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Mittwoch, 16. Oktober 2019
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Theodor Fontane, Gemälde von Carl Breitbach, 1883
Theodor Fontane, Gemälde von Carl Breitbach, 1883

Theodor Fontane ist vor allem mit seiner Heimat Brandenburg verbunden, der er in seinen Wanderungen und zahlreichen Romanen ein literarisches Denkmal setzte. So feiert man dort in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag mit vielen Veranstaltungen. Doch den Spuren des Schriftstellers und Journalisten kann man auch in Polen folgen. 

Am 30. Dezember 1819 geboren, zog Theodor als Siebenjähriger mit der Familie von Neuruppin nach Swinemünde, wo sein Vater fünf Jahre lang die einzige Apotheke des Ortes führte. „Ein unschönes Nest, aber zugleich ein Ort von besonderem Reiz“, fasst er in seinen Kindheitserinnerungen die ersten Eindrücke von Swinemünde zusammen. Während ihm der Platz rund um die väterliche Apotheke nicht behagte, begeisterte ihn das lebhafte Ufer der Swine. In dem kleinen Fischerdorf war erst kurz zuvor der Badebetrieb aufgenommen worden, der berühmte Gartenkünstler Peter-Joseph Lenné hatte gerade mit der Anlage des Kurparks begonnen.

Heute ist Świnoujście eines der größten Seebäder Polens. Moderne Hotels reihen sich im Kurzviertel aneinander, die längste Strandpromenade Europas verbindet den polnischen Teil der Insel Usedom mit den Seebädern auf der deutschen Seite. Nichts erinnert dort mehr an die Zeit der unglücklichen Romanze zwischen Effi Briest und Major Crampas. Das alte Swinemünde stand Pate für den fiktiven Ort Kressin, in dem Fontane seinen berühmten Roman spielen ließ. Auch die Adler-Apotheke von Fontanes Vater am Kleinen Markt nahe der Christuskirche besteht heute nicht mehr. An ihrer Stelle erhebt sich an der ul. Marynarzy 7 ein moderner Wohnblock mit dem Café Sonata. Es wirbt für sich mit dem Namen Fontanes und erinnert in einer kleinen Ausstellung an den Schriftsteller. Auch am Gebäude befindet sich eine zweisprachige Gedenktafel.

Auf Fontanes Spuren kann man sich auch in der früheren Neumark begeben. Einst Teil des ersten polnischen Staates kam das Gebiet zwischen Oder und Warthe 1250 zu Brandenburg und gehört seit 1945 wieder zu Polen.  Ausführlich widmete sich Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ der Festung Küstrin. Von dort wollte einst der junge Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II., fliehen, um sich dem strengen Regiment des Vaters zu entziehen. Die Flucht misslang, sein Freund und Mitwisser Hans Hermann von Katte wurde vor seinen Augen enthauptet. Gerne erzählt man auch heutigen Besuchern noch die tragische Geschichte. Von der Festung blieben nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch Fragmente erhalten, als „polnisches Pompeji“ wird sie im heutigen Kostrzyn vermarktet.

Das Barockschloss im nahe gelegenen Tamsel, dem heutigen Dąbroszyn, hatte zwar den Krieg überdauert, verfiel aber in den folgenden Jahrzehnten. Nach ersten Renovierungsarbeiten sucht die Gemeinde seit Jahren vergeblich einen Investor, der dem Gebäude neues Leben einhaucht. Ausführlich widmete sich Fontane „diesem schönen Landsitze“, der über Jahrhunderte „eine Pflegestätte der Künste“ war. Auch dieser verwunschene Ort ist eng verbunden mit dem späteren Preußenkönig Friedrich II., der nach der Enthauptung seines Freundes Katte auf Schloss Tamsel Zerstreuung bei der schönen und gebildeten Schlossherrin Luise Eleonore von Wreech suchte.

Zwar verbrachte Fontane die meiste Zeit seines Lebens in Berlin, doch in den Sommermonaten nutzte er gerne die Gelegenheit, dem Stadtmief zu entfliehen. Am liebsten zog es ihn ins Riesengebirge und das Hirschberger Tal, wo er sich zwischen 1868 und 1892 zehnmal aufhielt – meist für mehrere Wochen oder Monate. Hier könne er arbeiten, in die Berge gehen, mit freundlichen Menschen plaudern und habe die Möglichkeit, „bei jedem Atemzug mich erquickende Luft zu atmen“, notierte er 1865 in einem Brief. Schon die Dichter und Maler der Romantik hatten die Region bekannt gemacht, Europas Hochadel hatte sich am Fuße der Schneekoppe seine Sommerresidenzen bauen lassen. Fontane besuchte Erdmannsdorf, wo die preußischen Könige ihre Sommer verbrachten. Heute werden in dem von Karl Friedrich Schinkel umgebauten Schloss die Kinder der Gemeinde Mysłakowice unterrichtet.  Fontane war auch Gast in Buchwald, dem heutigen Bukowiec, wo vor einigen Jahren der romantische Landschaftspark der Grafen von Reden wiederhergestellt wurde.

Am häufigsten weilte Fontane in Krummhübel, schon damals eine beliebte Sommerfrische für betuchte Berliner. Hier fand er nicht nur Ruhe, sondern auch Anregungen für seine Arbeit. Die Geschichte vom Mord an einem Förster, der in der Nähe von einem Wilderer erschossen wurde, liefert die Vorlage für seinen Roman „Quitt“. Heute ist Karpacz eines der größten Ferienzentren im Südwesten Polens, doch viele der alten Villen aus Fontanes Zeiten blieben erhalten. Zum Beispiel das ehemalige Gasthaus „Zur Schneekoppe“, wo man sich gerne zum Kaffee, beim Konzert oder zum Tanz traf. Heute heißt es Nowa Królowa Karkonoszy und bietet noch immer preiswerte Gästezimmer an.

Auf die Spuren Fontanes in der Neumark und in Niederschlesien begibt sich eine Tour von SenfkornReisen zusammen mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin und der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg. Sie findet vom 20. bis 23. Juni ab Berlin statt. Infos unter www.dpgberlin.de 

Weitere Informationen zum Reiseland Polen unter www.polen.travel

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