Die Deutsche Telekom hat die Übernahme von Fiberhost und Inea angekündigt. Verkäufer ist der Infrastrukturfonds Macquarie, der Inea seit 2017 besitzt. Auch die Minderheitsaktionäre scheiden aus der Unternehmensgruppe aus. An ihrer Spitze steht der Gründer Janusz Kosiński.
Der Kaufpreis liegt bei rund 1 Milliarde Euro beziehungsweise 4,3 Milliarden Zloty. In dieser Summe ist allerdings auch ein erheblicher Teil der Schulden der übernommenen Unternehmensgruppe enthalten.
Wie die polnische Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“ berichtet, ist Fiberhost ein Großhandelsanbieter für Telekommunikationsinfrastruktur. Das Unternehmen erreicht mit seinem Netz rund 1,4 Millionen Haushalte. Fiberhost wurde vor vier Jahren aus der Inea-Gruppe ausgegliedert. Inea konzentriert sich auf das Privatkundengeschäft.
Nach der Übernahme soll die Infrastruktur von Fiberhost in die Aktivitäten von T-Mobile Polska integriert werden.
T-Mobile erhält eigenes FTTH-Netz
Für T-Mobile bedeutet die Transaktion eine deutliche Veränderung des bisherigen Geschäftsmodells im polnischen Festnetzmarkt. Der Konzern verfügte bereits über eine Glasfaserinfrastruktur in Polen. Diese diente bisher jedoch vor allem zur Anbindung von Mobilfunk-Basisstationen. Das Netz umfasst rund 40.000 Kilometer Glasfaser und reicht nicht direkt bis in die Haushalte.
T-Mobile Polska bietet bereits Festnetz-Internet an. Dafür nutzt das Unternehmen die Infrastruktur von Großhandelsanbietern wie Fiberhost sowie die Netze der größten Wettbewerber und von Vectra. Ein eigenes Glasfasernetz für Privatkunden hatte T-Mobile bisher jedoch nicht aufgebaut.
„Wir schlagen ein neues Kapitel in der Geschichte von T-Mobile Polska auf. Unser Mobilfunknetz, das landesweite Kernnetz, unsere Rechenzentren und unsere zugängliche Glasfaserinfrastruktur werden nun durch ein eigenes FTTH-Netz (Glasfaser bis ins Haus – Anm. d. Red.) für 1,4 Millionen Haushalte ergänzt. Die eigene Infrastruktur ermöglicht uns, unser bereits umfangreiches Portfolio an konvergenten Diensten weiter auszubauen“, sagt Andreas Maierhofer, Vorstandsvorsitzender von T-Mobile Polska, laut einer Mitteilung des Unternehmens.
Noch im vergangenen Jahr hatte Maierhofer die Strategie von T-Mobile verteidigt, kein eigenes Glasfasernetz bis zu den Haushalten aufzubauen. Durch Verträge mit Großhandelsanbietern konnte das Unternehmen Festnetzanschlüsse für mehr als zwei Drittel der polnischen Haushalte anbieten. Nach der Übernahme von Fiberhost verfügt T-Mobile jedoch über eine eigene FTTH-Infrastruktur für 1,4 Millionen Haushalte.
Für die Transaktion muss noch die polnische Wettbewerbsbehörde UOKiK ihre Zustimmung erteilen. T-Mobile betont zugleich, dass Fiberhost seine Infrastruktur weiterhin auch anderen Telekommunikationsanbietern zur Verfügung stellen wird.
Transaktion umfasst Milliarden an Schulden
Über einen möglichen Verkauf von Fiberhost und Inea wurde bereits seit Herbst vergangenen Jahres auf dem Markt spekuliert. Im Oktober berichtete Bloomberg, dass Macquarie nach einem Käufer für beide Unternehmen suche. Damals war von einer Bewertung von rund 1 Milliarde US-Dollar die Rede.
Der endgültige Transaktionswert beträgt nun rund 1 Milliarde Euro beziehungsweise 4,3 Milliarden Zloty. Der Betrag umfasst jedoch auch erhebliche Verbindlichkeiten der übernommenen Unternehmensgruppe.
Dabei geht es um fast 2,8 Milliarden Zloty Schulden bei einem Konsortium aus PKO BP, Pekao, Credit Agricole, ING, mBank, Erste und PZU sowie bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Die Schulden sollen in Tranchen bis 2030 zurückgezahlt werden.
Die übernommene Gruppe erzielte im vergangenen Jahr 674 Millionen Zloty Umsatz. Das entspricht einem Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig verbuchte sie einen Nettoverlust von 245 Millionen Zloty. Das EBITDA lag bei 335 Millionen Zloty.
Zum Vergleich: T-Mobile Polska erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,52 Milliarden Zloty. Das entspricht einem Wachstum von 3,7 Prozent. Das EBITDA nach Berücksichtigung der Leasingkosten belief sich auf 2,1 Milliarden Zloty. Ende Dezember betreute T-Mobile Polska mehr als 13,5 Millionen Mobilfunkkunden und knapp 0,5 Millionen Breitbandkunden.
T-Mobile verstärkt Position im polnischen Festnetzmarkt
Die Übernahme von Fiberhost und Inea ist laut „Puls Biznesu“ eine weitere große Transaktion auf dem polnischen Telekommunikationsmarkt.
In den vergangenen Jahren haben Mobilfunkanbieter ihre Präsenz im Festnetzgeschäft ausgebaut. Orange entwickelt beispielsweise Światłowód Inwestycje. Ende vergangenen Jahres übernahm Orange gemeinsam mit APG zudem den Großhandelsanbieter Nexera für 1,5 Milliarden Zloty. Davon entfiel 1 Milliarde Zloty auf übernommene Schulden.
Play wiederum baut “Polski Światłowód Otwarty” aus. Das Unternehmen entstand auf Grundlage von Vermögenswerten, die im Zuge der Übernahme von UPC übernommen wurden.
T-Mobile hatte sich diesem Prozess über Jahre weitgehend entzogen und stattdessen die Infrastruktur anderer Anbieter genutzt. Mit der Übernahme von Fiberhost erhält der Konzern nun ein eigenes FTTH-Netz und stärkt seine Position im polnischen Festnetzgeschäft.
Für T-Mobile ist die Transaktion zugleich die größte Investition in Polen seit der Übernahme von GTS im Jahr 2014.
Quelle: money
Foto: magnific