Für das Schloss der Familie von Dewin-Bieberstein in Żary / Sorau beginnt ein neues Kapitel. Mit der Unterzeichnung des Bauvertrags startet die umfassende Sanierung der seit Jahren verfallenden Schlossruine. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf mehr als 72 Millionen Zloty. Die Arbeiten übernimmt das Unternehmen Agrobex Budowa aus Poznań / Posen.
Die Vertragsunterzeichnung fand im Konzertsaal des Schlosses statt. Nach Angaben von Historikern konzertierte dort einst mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Komponist Georg Philipp Telemann. Viele Einwohner hatten jahrelang auf diesen Moment gewartet. Nun soll das Schloss zu einer bedeutenden Touristenattraktion der Region werden.
Bürgermeisterin: „Ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt“
„Vor uns liegt ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Stadt. Es ist eine Chance, die wir nicht ungenutzt lassen dürfen. Wir möchten diesen Ort für Einwohner, Touristen und alle Gäste öffnen. Das Schloss soll ein Anziehungspunkt und eine Entwicklungschance für die Stadt werden. Gleichzeitig handeln wir finanziell verantwortungsvoll. Wir konnten mehr als 34 Millionen Zloty vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe sowie weitere über 10,5 Millionen Zloty im Rahmen des Funktionalen Raums Żary–Żagań einwerben“, sagte Bürgermeisterin Edyta Gajda.
Sie dankte außerdem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die an der Vorbereitung des Projekts beteiligt waren.
Bauunternehmen rechnet mit Herausforderungen
Die Sanierung des Schlosses übernimmt Agrobex Budowa aus Poznań / Posen. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über fast 40 Jahre Erfahrung bei der Restaurierung moderner und historischer Bauwerke.
Firmenpräsident Krzysztof Kruszona erklärte: „Unser Unternehmen verfügt über nahezu vier Jahrzehnte Erfahrung. Wir haben zahlreiche moderne und denkmalgeschützte Gebäude saniert. In Żary sind wir zum ersten Mal tätig, und die Beurteilung unserer Arbeit wird davon abhängen, was wir hier gemeinsam erreichen.“
Zugleich wies er auf die Komplexität des Vorhabens hin: „Wir werden alles daransetzen, dass die Investition am Schloss ohne Störungen verläuft. Dennoch wird sie schwierig sein, und es können Überraschungen auftreten. Wir sind uns unserer großen Verantwortung bewusst und werden die Arbeiten fachgerecht, termingerecht und mit höchster Sorgfalt ausführen. Vielen Dank für das Vertrauen, das Sie uns bereits jetzt entgegenbringen.“
Drei Projektabschnitte am Schloss vorgesehen
Patrycja Dendewicz, stellvertretende Leiterin der Abteilung für Technische Infrastruktur, Investitionen und Sanierungen, erläuterte, dass der Vertrag in drei Bereiche gegliedert ist: den garantierten Basisumfang sowie zwei optionale Bauabschnitte.
Die Optionen können ausschließlich vom Auftraggeber aktiviert werden. Voraussetzung sind ausreichende Haushaltsmittel und die Mittel der mehrjährigen Finanzplanung.
Die wichtigsten Eckdaten:
- Der Basisumfang soll bis Oktober 2028 abgeschlossen werden.
- Der Wert des Basisvertrags beträgt 54,993 Millionen Zloty.
- Die erste Option hat ein Volumen von 12 Millionen Zloty.
- Die zweite Option umfasst 5,5 Millionen Zloty.
Umfang der Bauarbeiten am Schloss
Der garantierte Basisumfang umfasst die vollständige Sanierung von Gebäude A des Schlosses. Geplant sind unter anderem statische Sicherungsmaßnahmen, Dacharbeiten, neue Fenster, Sanitär- und Elektroinstallationen, die Instandsetzung des Schlosshofes und der Arkadengänge, der Einbau eines Aufzugs, die Sanierung der Treppenhäuser, Türme und Fassaden sowie die Restaurierung der Innenräume. Außerdem entstehen neue Innen- und Außenbeleuchtungen.
Die erste Option umfasst die Sanierung des Torturms, einschließlich denkmalpflegerischer Arbeiten sowie Elektro-, Telekommunikations- und Sanitärinstallationen. Hinzu kommen Hausanschlüsse, Zufahrt und interne Erschließungsstraße sowie vorbereitende Bau- und Restaurierungsarbeiten am Gebäude C.
Die zweite Option betrifft den vollständigen Innenausbau von Gebäude C einschließlich Elektro-, Sanitär- und Beleuchtungsanlagen sowie landschaftsarchitektonische Abschlussarbeiten.
Mehr als 800 Jahre Geschichte
Im Rahmen der Vertragsunterzeichnung erinnerte Dr. Rafał Szymczak, Direktor des Museums des Schlesisch-Lausitzer Grenzlandes, an die wechselvolle Geschichte der Anlage.
Er verwies darauf, dass der Termin der Vertragsunterzeichnung auf den Jahrestag der Schlacht bei Grunwald (Tannenberg) fiel. „Bereits 1410, zur Zeit der Schlacht bei Grunwald, stand dieses Schloss seit rund zwei Jahrhunderten. Der südliche Teil der Anlage entstand bereits ab 1207. Damals sprach man vom Wasserschloss, weil das Bauwerk von allen vier Seiten von Wasser umgeben war. Die erste Erwähnung, wonach Albrecht Dewin das Schloss errichten ließ, stammt aus dem Jahr 1226.“
Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer. Nach der Familie von Pack übernahm die Familie von Bieberstein, welche die Entwicklung der Anlage besonders prägte. Später folgte die Familie von Promnitz, die ebenfalls eine bedeutende Rolle spielte.
Während der Herrschaft der Familie von Promnitz kam Georg Philipp Telemann nach Żary / Sorau. Nach Angaben von Dr. Szymczak konzertierte der Komponist mit hoher Wahrscheinlichkeit in jenem Saal, in dem nun der Sanierungsvertrag unterzeichnet wurde.
Da das mittelalterliche Schloss den Promnitz’ schließlich zu klein wurde, ließen sie einen benachbarten Barockpalast errichten, den sie bis 1765 als Residenz nutzten. Das Schloss selbst diente später als Gefängnis und anschließend als Museum. Nun soll dort künftig ein Haus für Bildung, Wissen und Wissenschaft entstehen.
Quelle: gazetalubuska
Foto: Screenshot / facebook / Portal Informacyjny Zachód