Zamość gilt als eine der schönsten Städte Polens. Die Stadt ist kleiner als Warszawa / Warschau oder Lublin und weniger bekannt als Kraków / Krakau. An Charme fehlt es ihr jedoch nicht.
Seit Jahrhunderten trägt Zamość die Beinamen „ideale Stadt“ und „Padua des Nordens“. Manchmal wird die Stadt auch als Hauptstadt der „polnischen Toskana“ bezeichnet.
Der Grund liegt in ihrer besonderen Geschichte. Zamość entstand nicht auf den Fundamenten eines alten Dorfes oder einer Burg. Jan Zamojski, eine der mächtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit, ließ die Stadt im 16. Jahrhundert von Grund auf planen. Er wollte eine Stadt erschaffen, die so schön wie die von ihm besuchten Städte in Frankreich und Italien und zugleich funktional war. Dafür holte er den Architekten Bernardo Morando aus Padua. Er sollte eine ideale Renaissance-Stadt entwerfen.
Die Renaissance-Stadt
Das Konzept beruhte vor allem auf Symmetrie. Der Stadtplan sollte an den menschlichen Körper erinnern: Der Palast der Zamojskis galt als Kopf, das Rathaus als Herz und die Bastionen als Arme und Beine.
Bis heute prägen diese Ideen das Stadtbild. Besonders sehenswert sind die niedrigen Bürgerhäuser rund um den Großen Markt, den Salzmarkt und den Wasserplatz. Hinzu kommen das prächtige Rathaus mit seiner Fächertreppe und dem 52 Meter hohen Turm, die Akademia Zamojska, die hier seit 1594 wirkte, sowie die Überreste der Stadtbefestigung.
Zamość wurde dadurch zu einer außergewöhnlich gut erhaltenen Renaissance-Stadt. Als einzige Stadt widerstand sie während der Schwedischen Sintflut im 17. Jahrhundert der schwedischen Belagerung.
Seit 1992 gehört die Altstadt zum UNESCO-Welterbe. Die UNESCO würdigte Zamość als weltweit einzigartiges Beispiel einer Renaissance-„Idealstadt“.
Armenische Bürgerhäuser und kulturelle Vielfalt
Zu den größten Besonderheiten gehören die armenischen Bürgerhäuser an der Ormiańska-Straße östlich des Rathauses. Sie erinnern an die historische Bedeutung Zamośćs als Handelszentrum zwischen Europa und Asien.
Im 17. Jahrhundert kamen armenische Händler in die Stadt. Sie gehörten bald zu den wohlhabendsten Bürgern und errichteten Häuser, die bis heute durch ihre kräftigen Farben und orientalischen Verzierungen auffallen.
Auch kulturell ist Zamość vielfältig. Polnische Adlige, Bewohner der Kresy, Armenier, Juden, Griechen sowie Italiener haben die Stadt geprägt.
Roztocze: die „polnische Toskana“
Zamość ist zugleich eines der Zentren des Roztocze-Gebiets. Wer aus Richtung Lublin kommt, erkennt schnell den Landschaftswechsel. Die flachen, weitgehend waldarmen Felder der Lubliner Hochebene gehen plötzlich in hügelige Landschaften mit Kiefern- und Mischwäldern über. Der Fluss Wieprz schlängelt sich durch die Region. Der Tanew bildet kleine Wasserfälle, die als „Szumy“ bekannt sind.
Auch die Böden verändern sich. Sie sind weniger fruchtbar als in der Lubliner Hochebene. Dafür eignen sie sich gut für den Weinbau. Zusammen mit dem sonnigen Mikroklima hat dies der Region den Beinamen „polnische Toskana“ eingebracht.
Der Weinbau erlebt hier derzeit eine Renaissance. Auch der Weintourismus wächst. Neben Traubenweinen entstehen regionale Obstweine.
Was sollte man in der Region essen?
„Die Küche des Roztocze ist sehr einfach, wenn man von der bäuerlichen Küche spricht“, sagt Marcin Sikora, Koch, kulinarischer Berater und Autor des Blogs „Wcinaj Polskę“.
Typisch seien Gerichte mit Grütze, Bohnen und Kartoffeln, dazu Grieben, saure Sahne und Sauermilch. Die höfische Küche sei dagegen vielfältiger und umfasse unter anderem Wild, Ente, Zitrusfrüchte sowie Gewürze wie Kardamom, Zimt und Anis. Die regionale Küche zeigt außerdem armenische und jüdische Einflüsse. Dazu gehören Tscholent, Cymes und Zwiebelgebäck.
Zu den Spezialitäten zählen Flaki po zamojsku, also Kuttelsuppe nach Zamość-Art, sowie Piróg biłgorajski – ein herzhaftes Gericht mit Buchweizengrütze, Kartoffeln und Tworog. Auch Tarciuchy, geriebene Kartoffeln mit geräuchertem Tworog und Speckgrieben gehören dazu.
Und schließlich darf ein Cebularz nicht fehlen. Das mit Zwiebeln und Mohn belegte Fladenbrot ist zwar als „Lubliner“ Spezialität bekannt. In Zamość schmeckt es frisch aus dem Ofen aber besonders gut.
Quelle: wp
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