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Mittwoch, 28. Juli 2021
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Maciek Podsiadło (Foto: Anna Orłowska / Mariusz Lipiński)
Maciek Podsiadło (Foto: Anna Orłowska / Mariusz Lipiński)

“Aus einem anderen Holz geschnitzt”. Diese Redewendung passt zum Möbelprojekt des polnischen Kunstmalers Maciek Podsiadło wie Holz aufs Auge.

“Ich habe ein Gut in Masuren. Einst sind dort zwei Pappeln umgefallen. Da ich sie nicht verrotten lassen wollte, entschied ich mich, es mir  zunutze zu machen. Ich habe drei Bretter daraus geschnitzt  und fing an, zwei, drei einfache Möbelstücke zusammenzubauen. Von Möbelstück zu Möbelstück kam so die Idee für das Ganze auf”, erzählt Podsiadło. So beginnt die Geschichte von ecoQUBE, einem Möbelprojekt des Kunstmalers Maciek Podsiadło (www.maciekP.eu), das sich etwas von anderen auf dem Markt befindenden Möbelunternehmen unterscheidet. 

Immer mehr Holz

Im Rahmen des Projektes ecoQUBE entstand als Erstes eine Sitzbank. Dieses einfache Möbelstück kann sowohl als Sitzplatz, wie auch als Couchtisch genutzt werden. Laut dem Kunstmaler passt sie perfekt in kleine Wohnungen, wo Funktionalität und Modularität eine tragende Rolle spielen. Das leichte Möbelstück kann nämlich auf verschiedene Weise genutzt werden. Zusätzlich bleibt unter der Sitzbank genügend Platz, um etwas zu verstauen. Der Künstler hat zusätzliche Elemente entworfen und gebaut, um den übrigen Raum zu füllen. “Mit der Modularität im Sinn und dem Wissen, dass die Bank so hoch wie ein Couchtisch ist, habe ich einen passenden Hocker geschaffen. Dieser ist etwas kleiner und passt perfekt unter die Bank. Um das Ganze zu vollenden, habe ich einen noch kleineren Hocker gebaut. So entstand eine Art von Möbel-Matrjoschkas, wo ein Möbelstück unter den anderen verstaut wird und was viel Platz spart”, beschreibt sein Projekt Maciek Podsiadło. 

Nach dem ersten Entwurf entstanden weitere Möbel. Im Katalog von ecoQUBE kann man nicht nur Sitzbänke und Hocker finden, sondern auch Tische, Bücherschränke und sogar ein Bett. Mit den Ökomöbeln ist es möglich, das komplette „Haus“ einzurichten. Nach einer geeigneten Lackierung können sie auch als Gartenmöbel genutzt werden. 

Die Idee wuchs immer schneller, an Eifer fehlte es nicht. Zusammen mit neuen Produkten kamen neue Farben. So kam der Gedanke für Kinderzimmermöbel. Die gerundete Form, Leichtigkeit und fröhliche Farben begeistern garantiert jedes Kind und bereiten viel Freude. Maciek Podsiadło plant, manche der Möbel sogar unbemalt zu liefern. Wieso? Damit Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ihre neue Möbelstücke selbst bemalen können. Viel Spaß und eine langjährige Erinnerung sind hier im Preis enthalten.

Aus gutem Holz geschnitzt

Simpel, universal und langjährig - so sind die ecoQUBE-Möbel. Vor allem sind sie aus echtem Holz. Kaum jemand ist sich nämlich dessen bewusst, dass die meisten verkauften Möbel, nicht aus Holz gemacht sind. “Der Holzanteil beträgt vielleicht zwischen 30% und 60%. Der Rest setzt sich zusammen aus Holzspänen, verschiedenen Zusätzen und Abfällen. Dieser Mix wird dann mithilfe von chemisch-thermischen Substanzen gefestigt, was dann eine Platte ergibt, aus der die «Holzmöbel» produziert werden. Der  Produktionsprozess an sich, ist sehr unökologisch, aber was passiert später? Nach einiger Zeit muss man so ein Möbelstück, welches sehr kurzlebig ist, wegwerfen. Und wie macht man das? Man wirft es in den Müll, verbrennt es oder macht ein Lagerfeuer. So sieht das Schicksal von billigen, schnell produzierten Möbeln aus, welche weder aus Holz, noch ökologisch sind”, fasst der Kunstmaler zusammen. 

Die Möbel von Maciek Podsiadło sind das komplette Gegenteil davon. Produziert so ökologisch wie möglich und im Wohlwollen für unseren Planeten an erster Stelle. Langjährig. Funktional. Wie können die Möbel jedoch ökologisch sein? Vor allem werden die ecoQUBE-Produkte aus Pappelmassivholz hergestellt. Diese Gattung ist laut dem Künstler die beste Baumart für so ein Projekt, weil sie rasend schnell wächst, weswegen sie Unmengen von CO2 absorbiert, ziemlich leicht ist und Langlebigkeit garantiert. 

Diese Langlebigkeit bezeugen unter anderem die Überreste der ersten polnischen Hauptstadt. “Sie wurde unter anderem aus Pappelholz gebaut. Dieses Holz überdauerte bis zum heutigen Tage, hingegen Bauten aus Fichtenholz eher verrottet sind. Pappelholz ist weniger auf die zerstörerische Kraft der Zeit anfällig. Ich möchte auch das Beispiel der außergewöhnlichen polnischen sarmatischen Holzherrenhäuser erwähnen. Von ihnen ist nichts übrig geblieben. Nichts. So ein Haus überdauerte in der Vergangenheit ungefähr 100 Jahre. Wenn es nicht nach 30 Jahren verbrannt ist, fing es an, nach 100 Jahren zu verrotten. Die Zeiten der Sarmatenrepublik waren noch gekennzeichnet durch  Unmengen von Herrenhäusern. Diese wurden aus verschiedenen Baumgattungen erbaut, doch keine hat die Zeitprobe bestanden. Wenn man Pappel genutzt hätte, wäre das vielleicht nicht passiert.”

Die Produktion selbst kann mehr oder weniger ökologisch stattfinden. “Leider kann man nicht zu 100% ökologisch sein, weil man das Holz irgendwie zersägen muss. Man kann es dann Luft- oder auf anderem Wege trocknen lassen, aber man darf diesen Prozess nicht auslassen. Das Holz muss verarbeitet werden und das erfordert Energie. Aber aus dem Grund, dass es Massivholzmöbel und die Teile nicht aus Sperrholz sind, also zusammen geklebten Holzstreifen, ist der ganze Produktionsprozess sehr vereinfacht. So ein Möbelstück benötigt  weniger Produktionsenergie, weil seine Verarbeitung bis auf ein Minimum reduziert worden ist und daher der CO2-Fußabdruck viel kleiner ist”, erklärt Podsiadło.

Zeit die Karten auf den Tisch zu legen

Das simple Design der Möbel, dieselben Parameter sind kein Zufall. Den Kunstmaler leitet kein Ästhetikgefühl oder der Wille, sich an die Minimalismusmode anzupassen. Die minimale Bearbeitung des Materials bestimmt das Aussehen der Möbel. “Ich denke mir die Möbel nicht aufs Neue aus. Die Ästhetik wird von der Suche nach einer vereinfachten Form aufgezwungen, welche das Ergebnis einer vereinfachten Produktion ist. Hier regiert die Sparsamkeit der Mittel. Sie verleiht den Möbeln die Ästhetik. Es ist auf keinem Fall eine Suche danach”, unterstreicht der Künstler. 

Laut Podsiadło ist seine Methode die ökologischste Art der Möbelproduktion. Wenn eine bessere Methode gefunden werden sollte, wird sich der Designer bestimmt für sie  interessieren. Ökologie ist nämlich das Zünglein an der Waage für Maciek Podsiadło. Er selbst betont, dass der Möbelmarkt sich in den letzten Jahren sehr verändert hat, weswegen die Möbel selbst weniger robust sind und ihre Produktion unserem Planeten schadet. “Die Holzgewinnungsbranche war in der Vergangenheit nicht sehr schädlich, weil das Material etwas war, was man selbst züchten musste. Ein Wald, den man selber anpflanzen und pflegen musste, um ihn dann zu fällen und erneut zu pflanzen. Bis zu einem gewissen Grad war also alles in Ordnung. Klar, dass ab dem 19. Jahrhundert verschiedene Energiequellen dabei eine Rolle spielten, aber irgendwie lief noch alles gut. Doch seit den 60er Jahren begann man Sperrholz zu nutzen, welches  in Spanplatten umgewandelt  wurde, die nur ein Ersatz für Holz darstellen. Aus diesem Grund werden die Möbel später zu problemhaften Abfällen, welche meistens durch den Heizofen zurück in die Natur geschickt werden. Wenn es sich um normales Holz handeln würde, wäre es einfach ein Heizmaterial. Wenn jedoch die Spanplatten zu  50 % aus Zusätzen bestehen, entsteht bei ihrer Verbrennung ein ernsthaftes Problem für die Umwelt. Meine Motivation liegt in der Ökologie und dem Willen, unseren Planeten zu beschützen”, erklärt der Kunstmaler. 

Ein einzelner Baum macht noch keinen Wald

Maciek Podsiadło, der das Projekt ecoQUBE gestartet hat, wollte selber versuchen, die Möbel im kleinen Maßstab zu produzieren. Die Bürokratie stellte sich jedoch als ein zu großes Problem dar. Der Designer verlor den Kampf um einen Zuschuss für den Kauf notwendiger Maschinen mit den Beamten, weswegen die Marke nicht mal die Chance bekam, zu starten. 

Das heißt jedoch nicht, dass die Idee und die Marke vergessen wurde. Podsiadło hat nicht vor aufzugeben und sucht nach Verstärkung. Der Kunstmaler würde gerne eine Zusammenarbeit mit einem Produzenten oder Vertreiber aufnehmen, der die Marke ecoQUBE mit ihm weiter gestalten möchte. Ein Traumbusinesspartner? Jemand, dem vor allem die Ökologie wichtig ist und für den Profit nicht an erster Stelle steht. 

Der Markteintritt von ecoQUBE würde auf jeden Fall nicht nur eine größere Produktauswahl bedeuten, sondern auch das individuelle  Kaufbewusstsein steigern. Der Kunde hätte die Möglichkeit, nicht nur langjährige Möbel zu kaufen, sondern auch den Planeten zu schützen. Damit es jedoch dazu kommen kann, muss sich erst jemand finden, der sie produzieren möchte. Maciek Podsiadło hofft, dass durch das Verbreiten seiner Idee jemand (eine Person oder ein Unternehmen) auf sein Projekt aufmerksam wird und Kontakt mit ihm über seine Seite www.ecoqube.eu aufnimmt. Er klopft also dreimal auf Holz und hofft auf das Beste. 

 

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