Wo lebt es sich als Rentner besonders gut? Eine aktuelle Untersuchung von Natixis Investment Managers sieht Norwegen erneut an der Spitze. Für die größte Überraschung sorgt jedoch Polen: Das Land verbessert sich um neun Plätze und gehört damit zu den größten Aufsteigern des Rankings.
Der Global Retirement Index (GRI) der französischen Finanzgruppe Natixis Investment Managers untersucht die Bedingungen für Rentner in 44 Ländern weltweit. Gemeinsam mit CoreData Research werden 18 Indikatoren ausgewertet, die vier Bereichen zugeordnet sind: Gesundheit, finanzielle Situation im Ruhestand, materieller Wohlstand und Lebensqualität.
Berücksichtigt werden unter anderem Inflation, Staatsverschuldung, Gesundheitsausgaben und Luftqualität.
Norwegen bleibt das beste Land für Rentner
An der Spitze des Rankings steht erneut Norwegen. Das Land erreicht einen GRI-Wert von 83 Prozent und führt die Rangliste damit zum zweiten Mal in Folge an. Besonders gut schneidet Norwegen bei Gesundheit, materiellem Wohlstand und Lebensqualität ab.
Auf Platz zwei folgt Irland mit 81 Prozent. Die Niederlande erreichen 79 Prozent und belegen damit den dritten Rang.
Die Top fünf komplettieren die Schweiz mit ebenfalls 79 Prozent und Dänemark mit 78 Prozent.
Nach Einschätzung der Natixis-Experten profitieren kleinere Länder unter anderem von einer tendenziell niedrigeren Staatsverschuldung, geringeren Einkommensunterschieden und einer weniger komplexen politischen Landschaft.
Deutschland führt die großen Industrieländer an
Da von der Einwohnerzahl her kleinere Staaten die oberen Plätze des Gesamt-Rankings dominieren, vergleicht der Bericht zusätzlich die zehn bevölkerungsreichsten entwickelten Länder – von Polen mit rund 37 Millionen Einwohnern bis zu den USA mit 342 Millionen.
Große Länder haben den Autoren zufolge häufig mit einer höheren Staatsverschuldung und größeren Einkommensunterschieden zu kämpfen. Auch politische Einigungen über Reformen der Rentensysteme seien dort schwieriger zu erreichen.
In dieser Gruppe liegt Deutschland vorn. Insgesamt erreicht das Land Platz sieben und ist damit der einzige große Staat unter den zehn besten Ländern des GRI.
Auf Platz zwei der Gruppe folgt Großbritannien, das im weltweiten Vergleich Rang 15 belegt. Den dritten Platz unter den großen Ländern erreicht Polen – insgesamt auf Rang 19.
Polen ist der große Aufsteiger
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung Polens. Kein anderes Land konnte seine Position in der diesjährigen Ausgabe des Rankings stärker verbessern.
Polen kletterte von Platz 28 auf Platz 19. Der GRI-Wert stieg auf 70 Prozent. Das entspricht einem Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und von acht Prozentpunkten gegenüber 2016.
Der wichtigste Grund für den Aufstieg ist die Entwicklung beim materiellen Wohlstand. In dieser Kategorie verbesserte sich Polen von Platz 22 auf den vierten Platz weltweit. Nur Dänemark, Tschechien und Norwegen schneiden hier besser ab.
Die Autoren des Berichts verweisen dabei auf den polnischen Arbeitsmarkt, der während des Untersuchungszeitraums zu den angespanntesten in der Europäischen Union gehörte. Eine starke Binnennachfrage und hohe öffentliche Investitionen hätten einen großen Teil der verfügbaren Arbeitskräfte gebunden.
Gesundheit und Lebensqualität bleiben Herausforderungen
In anderen Bereichen liegt Polen dagegen deutlich weiter hinten.
Bei den Finanzen im Ruhestand und bei der Lebensqualität erreicht das Land jeweils Platz 26. Im Bereich Gesundheit liegt Polen auf Rang 31.
Gleichzeitig gab es auch dort Verbesserungen. Unter anderem entwickelten sich der Indikator für abgesicherte Gesundheitsausgaben und die Position bei der erwarteten Lebenserwartung positiv.
Viele Menschen sorgen sich um ihre spätere Rente
Der Bericht von Natixis beschäftigt sich nicht nur mit den aktuellen Bedingungen für Rentner, sondern auch mit der Zukunft der Altersvorsorge.
Eine zentrale Herausforderung ist die steigende Lebenserwartung. Gleichzeitig verändert sich die klassische Erwerbsbiografie. Langjährige Beschäftigung bei einem einzigen Arbeitgeber wird zunehmend durch Teilzeitjobs, befristete oder kurzfristige Tätigkeiten und Selbstständigkeit ergänzt.
Für viele Menschen bedeutet das eine größere persönliche Verantwortung bei der Altersvorsorge. 78 Prozent der befragten Anleger aus 21 Ländern sind inzwischen der Ansicht, dass die Finanzierung ihres Ruhestands letztlich auf ihren eigenen Schultern liegt. Das sind elf Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.
Inflation und Staatsverschuldung bereiten Sorgen
Zu den größten Sorgen der Anleger gehört die Inflation. Sie befürchten, dass steigende Preise den Wert ihrer Ersparnisse verringern und die spätere Rente nicht ausreichen könnte, um den gewünschten Lebensstandard im Alter zu sichern.
Auch die steigenden Kosten für grundlegende Waren und Dienstleistungen erschweren es vielen Menschen, ausreichend Geld für den Ruhestand zurückzulegen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Entwicklung der öffentlichen Haushalte. Knapp 72 Prozent der Befragten erwarten, dass die steigende Staatsverschuldung bereits in absehbarer Zeit zu Einschränkungen bei den Rentenleistungen führen könnte.
Das aktuelle Ranking zeigt damit nicht nur, welche Länder heute besonders gute Bedingungen für Rentner bieten. Es macht auch deutlich, wie stark die Frage der Altersvorsorge künftig von wirtschaftlicher Stabilität, Gesundheitssystemen, dem Arbeitsmarkt und der persönlichen finanziellen Vorsorge abhängen dürfte.
Quelle: polsatnews
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