Von den Verstorbenen trennt uns nur die Zeit - Die Schädelkapelle von Czermna

 

Sie lockt heran, ruft Unheimlichkeit hervor, bringt zum Nachdenken. Dieses einmalige Werk der religiösen Kunst ist ein besonderes Bild der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen. Über die Schädelkapelle in Czermna erzählte PolenJournal.de der Reiseführer Sławomir Stasiak.

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Mittwoch, 12. Mai 2021
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 Schloss Kamenz
Schloss Kamenz

In Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki in Niederschlesien befindet sich ein neugotisches Schloss. Beeindruckend, mysteriös und in vieler Hinsicht außergewöhnlich. Mit einer faszinierenden Geschichte über eine verbotene Liebe, die sich für einen Roman oder ein Drehbuch eines Netflix-Filmes eignet. Jahrelang vergessen und verkommen. Jetzt hat es die Chance auf eine bessere Zukunft. 

Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki ist eine kleine Ortschaft im Glatzer Kessel. Reich an Fauna und Flora. Mit einer wunderschönen Aussicht auf die Gebirgskette der Sudeten. Voll mit interessanten Denkmälern und mit einer Sehenswürdigkeit, von der andere Menschen nur träumen können. Ein neugotisches Schloss aus dem 19. Jahrhundert, dass das Interesse von jedem weckt, der es mit eigenen Augen gesehen hat. 

“Das Schloss in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki ist der größte Bau des Endes der Romantik in Europa. Seine Fläche umfasst ganze 27 Tsd. m2 und fast 3 ha unter dem ach. Das sind mindestens 100 Räume verschiedener Größe und Bestimmung. Gleichzeitig ist es eins der fünf größten Objekte dieser Art in Polen. Nach der Marienburg, dem Wawel und Schloss Fürstenstein”, erzählt mit Überzeugung der Historiker und Verwalter des Schlosses in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki, Sławomir Radzik. 

Das riesige Objekt gilt nicht ohne Grund als eine architektonische Perle Niederschlesiens. Nicht ohne Grund kämpft die Gemeinde Kamieniec Ząbkowicki, um den Glanz des Schlosses wiederherzustellen. Und nicht ohne Grund machen Touristen große Augen, wenn sie die Geschichten hören, die in den Mauern des Gebäudes stattgefunden haben. Das Schicksal dieses Ortes könnte heute ganz anders aussehen, wenn nicht ein Skandal passiert wäre, der die damalige Welt geschockt hat… Doch bevor wir dazu kommen, werden wir unsere Aufmerksamkeit erstmal auf die Entstehungsgeschichte ziehen. 

 

 

Die Sommerresidenz der Prinzessin

“Die Anfänge des Schlosses haben ihren Ursprung in der Heirat der niederländischen Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau mit Albrecht von Hohenzollern, Prinz von Preußen”, erklärt Radzik. Die Hochzeitszeremonie fand am 14. September 1830 in Den Haag statt. Die Feier war für die Möglichkeiten des preußischen Hofs ziemlich bescheiden. Der Grund dafür lag aber nicht im Geiz, sondern es war eine Bitte der Hochzeitsbraut selbst. Marianne wünschte sich, dass das ersparte Geld an die Armen gespendet wird. Dadurch widersprach sie der preussischen Etikette. Erstaunlicherweise kam diese Entscheidung und dadurch Marianne selbst bei der Familie des Bräutigams sehr gut an. 

Im Jahr 1838 nach dem Tod von Mariannes Mutter, vererbte sie die Anwesen in Schlesien. Und da sie von jung an sehr energisch und intelligent war, und zusätzlich ein riesengrosses Vermögen hatte, kam sie auf die Idee, in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki eine wunderschöne Sommerresidenz zu bauen. So schön, dass sie alle vom Hocker reißen würde! Die Kosten spielten hierbei keine Rolle, also hat sie die Chance ergriffen, um etwas zu experimentieren. Einerseits ist so eine Einstellung der Traum jedes Architekten, doch andererseits musste er vieeeel Geduld aufweisen, weil die Kundin unkonventionelle und sehr effektive Lösungen erwartete. Marianna mochte es nicht, sich streng an die geltenden Benimmregeln zu halten. Sie war eine der Personen, die nicht untätig herumsitzen. Ihre innere Natur ließ ihr Faulenzen nicht zu. Sie hatte nicht vor, die Rolle einer Statistin im Hof zu spielen. 

Was bewegte sie jedoch dazu, genau dort ein Schloss zu bauen? Auf jeden Fall war es der Standort und die ans Herz fassende Landschaft. Eine große Rolle spielte in dieser Zeit auch die Romantik. Marianna hat die Geschichte dieses Ortes mit allen Einzelheiten kennengelernt. Dank ihrer Vorstellungskraft sah sie die lyrischen Überlieferungen über die Liebesgeschichte einer polnischen Prinzessin und eines münsterbergischen Herzogs, die in der Festung am Schlossberg ihren Verlauf nahm. Wer von uns würde ein Schloss in einem wunderschönen Gebiet mit einer herzergreifenden Geschichte nicht wollen?


Prinzessin Marianne (1810-1883)

Berühmte Architekten nehmen die Herausforderung an

Bei der Realisierung ihrer Idee halfen ihr bekannte Architekten. Das Schlossprojekt stammte von dem Schöpfer des Alten Museums in Berlin und des Schlosses Charlottenhof in Potsdam - Karl Friedrich Schinkel. Das nicht ohne Grund. Im Jahre 1828 baute Schinkel ein wunderschönes Schloss für Prinz Albrecht an der Lindenstraße in Berlin. Doch diesmal hatte der Architekt keine freie Hand. Er musste die Visionen von Marianna einbeziehen, die gerne in die Baupläne eingegriffen hat. Sie erträumte sich, dass das Schloss in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki die Residenz des Earls von Ripon aus dem schottisch-englischen Grenzgebiet ähneln wird. Sehr oft kam es zwischen Marianne und Schinkel zum Wortgefecht in der Briefkorrespondenz. Beide hatten ihre eigene Meinung. Und beide wollten unbedingt Recht behalten. 

Am 15. Oktober 1838 hat man festlich den Grundstein für den Bau der Sommerresidenz gelegt. Doch wegen der fortschreitenden Nervenkrankheit Schinkels, hat sein Lehrling, der junge und talentierte Ferdinand Martius die Aufsicht der Bauarbeiten übernommen. Oftmals spielte er auch die Rolle eines Postbotens zwischen seinem Meister und der Stifterin. Schinkel besuchte Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki nur zwei Mal: für die Festlichkeiten, die zum Anlass des Baubeginns veranstaltet wurden, und im Mai 1840. Während seines zweiten Besuchs hat er wahrscheinlich seine letzte Skizze gemacht. Ein Jahr später ist er gestorben und seine Rolle übernahm Martius. Der Lehrling des großen Meisters gewann schnell das Vertrauen von Marianne. Sie revanchierte sich mit der Finanzierung seines Studiums in Italien, Frankreich und den Niederlanden. 

Während das Schloss gebaut wurde, arbeitete man gleichzeitig an der Bewirtschaftung des riesigen Garten- und Parkkomplexes, der vor dem Krieg ganze 200 ha groß war. Dieser Aufgabe stellte sich im Jahr 1858 der königliche Architekt, Peter Joseph Lenne, dessen Projekt der Gartenanlagen in Sanssouci in Potsdam ihn berühmt machte. Unter anderem war er für Pflanzungen, Arbeiten im Park, Terrassen, Teiche und Brunnen, von denen die höchste das Wasser auf ganze 33 m spritzte, verantwortlich. Das musste ein umwerfender Anblick gewesen sein. 

Prinzessin Marianne wollte, dass bei dem Bau hauptsächlich Bewohner der Ortschaften, die ihr gehörten, angestellt werden. “Dank dem Bau des Schlosses, hatte die örtliche Bevölkerung die Chance sowohl auf dem Schloss zu arbeiten, als auch beim Straßen-, Brückenbau und in der Forstwirtschaft. Man kann sagen, dass es damals eine Art des lokalen Patriotismus war, weil die Arbeit zuerst die dort lebenden Menschen bekamen, und wenn dann immer noch Arbeitskräfte fehlten, hat man Arbeiter aus weiter entfernten Ortschaften geholt”, kommentiert Radzik. 

Am 8. Mai 1872 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Aus diesem Anlass und zur Beendigung des französisch-preußischen Krieges, wurde festlich das Nike-Denkmal enthüllt. Die Einrichtung und Dekorierung dauerte jedoch bis zum Jahr 1915. 

“Für den Bau des Schlosses gab man ungefähr 1 Mio. Taler aus, was heute einen Gegenwert von 3 Tonnen Gold hätte. Zum gegenwärtigen Kurs ergäbe es die astronomische Summe von 484 Mio. Zloty, also mehr als 100 Mio. Euro würde heute der Bau eines Schlosses kosten.  Meiner Meinung nach sogar mehr, da man die zusätzlichen Belastungen dazu zählen muss, wie die Mehrwertsteuer”, rechnet Radzik zusammen. 

 

 

Romanzen, Betrüge und die Geschichte einer verbotenen Liebe

Der polnische Spruch “ciężkie pieniądze, nie gwarantują lekkiego życia” (dt. schweres Geld garantiert kein leichtes Leben) passt zu Marianne wie die Faust aufs Auge. Die Prinzessin hatte nie Geldsorgen. Das kann man jedoch nicht von ihrem Liebesleben sagen. Ihre erste Liebe war der schwedische Prinz, Gustav von Holstein-Gottorp. Anfangs glaubte man, dass das Paar eine glänzende Zukunft erwartet. Doch ihre Eltern haben die Hochzeit nicht bewilligt. Sie fanden, dass die Hochzeit des 20-jährigen Mädchens mit ihrem Cousin Albrecht von Hohenzollern mehr politische Vorteile mit sich bringen wird. Später stellte sich jedoch heraus, dass das der Anfang der Hölle für Marianne war. Nur wenige glaubten an diese Beziehung. Wieso? Wenn auch nur wegen des erkennbaren Temperamentunterschieds. Die Prinzessin war eine schöne, intelligente und weltgewandte Dame, der Herzog war hingegen ein perfektes Beispiel eines steifen preußischen Soldaten, der lieber auf dem Schlachtfeld kämpft, als eine intelligente Diskussion führt. Mit der Zeit kamen verschiedene Missverständnisse und Streitereien auf. Das, obwohl Marianne eine treue und ergebene Ehefrau zu sein versuchte. Leider kann man nicht dasselbe über ihren Ehemann behaupten, der sie mit vielen Geliebten mehrmals betrug. Letztendlich endete die Geduld der Prinzessin und am 12. Juli 1838 reichte sie im Gericht einen Separationsantrag ein. Man munkelte jedoch, dass die Scheidung unvermeidlich gewesen war. Das Leben mit Albrecht war für Marianne immer schwerer. Es kam sogar dazu, dass sich das Paar mied. Trotzdem hielt sich die Prinzessin mit der Entscheidung bis zum letzten Moment zurück. Was? Vieles zeigt, dass es ihr innerliches Gewissen war. Sie dachte nämlich nicht an ihr eigenes Glück, sondern vor allem an das Wohl ihrer drei Kinder. Sie wollte, dass sie Kleinen in einer normalen Familie aufwachsen.  

Das zerstrittene Ehepaar wollte sogar der König Friedrich Wilhelm IV. versöhnen. Leider haben seine Anstrengungen nicht viel gebracht. Der Kelch des Leidens wurde bis zur bitteren Neige geleert, als Albrecht eine Affäre mit der Tochter des Kriegsministers, Rosalie von Rauch hatte. Doch der wahre Schock kam, als bekannt wurde, dass Prinzessin Marianne schwanger ist. Der Vater war nämlich nicht ihr Ehemann, sondern der Oberhofstallmeister und naher Freund der Frau, Johannes Van Rossum! Dieses Ereignis rief auf dem preußischen Hof eine wahre Wut auf die Prinzessin auf. 

Der Scheidungsprozess begann im Juli des Jahres 1848 und zwar aus der Schuld der unglücklichen Frau, da die Hohenzollern sie als einen Schandfleck ansahen. Offiziell wurden die Dokumente im März des Jahres 1849 unterschrieben. Dessen Konsequenz war der Abbruch jeglicher Kontakte zwischen den beiden Adelsgeschlechtern. Dazu musste die Prinzessin beschämende Schikanen ertragen. 

“Der preußische Teil der Familie hat ihr verboten, ins Schloss durch den Haupteingang zu kommen, weswegen sie das Gebäude von einem der Türme mit einer speziell angefertigten Treppe betrat. Man hat ihr auch den Kontakt zu ihren Kindern verboten. Sie durfte sich in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki nicht länger als 24 Stunden aufhalten. Bei jedem Besuch musste sie sich auf der Polizeiwache anmelden, wo man genau die Uhrzeit ihres Ankommens notierte. Marianne hat dafür jedoch sehr schnell eine Lösung gefunden. Sie kaufte in Österreichisch-Schlesien (heute Tschechien) ein Schloss in Bílá Voda. Von dort hatte sie nur 12 km nach Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki. Dank dieser Idee konnte sie tagtäglich den Bau ihrer Residenz beaufsichtigen”, erklärt Radzik. 

Die Skandale hatten auch Wirkung auf den Fortschritt der Bauarbeiten, die bis zum Herbst 1853 gestoppt wurden. Die Prinzessin brauchte nämlich Ruhe und Erholung. Diese suchte sie im Nahen Osten, Italien und Frankreich. 

Eine der größten Bedrohungen für den Bau des Schlosses wurden die Revolutionen von 1848/1849. In dieser Zeit hat die arme Bevölkerung Europas die aristokratischen Höfe, Paläste und Schlösser überfallen, geplündert und oftmals ihre Bewohner ermordet. In Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki sah die Lage ziemlich schlecht aus. “Eine Gruppe von 200 bewaffneten Männern kam zum Schloss und wollte es zerstören und ausrauben. Dazu kam es jedoch nicht, weil eine ähnliche Anzahl von Menschen, Bewohnern der Ortschaft, Handwerkern, Beamten und Dienerschaft sich entschieden haben, es zu verteidigen, was vieles über Marianne als Herrscherin sagt”, erzählt Radzik. 

In den letzten Lebensjahren widmete sich die Prinzessin der Hilfe der Armen. Sie starb am 29. Mai 1883 in Reinhartshausen. Die Güter erbten ihre Kinder. Noch im Jahr 1873 schenkte sie Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki ihrem Sohn, Albrecht von Hohenzollern zum Anlass seiner Hochzeit mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg. Nach dem Tod von Albrecht im Jahr 1906 erbte die Residenz sein Sohn, Friedrich Heinrich Hohenzollern, der 1940 starb. Bis zum Jahr 1945 war das Schloss das Eigentum von Waldemar von Preußen. 

 

 

Das dramatische Schicksal des Schlosses nach dem Krieg

An der Wende der Jahre 1942 und 1943 wurde das Objekt von der nationalsozialistischen, paramilitärischen Todt-Fraktion übernommen. Infolgedessen wurde das Schloss zu einem der drei Kunstwerklager in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki. Weitere befanden sich auf der Reitbahn und im sogenannten Abtschloss im alten Zisterziensergebäude. 

“Im Mariannes Schloss hat man die kostbarsten Sammlungen aus den Museen der bildenden Künste unter anderen aus Breslau/Wrocław, anderen Regionen Polens und Deutschland aufbewahrt. Ein Teil dieser Sammlungen konnte evakuiert werden. Leider nicht alles. Man hinterließ großflächige Gegenstände, Skulpturen, Epitaphien, große Gemälde und vieles mehr. Das wurde zur Beute der Roten Armee, die hier im Mai des Jahres 1945 ankam. Die Rotarmisten raubten aus dem Schloss ganze 17 Waggons mit Kunstwerken, Skulpturen, Gemälden. Als Nächstes haben sie das Gebäude in Brand gesetzt, und zwar zwei Mal. Die erste Brandstiftung fand nach dem Krieg im Januar 1946 statt und die Zweite im Februar desselben Jahres. Das Schloss brannte ungefähr 8-9 Tage und wurde mit Waffen bewacht. Alle, die versucht haben, das Feuer zu löschen, wurden beschossen”, erzählt Radzik. 

Trotz der ungeheuren Vernichtungen, überlebte das Schloss bis heute, was den Erbauer des Gebäudes im besten Licht zeigt. Doch beinahe blieb von dem Objekt nur eine Brandstätte… Für die kommunistische Regierung war es kulturell und national fremd. Es wurde zum Gebäude, das zur Weißglut trieb. Man sorgte sich also um solche Objekte nicht. Deswegen nutzte man einen Teil des charakteristischen Marmors aus Seitenberg/Stronie Śląskie aus dem Schloss beim Bau der Kathedrale in Kattowitz/Katowice und des Kulturpalastes in Warschau/Warszawa. In den 60er Jahren kam sogar jemand auf die absurde Idee, das Gebäude in die Luft zu sprengen! Die Regierung vermutete nämlich, dass sich im Schloss das Versteck der Oppositionellen befindet. Einer der Gründe, aus welchem man das Objekt nicht sprengte, ist die große Menge von Sprengstoff, die hierbei gebraucht worden wäre. 

Von 1946 bis das 1986 wurde das Schloss pausenlos zerstört und verwüstet. Dann kam unerwartet ein Hoffnungsfunken auf. Dr. Ing. Włodzimierz Sobiech wollte mit Eigenmitteln das Gebäude renovieren und später in ein Hotel umwandeln. Im Jahr 1986 nahm er das Objekt in Pacht für 35 Jahre mit der Bedingung es in der Zeit zu renovieren. Der Wissenschaftler investierte sein Geld in die Dacheindeckung, die Reinigung des Inneren des Schlosses von Schutt sowie die Fenstermontage. Nach seinem Tod im Jahr 2012 wurde das Schloss von der Gemeinde übernommen. Der Gemeindevorsteher von Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki unternahm weitere Maßnahmen, um das Objekt zu retten. 

Wie viel braucht man, um dem Schloss einen neuen Glanz zu verleihen?

“In diesem Augenblick gab man für die Revitalisierung ungefähr 20 Mio. Zloty aus. Dieses Geld kommt aus verschiedenen Geldquellen. Es sind unsere eigenen Mittel- der Gemeinde Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki, Zuwendungen vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe, wie auch von der Europäischen Union. Bis zum heutigen Tage bekamen wir zwei große Beihilfen. Die Erste, dessen Wert 5 Mio. Zloty betrug, gab uns die EU vor zwei Jahren. Zusammen mit unseren Mitteln waren es fast 7 Mio. Zloty. Dieses Geld gab man für drei große Arbeiten im Schloss aus. Wir bauten das Geländer auf der Aussichtsterrasse wieder auf, setzen neue Fenstergerähme in den inneren Höfen des Schlosses ein, und bauten das Mausoleum der Hohenzoller, das sich im Park befindet, wieder auf. Es wurde im Stil eines griechischen Tempels aus einem rosa Sandstein erbaut. Man hat sich vom Mausoleum in der Charlottenburg in Berlin inspirieren lassen. Wenn es um den Bauplan des Schlosses geht, wurde ein Arbeitszeitplan erstellt mit der Berücksichtigung verschiedener Hilfsmittel. Der Plan endet im Jahr 2031. Vorläufig legte man sich auf 11 Jahre fest. Man schätzt, dass die minimalen Kosten für den Wiederaufbau des Schlosses ungefähr 250-270 Mio. Zloty betragen werden”, kommentiert Radzik. 

 

Was erwartet die Besucher heute?

Das Objekt an sich selbst ist schon eine riesengroße Attraktion. Schließlich reden wir über den größten Bau des Endes der Romantik in Europa. Als er entstand, gab es nichts Größeres. Man hat hierbei auch viele technologische Neuheiten eingesetzt. Das Schloss war vor allem für seine Springbrunnen, die mithilfe der Gravitationskraft in Gang gebracht wurden, bekannt. Es wurde auf drei verschiedene Arten erwärmt: eine Art von Boden-, Zentralheizung und spezielle Schächte durch die warme Luft strömte. Im Schlossinneren konnte man unter anderem die Chiffonniere von Marianne bewundern, die mit wunderschönen Sentenzen in der altniederländischen Sprache, die an Bibelzitate erinnern, bestickt wurde. Bewahrt wurde auch eine Briefkollektion, Zinnsoldaten von Prinz Waldemar von Preußen, eine preußische Staatsflagge aus dem Jahr 1870, Schränke, Klaviere und Flügel. 

Im Schlosspark befanden sich einst: Kaskaden, Springbrunnen, Tränkebecken, drei Teiche, ein Jagdhaus, ein Mausoleum, ein Amphitheater, Gartenhäuschen, Wasserbecken und ein Maschinenhaus. Alle diese Objekte sind bis heute mit einem Straßennetz verbunden, das hauptsächlich aus Pflasterstein bestand. Im Park wurden mehr als 67 verschiedene Arten von Bäumen und Sträuchern gepflanzt. 

“Vor vier Jahren haben wir einen Zaun um das Schloss aufgestellt. Wir haben einen Raum von 16 ha Park und Schloss umschlossen. Auf dem Terrain wurden fast 60 Tsd. Pflanzen, Sträuße, Blumen, Wurzelstöcke, Kletterpflanzen und vieles mehr gepflanzt. Zweihundert Gattungen für den Preis von fast zwei Mio. Zloty. Es ist einer der wenigen Orte in Polen, wo man blühende Pflanzen in so einer Menge sehen kann”, erzählt Radzik. 

Man muss auch zugeben, dass Mitte des 19. Jahrhunderts der Schlossgärtner Braun zwei Apfelsorten hier gekreuzt hat: Reneta Baumanna und Aporta. Daraus kam die neue Sorte, die nach dem Schlossprinzen benannt wurde: Albrecht von Preußen. 

“Eine Tatsache, die im Prinzip alle Touristen interessiert und verblüfft, ist der Fakt, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts die Unreinheiten aus dem Schloss, die vor allem aus dem Stall kamen, dank spezieller Kanäle bis zum Hang in der Nähe des Maschinenhauses abgeleitet wurden. Damals befand sich dort eine Kläranlage. Interessant ist, dass während des Prozesses am Anfang des 19. Jahrhunderts bereits Biogas gewonnen wurde, das zur Erleuchtung der Laternen vor den Terrassen genutzt wurde. Viele Menschen sind davon verblüfft, weil die Meisten denken, dass es eine technologische Neuheit aus dem 20. oder 21. Jahrhundert sei, doch solche Lösungen funktionierten im Schloss bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts”, kommentiert Radzik. Schließlich fügt er hinzu: “Ich denke, dass das Schloss und der Park vor uns noch viele Geheimnisse verbergen. Es gibt keine Schlossdokumentation, weswegen es während der Arbeiten immer wieder zu größeren und kleineren Sensationen kommt, weil wir etwas finden, wovon wir bis jetzt keine Ahnung hatten. So war es beispielsweise bei der Teichreinigung, als wir die Stelle fanden, wo das Wasser durch eine Dampfmaschine eingesaugt wurde. Dann wurde es in Speicher gepumpt, die sich auf der höchsten Errichtung des Schlosses befanden.”

Touristen können den Ort täglich zwischen 10.00 und 17.00 Uhr besuchen (In der Hauptsaison zwischen 10.00 und 18.00 Uhr). Die Tickets kosten zwischen 15 und 25 Zloty. In der Nähe des Schlosses befinden sich auch viele andere Sehenswürdigkeiten, wie z. B. die im Jahr 1885 erbaute evangelische Kirche oder die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt. In zweiter befindet sich einer der höchsten Holzaltäre in Europa (22 m). Nicht weit entfernt liegt das Reichensteiner Gebirge und das Warthagebirge. Das alles macht Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki zu einem perfekten Ort für Wochenendausflüge, während der man schön die Freizeit verbringen und die äußerst interessante Lebensgeschichte von Marianne kennenlernen kann. Ab dem 1. Januar 2021 wird Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki offiziell zu einer Stadt ernannt, was die Chancen auf finanzielle Mittel fürs Schloss womöglich steigern kann.

Alle Angaben ohne Gewähr.

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