand ein kulinarischer Brauch, der bis heute beliebt ist.

In Polen ist dieser Schmotziger Donnerstag kein offizieller Feiertag. Schulen und Büros arbeiten normal. Und trotzdem steht das Land still. Kurz. Immer dann, wenn jemand zum nächsten Pączek, also Krapfen greift.

Die Evolution des Pączeks – vom Speck zum Zucker

Im Mittelalter sah ein Pączek völlig anders aus. Es war kein Dessert. Es war herzhaft. Der Teig bestand aus Brotteig. Die Füllung aus Speck oder Fleisch. Das Ganze wurde in Schmalz gebacken. Man servierte es mit Wodka. Eine Süßigkeit war das nicht.

Erst im 16. Jahrhundert kam die Wende. Wahrscheinlich über Österreich oder arabische Einflüsse. Man begann zu süßen. Man füllte Marmelade hinein. Oft versteckte man einen Mandelkern. Wer ihn fand, sollte das ganze Jahr über Glück haben. Der Pączek wurde zum Symbol für Wohlstand.

Der polnische Chronist Jędrzej Kitowicz schrieb später, diese “alten Krapfen” seien so hart gewesen, dass man jemandem damit ein blaues Auge schlagen konnte. Die heutige luftige Konsistenz verdankt der Pączek verbesserter Hefe im 18. und 19. Jahrhundert.

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Pączki (Foto: Pixabay)

Der Pączek: Mehr als nur ein Berliner

Für Deutsche ist der Vergleich unvermeidlich. Deutschland kennt Krapfen, Berliner oder Pfannkuchen. Doch der polnische Krapfen folgt eigenen Regeln. Er ist schwerer. Satter. Meist in Schmalz frittiert. Dadurch entsteht der typische helle Ring.

Die klassische Füllung ist Rosenmarmelade oder Pflaumenmus. Erdbeeren oder Himbeere gelten als modern. Der Zuckerguss oben ist Standard. Dazu kommt oft Orangeat. Genau das macht den Unterschied. Geschmacklich. Kulturell.

Auch sprachlich gibt es Stolpersteine. Wie spricht man pączki aus? Ein Tipp für deutsch-sprachige: [Pown-schek]. Plural: pączki [Pown-schki]. Übung lohnt sich. Vor allem in der polnischen Bäckerei, wenn man in der Warteschlange steht, um die Köstlichkeit zu probieren.

Faworki: Der zweite Held des Tages

Am fetten Donnerstag werden in Polen sehr viele Pączki verspeist. Doch es gibt noch einen zweiten König des Jahres – Faworki. Dünn. Knusprig. Geflochten. In Fett frittiert und mit Puderzucker bestäubt. In Polen heißen sie auch Chrusty oder Chrust. Sie gehören zum Schmalzgebäck des Karnevals.

In Deutschland kennt man ähnliche Speisen wie Raderkuchen oder Mutzenmandeln. Doch Faworki sind etwas anderes. Sie sind leichter. Luftiger. Und sie verschwinden schneller vom Teller.

Polen vs. Deutschland: Essen oder Feiern?

Der gleiche Tag im Kalender. Zwei Welten im Alltag. Das Unterscheidet die Nachbarländer:

AspektPolenDeutschland
NameTłusty CzwartekWeiberfastnacht / Schmotziger Donnerstag
CharakterEssenKarneval
KleidungAlltagKostüme
ArbeitNormaler ArbeitstagOft verkürzt
FokusLeckereienFeiern
Durchschnitt2–3 Pączki pro Personkeine Statistik

In Deutschland ist der Schmotzige Donnerstag der Auftakt. Man feiert laut. Man ruft. Man trinkt. In Polen ist es stiller. Aber intensiver. Im Alltag sind Pączki überall. In Schulen. In Büros. In Straßenbahnen. Manchmal werden sie sogar gratis verteilt. Das ganze Land riecht nach Zucker.

Der Aberglaube: Warum man mindestens einen essen MUSS

Ein alter Satz hält sich hartnäckig. Wer am Tłusty Czwartek keinen Pączek isst, dem fehlt das Glück im gesamten Jahr. Das ist keine Drohung. Das ist Motivation. An diesem Tag verzehrt ein Pole so viele Pączki wie möglich. 

Deshalb essen auch Menschen, die sonst verzichten. Es geht nicht um Kalorien. Es geht um das Gefühl. Um Tradition. Um kollektive Erlaubnis. Das schlechte Gewissen macht Pause. Es ist keine Gier, sondern Sorge um das eigene Glück.

Wo gibt es die besten Pączki? Das Phänomen der Warteschlangen

Warteschlangen gehören dazu. Sie sind fast ein Ritual. Menschen stehen manchmal sogar zwei Stunden bei berühmten Konditoreien in Warszawa / Warschau oder Kraków / Krakau an. Die Konditorei wird zum Treffpunkt. Man redet. Man wartet.

Die Preise schwanken stark. Vom Discounter bis zur handwerklichen Variante. Billig oder teuer. Wichtig ist nur eins. Frisch. Frittiert. Gefüllt. Und am besten noch warm.

Pączki vs. Berliner Pfannkuchen – der Vergleich

Der Vergleich ist wichtig, weil beide Gebäcke auf den ersten Blick ähnlich wirken. Rund, gefüllt, frittiert. Doch schon der erste Bissen zeigt, dass es zwei verschiedene Welten sind. Ein polnischer Krapfen folgt einer anderen Logik als der klassische Berliner Pfannkuchen:

  • Füllung: Pączki = Rosenmarmelade/Pflaumenmus vs. Berliner = Erdbeere/Himbeere
  • Teig: Pączki = Fetter, oft mit Schuss (Alkohol) vs. Berliner = Fluffiger
  • Topping: Pączki = Zuckerguss & Orangeat vs. Berliner = Puderzucker

Rezept: Pączki selber machen (Kurzanleitung)

Ein echtes Pączki Rezept bedeutet viel Arbeit. Der Teig braucht Zeit. Man gibt Alkohol dazu, oft Spiritus. So saugt er weniger Fett. Dann wird geknetet, aufgegangen, geformt und gefüllt. Erst danach kommt das Frittieren.

Dieser Aufwand erklärt, warum viele lieber kaufen. Und warum der Pączek Respekt genießt. Er ist keine schnelle Süßigkeit.

FAQ – Häufige Fragen

Wann ist Tłusty Czwartek 2026?
Am 12. Februar 2026.

Was ist der Unterschied zwischen Krapfen und Pączki?
Der Unterschied liegt in Fett, Füllung und Tradition.

Sagt man in Polen Helau oder Alaaf?
Nein. An diesem Tag gibt es keine Rufe. Nur Kauen.

Ein Donnerstag, eine Ausnahme

Am 12. Februar lohnt sich der Weg in eine polnische Bäckerei. Auch in Deutschland. Viele polnische Läden machen mit. Vergiss Diät. Vergiss Regeln. Dieser letzte Donnerstag vor der Fastenzeit ist eine Einladung.

Iss. Teile. Genieße. Es ist Tłusty Czwartek. Smacznego!

Quellen: wikipedia, ciekawostkihistoryczne, gerlach
Fotos: freepik
Stand: 04.02.2026

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