280 Pferde dürfen in der Sommersaison weiterhin Touristen auf der Strecke von Palenica Białczańska nach Włosienica am Bergsee Meerauge im Tatra-Nationalpark (Tatrzański Park Narodowy, TPN) befördern. Das entschied die Veterinärkommission nach den jährlichen Gesundheitsuntersuchungen der Tiere.
Nach Angaben des Tatra-Nationalparks unterliegen die Pferde auf dieser Strecke einem der strengsten veterinärmedizinischen Kontrollsysteme in Polen. Zwei Tiere erhielten wegen Lahmheit keine Zulassung für den Einsatz. Bei einem weiteren Pferd sollen zusätzliche kardiologische Untersuchungen über die Einsatzfähigkeit entscheiden.
Umfassende Gesundheitskontrollen der Pferde vor Beginn der Saison
Die Untersuchungen finden jedes Jahr vor Beginn der Sommersaison statt und werden von einer vom TPN eingesetzten Expertenkommission durchgeführt. Geprüft werden der allgemeine Gesundheitszustand, orthopädische und kardiologische Parameter sowie die körperliche Belastbarkeit der Tiere. In diesem Jahr fanden die Untersuchungen Ende Juni und Anfang Juli statt.
Der Tierarzt Piotr Szpotański, der an den Untersuchungen beteiligt war, erklärte: „Jedes Pferd wurde von der Kommission eingehend untersucht. Dabei haben wir unter anderem den Bewegungsablauf sowie den Puls vor und nach der Belastung bewertet. Sobald Zweifel bestanden, wurden sofort entsprechende Entscheidungen getroffen. Zwei Pferde wurden aufgrund von Lahmheit letztendlich nicht zugelassen, ein weiteres Tier muss zusätzliche Untersuchungen absolvieren.“
Nach seinen Angaben befinden sich die eingesetzten Pferde insgesamt in einem sehr guten Gesundheitszustand. Zudem habe sich die Qualität des Hufbeschlags in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Die Kommission stellte allerdings bei einigen Tieren Übergewicht fest. Dies könne auf eine zu intensive Fütterung während der Wintermonate zurückzuführen sein.
Veterinärmediziner: Keine Hinweise auf Überlastung der Pferde
Der Vorsitzende der Kommission, Tierarzt Dr. Marek Tischner, untersuchte insbesondere die Belastungswerte der Pferde. Nach seinen Angaben überschritt der Puls der Tiere nach Abschluss der Strecke in den meisten Fällen nicht 130 Schläge pro Minute und lag durchschnittlich zwischen 80 und 100 Schlägen. „Das bedeutet, dass die Pferde innerhalb eines sicheren aeroben Belastungsbereichs arbeiten und keinen sogenannten Sauerstoffschuld-Zustand erreichen, der zu Muskelschäden führen könnte.“
Als wichtigen Indikator bezeichnete Tischner außerdem die Regenerationsfähigkeit der Tiere. „Bereits nach zehn Minuten Ruhe sinkt der Puls bei nahezu allen untersuchten Pferden auf unter 60 Schläge pro Minute und erreicht damit nahezu den Ruhewert. Auch die biochemischen Blutanalysen, darunter die Werte von Milchsäure und Kreatinkinase, zeigen keine Abweichungen von den Normwerten gesunder, regelmäßig trainierter Arbeitspferde.“
Nach Angaben des Tierarztes bestätigen die jährlichen Untersuchungen zudem keine chronischen Überlastungen des Bewegungsapparates. „Spezialisierte klinische Untersuchungen, Beugeproben, radiologische Diagnostik sowie die Bewegungsanalyse ergaben bei den eingesetzten Pferden keine Anzeichen chronischer Überbelastungen. Zeigt ein Pferd eine Veranlagung zu orthopädischen Problemen, wird es umgehend aus dem lizenzierten Betrieb genommen.“
Seit der vergangenen Saison überwacht der Nationalpark zusätzlich die Hitzebelastung der Pferde mithilfe des sogenannten WBGT-Index (Wet-Bulb Globe Temperature). Dabei fließen Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung in die Bewertung ein. Werden festgelegte Grenzwerte überschritten, wird der Kutschenverkehr eingestellt.
Tierschutzorganisationen fordern weiterhin das Ende der Pferdekutschen
Trotz der regelmäßigen Kontrollen verlangen mehrere Tierschutzorganisationen die vollständige Abschaffung der Pferdetransporte zum Meerauge. Sie argumentieren, die Tiere würden überlastet.
Die jährlich im Auftrag des Nationalparks durchgeführten veterinärmedizinischen und orthopädischen Untersuchungen bestätigen diese Vorwürfe jedoch nicht. Auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen fanden nach Angaben der Behörden keine Hinweise auf eine Überlastung der Pferde.
Der polnische Hauptveterinär bewertet den Einsatz der Pferdekutschen als rechtmäßig, sofern die geltenden Tierschutzvorschriften eingehalten werden. Gegen eine Abschaffung sprechen sich unter anderem Wissenschaftler aus dem Bereich der Pferdezucht sowie der Polnische Pferdezüchterverband aus.
Nach Angaben des TPN registrierte der Park auf der Strecke zum Meerauge bislang keinen Fall, in dem ein Pferd infolge einer Überlastung verendete. Nach vereinzelten Stürzen kehrten die Tiere später in den regulären Einsatz zurück.
Auf der Strecke verendeten bislang drei Pferde. Nach Angaben des Parks verursachte jedoch nicht die Arbeitsbelastung diese Todesfälle. Ein Aortenriss, eine schwere Kolik sowie ein Zwischenfall, bei dem ein tief fliegender Rettungshubschrauber ein Pferd aufschreckte, führten zum Tod der Tiere.
Hybridmodell mit Elektrobussen geplant
Seit dem vergangenen Jahr setzt das polnische Klima- und Umweltministerium gemeinsam mit dem Tatra-Nationalpark, den lokalen Behörden und dem Verband der Kutschenbetreiber zusätzlich elektrische Shuttlebusse auf der beliebten Strecke ein.
Das Ministerium finanzierte zunächst vier Elektrobusse für insgesamt 3,2 Millionen Zloty. Weitere 16 Fahrzeuge sollen über den polnischen Nationalfonds für Umwelt- und Wasserwirtschaft beschafft werden. Der Nationalpark hat das Vergabeverfahren bereits eingeleitet.
Über das endgültige Verkehrskonzept wird weiterhin zwischen dem Ministerium, dem Tatra-Nationalpark und den Kutschenbetreibern verhandelt. Nach den bisherigen Planungen soll künftig ein Hybridmodell gelten. Dieses sieht Pferdekutschen auf dem Abschnitt von Palenica Białczańska bis Wodogrzmoty Mickiewicza vor. Von dort sollen Elektrobusse die Fahrgäste bis zum Meerauge weiterbefördern.
Quelle: tvn24
Foto: facebook / Konie Morskie Oko