Von den Verstorbenen trennt uns nur die Zeit - Die Schädelkapelle von Czermna

 

Sie lockt heran, ruft Unheimlichkeit hervor, bringt zum Nachdenken. Dieses einmalige Werk der religiösen Kunst ist ein besonderes Bild der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen. Über die Schädelkapelle in Czermna erzählte PolenJournal.de der Reiseführer Sławomir Stasiak.

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Mittwoch, 12. Mai 2021
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Foto: Kalevala
Foto: Kalevala

Eine Menge von knirschendem Schnee unter den Füßen, phänomenale Polarlichter, Hundeschlitten anstelle von Pferden. Das sind nicht nur leere Wörter, sondern Assoziationen und Hauptgründe, welche jedes Jahr viele Touristen in die weiten Ecken Nordeuropas locken. Und obwohl viele davon träumen, wenigstens einmal ein nordisches Land zu besuchen, erfüllen sich nur wenige diesen Traum, denn ein Familienausflug in so weit entfernte Gebiete stellt eine Herausforderung dar. Was wäre aber, wenn man sich in Polen wie im weit entfernten Finnland fühlen könnte?

Im nicht so weit entfernten Baberhäuser/Borowice in Niederschlesien entstand ein echtes finnisches Reich. Worüber ist die Rede? Über das Dorf Kalevala. Im Herzen vom Riesengebirge wechseln wir den Breitengrad und haben das Gefühl, wir würden durch finnische Wälder wandern, welche mit Stille und Ruhe gefüllt sind. Nun, das stimmt nicht ganz. Obwohl viele Sachen Finnland täuschend ähnlich sind, befinden wir uns in Wirklichkeit immer noch in Polen. Diese Ähnlichkeit ist der Verdienst von Magdalena und Michał Makowski. Dank ihrer Leidenschaft und eingesetzten Herz kann jeder das ferne Polarland kennenlernen und einen Hauch von Finnland spüren.

Das Abenteuer begann am 8. Dezember 2017 als es dem Ehepaar gelang, zum 100-jährigen Jubiläum Finnlands das lappländische Dorf Kalevala zu eröffnen. Bei der festlichen Eröffnung war sogar der Botschafter Finnlands dabei. “Anfangs planten wir nichts Großes. Es sollte eine private Sauna in den Bergen sein. Mit der Zeit kamen ganzjährige lappische Zelte, finnische Häuschen, zusätzliche Saunen dazu und es endete mit einem lappländischen Dorf“, erzählt Michał Makowski. Und zum Glück entstand aus einem kleinen Traum ein ansehnliches Dorf, welches der perfekte Ort sowohl für einsame Reisende als auch für Familien ist. Alle Gäste von Kalevala verbindet nämlich eins – die Liebe zu den weit entfernten, wunderschönen nordischen Ländern.

Kindheitsträume

Das Dorf wurde präzise geplant. Alles hat seine Ordnung und Platz. Sobald wir das Tor von Kalevala betreten, werden wir sofort in eine andere, einzigartige Welt versetzt.

Das Gut Finnlands, welches die Geschichte der Mumins ist, ist vor allem bei Kindern bekannt. Sie träumen davon, sich einmal wie die Helden dieses Märchens zu fühlen, ja sogar für einen Moment in diese Welt zu reisen. Das ist nun nicht mehr allzu schwer, man muss nur nach Baberhäuser/Borowice kommen. Hier entstand das Haus der Mumins, selbstverständlich nach der Beschreibung, welche aus dem Roman von Tove Jansson stammt. Das Häuschen können wir aber nicht nur besichtigen, sondern uns auch im Bett des Mumins oder Snorkfräuleins hinlegen und einschlafen. Für Personen, welche Angst haben, auf Morran zu treffen, haben wir eine gute Nachricht, Michał und Magdalena haben für die Sicherheit des Dorfes so gut gesorgt, dass das furchteinflößende Wesen Kalevala meidet.

Für die Sicherheit des Dorfes sorgen auch zwei wundervolle Huskys – Kalev und Sampo. Die lebensfrohen Hunde erobern die Herzen sowohl der jüngeren als auch der älteren Gäste im Handumdrehen. Und obwohl die Tiere dem Ort schon einen außergewöhnlichen Charme verleihen, spürt man erst bei einem Spaziergang mit ihnen das richtige finnische Klima auf der eigenen Haut. Die Wanderung findet natürlich unter dem wachsamen Auge der Betreuer statt. “Jemand, der keine Ahnung von Huskys hat, hält es beim Spazieren keine zwei Minuten aus. Es sind Schlittenhunde, die bereit sind, den ganzen Wald zu erkunden, zu rennen und das Abenteuer zu suchen. Man muss wissen, wie man mit ihnen umgehen soll“, präzisiert Michał Makowski. Ein Ausflug mit diesen beiden lebhaften Goldstücken erfreut sich bei den Gästen großer Beliebtheit. Die Gastgeber geben zu, dass täglich Dutzende Personen die Möglichkeit nutzen, in den Wald zu gehen und zu spazieren.

Kalevala überrascht auf Schritt und Tritt. Nicht anders ist es im Falle eines scheinbar gewöhnlichen Geheges. Die Tiere, welche wir hier treffen, sind nämlich alles andere als gewöhnlich. Sie versprühen im Dezember weihnachtliche Stimmung und mit dem Weihnachtsmann sind sie dicke Freunde. Über wen ist die Rede? Rentiere! Zwei atemberaubende Rentiere, welche direkt aus Finnland nach Baberhäuser/Borowice kamen, vervollständigen den einzigartigen finnischen Charme des Dorfes. Im Winter besucht der Weihnachtsmann höchstpersönlich seine Freunde und schlendert durch das Dorf.

Vom Zelt bis hin zu Sauna – die finnische Kulturschule

Kalevala ist nicht nur für ihre vierbeinigen Freunde berühmt, aber vor allem für ihre Attraktionen. Für viele Gäste ist eine Nacht im Zelt eine Kindheitserinnerung. Wie wäre es, wenn wir uns an diese glücklichen Momente zurückerinnern könnten, ohne mühsam das Zelt aufstellen zu müssen? In Kalevala stehen für die Gäste Zelte zur Verfügung, in denen wir nicht nur im Sommer, aber auch im Winter schlafen können. Keine Sorge, wenn der Gedanke daran die Ohren vor Frost kneift, sollten wir ihn schnell vergessen. Die Zelte haben Heizsysteme, dank denen die frostigen Temperaturen nicht hineingelangen. Hinzu verfügt jedes Zelt über Internet, Strom und im Inneren können wir den einzigartigen Duft des finnischen Holzes riechen. In den Zelten können wir auf einige alles andere als alltägliche Konstruktionen treffen. Eine davon ist das Wikingerzelt, in dem jeder Tourist sich wie ein waschechter skandinavischer Krieger fühlen kann. Außerdem ist die Übernachtung in den hängenden Zelten auch ein spektakuläres Erlebnis. Wie sieht das aus? Die Zelte sind an Holzsäulen einige Zentimeter über dem Boden festgebunden, sodass sie in der Luft schweben.

Für Liebhaber des heißen Klimas gibt es Saunen, welche in Finnland fast überall zu finden sind. Man muss dabei aber betonen, dass eine finnische Sauna kein kleiner Raum im Keller ist, mit dem es die meisten Menschen assoziieren. “Die Finnen essen, trinken, spielen Karten und reden in der Sauna. Sie hat immer neben dem Zimmer mit dem Ofen auch ein zweites Zimmer, wo man ein bisschen feiern kann”, erzählen die Makowskis. Von daher ist es nichts Komisches, dass wir in Kelavala eine Sauna mit Grill nutzen können. Es gibt noch zwei andere, welche den Gästen zu Verfügung stehen. Eine davon ist verglast und die Zweite einfach nur erstaunlich, denn sie ist nicht quadratisch oder rechteckig, sondern rund.

Um sich in dem kleinen Finnland nicht zu verirren, können wir einen 45-minütigen Spaziergang mit einem Reiseführer durchs Dorf machen. Während der Wanderung werden wir nicht nur die Attraktionen dieses Ortes sehen, sondern wir erfahren vor allem mehr über die Kultur, Tradition und Sitten der Finnen. Schon während des Spazierganges, bevor der Aufenthalt in Kalevala so richtig beginnt, werden wir in das weit entfernte nordische Land versetzt. Scheinbar im fernen Finnland, aber dennoch in Polen.

Hinzu werden im Dorf verschiedene Workshops veranstaltet, die an die lappländische Kultur anknüpfen. Ein besonderes Erlebnis für Kinder und Jugendliche ist die finnische Schule, also die Kalevala Academy. Hier finden interessante Lehrveranstaltungen statt, die uns Finnland näher bringen. Diese basieren auf dem besten Bildungssystem der Welt, nämlich dem Finnischen.

Himmlisches Lichtspiel

Die Polarlichter sind ein besonderes Naturereignis, das sich in den Köpfen der Touristen, welche das Glück hatten, es live in Finnland zu sehen, stark eingeprägt hat. Doch nicht nur im nördlichen Teil Europas können wir die himmlische Lichtshow bewundern. In Kalevala geben wir uns einem Moment des Vergessens hin und beobachten den Tanz der Farben, die sich am Horizont verflechten. Doch wie gelangen die Polarlichter nach Polen? Tja, das alles ist dank des Engagements der Eigentümer möglich, welche dieses Phänomen in das Herz vom Riesengebirge hingebracht haben. Diese Show findet mithilfe von VR-Brillen statt. Mit ihnen können wir das echte Polarlicht, das mit einer 360-Grad-Kamera in Finnland aufgenommen wurde, auf dem Liegestuhlfeld beobachten.

Shoppen im kleinen, polnischen Helsinki

Wie wäre es in Helsinki einkaufen zu gehen, ohne Polen verlassen zu müssen? Klingt unmöglich? Ist es aber nicht! Jeden Samstag organisieren die Besitzer von Kalevala den Markt Kauppatori, der sich am berühmten Markt in der Hauptstadt Finnlands ein Beispiel nimmt. Natürlich ist das kein gewöhnlicher Markt. Ihn zeichnen vor allem Gemütlichkeit und genaue Kenntnis jedes einzelnen Produktes aus, denn sowohl die leckeren Speisen als auch das Kunsthandwerk stammen von den besten regionalen Herstellern. Und obwohl die meisten einen winterlichen Markt mit eisiger Kälte assoziieren und so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren möchten, kommt das in Kalevala niemandem in den Kopf. Dafür sorgen schon die Eigentümer des Dorfes. Um nicht nur die Herzen, aber vor allem Hände und Füße der Besucher zu erwärmen, wird jedes Mal ein Lagerfeuer angezündet, an dem wir uns wärmen, ausruhen und besinnen können.

Nicht reden, einfach tun

Genau das zeichnet die Finnen aus. Wenn sie etwas sagen, dann machen sie es auch. In ihrer Kultur gibt es keinen Platz für leere Worte. Diese Einstellung ist bewundernswert und einer von vielen Gründe der Vorliebe von Michał und Magda zu diesem nordischen Land. “Finnland ist unsere Leidenschaft, es ist ein vollkommen anderes Land als Polen, Tschechien oder Deutschland. Die Finnen haben viele schöne Eigenschaften: Kreativität, Gewissenhaftigkeit, Präzision und vor allem setzen sie Wörter in Taten um“.

Den Makowskis liegt es am Herzen, ihren Gästen die finnische Kultur und Tradition näherzubringen. Mit ihrer Leidenschaft stecken sie nicht nur vor Ort an, sondern auch virtuell. Auf ihrem Facebookprofil zeigen sie regelmäßig Fotos und Videos, in denen sie über das Leben in Finnland erzählen und auch was gerade im Dorf so los ist oder was Kalev und Sampo machen.

Die Eigentümer widmen sich Kalevala mit ganzem Herzen. Es gelang ihnen, die finnische Ecke im Riesengebirge ohne jegliche staatliche Hilfe aufzubauen. Sie wollten zeigen, wozu sie selber fähig sind, und das ist ihnen zu 100% gelungen. Interessanterweise schließen beide eine Zusammenarbeit mit der finnischen Regierung in der Zukunft nicht aus. “Jetzt haben wir das Gefühl, dass eine engere Zusammenarbeit mit Finnland der nächste Schritt ist, was uns unvermeidlich und für beide Seiten gut erscheint“.

Wie können wir mit einem Wort Kalevala bezeichnen? Kein Museum, kein Freilichtmuseum, sondern ein Glampingplatz! Sogar ein außergewöhnliches Glamping. Ein Aufenthalt in diesem Dörflein wird jedem Gast und vor allem Liebhaber Finnlands lange in Erinnerung bleiben. Die Makowskis sind stolz darauf, Polen auf der internationalen Tourismusmesse in Helsinki zu vertreten. Sie findet vom 21. bis 23.01.2022 statt. Magdalena und Michał sind von der finnischen Einstellung "nicht reden, sondern tun" inspiriert und dank dessen entstand das kleine Finnland in Polen.

Dieser Artikel stammt aus dem PolenJournal-Magazin (Onlineausgabe 1/2021)

Alle Angaben ohne Gewähr.

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