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Donnerstag, 01. Oktober 2020
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Kurgane in Węsiory/Wensiorry
Kurgane in Węsiory/Wensiorry

Tief in einem Wald in der Kaschubei befinden sich Steinkreise, die man als das “polnische Stonehenge” bezeichnet. Man sagt, dass sie von Außerirdischen gebaut wurden und ihre Kraft Einfluss auf das Befinden von Menschen nehmen soll. Wie viel Wahrheit steckt jedoch dahinter? Darüber spricht mit PolenJournal.de Piotr Fudziński vom Archäologischen Museum in Gdańsk/Danzig. 

Die Steinkreise befinden sich in Węsiory/Wensiorry bereits seit mehreren Jahrhunderten.  Das polnische Stonehenge weckt in den Touristen Interesse, wie auch viele Fragen. Vor allem, wie die Steinkreise und Kurgane in Wesiory/Wensiorry entstanden sind. Piotr Fudziński vom Archäologischen Museum in Gdańsk/Danzig erklärt, dass Węsiory/Wensiorry in der Zone der größten Besiedlung der Kaschubischen Seenplatte aus Zeiten der römischen Einflüsse liegt. Es war ein sehr intensiv besiedeltes Gebiet. Ähnlich wie in Odry/Odri, Grzybnica/Alt Griebnitz und Leśno, kann man an solchen Orten viele Relikte aus früheren Zeiten finden. 

“Die Steinkreise und Kurgane wurden in Węsiory/Wensiorry hauptsächlichim 2. Jahrhundert genutzt und wurden dann ziemlich schnell verlassen. Seit Anfang des 3. Jahrhunderts gibt es bereits keine Anzeichen ihrer Nutzung mehr. Ich sage das nur zum Vergleich zu dem, was man in der Literatur finden kann, nämlich, dass Wesiory/Wensiorry schneller verlassen wurde, als Odry/Odri, mit dem man den Ort oft vergleicht, weil sich an beiden Orten Steinkreise befinden. Der Gedanke von Steinkreisen selbst kommt wahrscheinlich aus Skandinavien. Wir sprechen hier hauptsächlich über das 2. Jahrhundert. Kurgane kamen hingegen in Pommern bereits zum Ende der Steinzeit vor und wurden stets mit kleinen Unterbrechungen bis zum Mittelalter gebraucht”, erklärt Fudziński. 

 

 

Außerirdische, Riesen oder Goten?

Es gibt viele Theorien über die Entstehung der Steinkreise und Kurgane in Węsiory/Wensiorry. Fantasy-Fans sind der Meinung, dass dieser Ort von Außerirdischen geschaffen wurde. Andere finden hingegen, dass es die kaschubischen Riesen - Stolemowie - waren, die man aus verschiedenen Geschichten und Legenden kennt. Fudziński betont jedoch, dass die Steinkreise und Kurgane nichts mit übernatürlichen Kräften oder magischen Wesen zu tun haben. “Es sind menschliche Erzeugnisse und grundlegend ist das klar. Solche Geschichten sind nur zeitgenössische Einflüsse, die entstanden sind, weil manche zu viel in die Anwesenheit der archäologischen Stätten im Gebiet hinein interpretieren. Zum Beispiel befinden sich auf dem Terrain der Kaschubischen Seenplatte zahlreiche frühmittelalterische Wallburgen und sehr oft, ich weiß nicht warum, werden sie als schwedische Schützengräben

bezeichnet. Das entspricht jedoch komplett nicht der Wahrheit. Mit 99-prozentiger Sicherheit kann ich sagen, dass diese Wallburgen nichts mit der Schwedischen Sintflut zu tun haben. Jedoch in der allgemeinen Überzeugung sind sie mit dem Überfall Schwedens auf Polen verbunden. In Węsiory/Wensiorry ist es genauso. Der Ort wird mit irgendwelchen Ansichten, Glauben assoziiert, womit er in Wirklichkeit nichts zu tun hat”, erklärt der Angestellte des Archäologischen Museums.

“Man nimmt an, dass die Goten auf der Kaschubischen Seenplatte am Anfang unserer Ära lebten und dass sie die Steinkreise und Kurgane erbaut haben. Wahrscheinlich kamen sie im 1. Jahrhundert aus Skandinavien und lebten eine Zeit lang in Pommern. Doch bereits zum Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrhunderts sind die Gruppen allmählich nach Südosten in Richtung Masowien, der Region um Lublin, durch Wolyn zum Schwarzen Meer weiter gesiedelt”. 

Kurgane und Steinkreise

Kurgane sind Aufschüttungen aus Erde und Steinen. In Innerem, unter ihnen und manchmal in der Ummantelung befinden sich verschiedene Arten von Gräbern. In Węsiory/Wensiorry sind es ungefähr 20 Gräber. In der Nähe der Ortschaft befinden sich auch frühere Kurgane aus der Bronzezeit. Es war ein Gebiet der intensiven Besiedlung der sogenannten kaschubischen Gruppe der Lausitzer Kultur (poln. grupa kaszubskiej kultury łużyckiej) vom Ende der Bronzezeit, in dessen Kultur die Kurgane die Hauptbegräbnisform waren.

Neben den Kurganen befinden sich in Węsiory/Wensiorry auch drei Steinkreise. Die meisten Besucher fragen sich, was sie da machen, wieso sie entstanden sind? Fudziński erklärt, dass sie wahrscheinlich die Funktion eines Treffpunktes hatten. “Auf dem Gelände der Steinkreise befinden sich fast keine Gräber und wenn sie mal vorkommen, dann sind es spätere Begräbnisse und sehr bescheiden ausgestattet. Das heißt, dass wenn diese Menschen begraben wurden, war die Bestimmung dieses Ortes bereits erloschen, und markierte das Ende der Steinkreise. Erst dann hat man diesen Ort als ein Friedhof benutzt. Doch man nimmt an, dass früher hier Stammtreffen stattgefunden haben”, kommentiert Fudziński. Heute befinden sich dort drei Kreise. Doch der Angestellte des Archäologischen Museums findet, dass es ursprünglich auch vier sein könnten. 

Viele Menschen bezeichnen diesen Ort als das polnische Stonehenge. Es stellte sich jedoch heraus, dass Węsiory/Wensiorry und Stonehenge sehr wenig gemeinsam haben. Das englische Denkmal ist viel älter als die polnischen Steinkreise und es erfüllte auch eine andere Funktion. Fudziński ist der Meinung, dass solche Vergleiche oft ein falsches Bild von Orten in Menschen wecken. Die Touristen finden dann, dass das Denkmal aus derselben Zeit kommt, von denselben Personen erschaffen wurde und dieselbe Funktion hat, was natürlich nicht wahr ist. 


Steinkreise in Węsiory/Wensiorry

Energiewirbel

Im Internet kann man viele Posts finden, in denen Menschen besagen, dass dieser Ort eine außergewöhnliche Energie ausstrahlt. Besucher der Steinkreise finden, dass sie eine sie überwältigende Ruhe fühlten. Wenn man sich in die richtige Richtung in den Kreisen legt, kann man angeblich die Chakren im Körper öffnen und von schlechter Energie reinigen. Man sagt auch, dass nicht alle den dritten Steinkreis betreten dürfen. Wegen starker, mutmaßlicher Energiewirbel kann der Einfluss auf den menschlichen Körper sowohl positive, als auch negative Folgen nehmen. Es fehlt auch nicht an Menschen, die glauben, dass dieser Ort sie geheilt hat. Besucher, die mit dem Auto hinfahren und die Steinkreise betreten, sollen sich eine Stunde ausruhen. Die starke Wirkung der Steinkreise auf den menschlichen Verstand, schafft nämlich ein angebliches Risiko eines Autounfalls. 

Vor Ort kann man auch Warnungen vorfinden, die den Menschen verbieten, Steine oder andere Sachen von den Kreisen und Kurganen mit nach Hause zu nehmen. Das soll viel Leiden dem Dieb, wie auch seinem Bekanntenkreis, bringen. Doch kann das Mitnehmen von einem kleinen Souvenir von diesem Ort (z. B. ein Stein) negative Folgen haben? Piotr Fudziński eilt mit einer eindeutigen Antwort - “Selbstverständlich, in Form eines Besuches der Strafverfolgungsbehörden.” Man sollte beachten, dass das Gräberfeld in Wesiory/Wensiorry Teil des Kaschubischen Landschaftsschutzparks ist. 

Die beruhigende Wirkung, an die so viele glauben, muss hingegen nichts mit übernatürlichen Phänomenen zu tun haben. Die Umgebung selbst, der grüne Wald, die vorherrschende Ruhe und der wunderschöne See können bei den Besuchern positive Emotionen auslösen. Man kann auf jeden Fall feststellen, dass es ein idealer Ort ist, um sich auszuruhen und zu entspannen.  

Was befand sich in den Gräbern?

“Sofern Odry/Odri, die mit Wesiory/Wensiorry verglichen werden, bereits im 19. Jahrhundert bekannt war, blieb Węsiory/Wensiory wegen der Lage sehr lange unbekannt. Man entdeckte diesen Ort im Jahr 1938, doch interessierte sich dafür erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1946 wollte der erste Woiwodschaftsdenkmalschützer für Archäologie, der verdiente Forscher, Jerzy Antoniewicz etwas unternehmen. Doch viel wurde daraus nicht. Man versuchte das Gelände, wo sich die Kurgane befanden, von einem Bauern zu kaufen, doch der wollte es nicht verkaufen. Doch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde bekannt, dass die örtlichen Einwohner angefangen haben, die Steine von den Kurganen zu stibitzen. Das löste die Intervention des Woiwodschaftsdenkmalschutzes für Archäologie, Jerzy Kmieciński im Jahr 1954 aus.

Zu dieser Zeit hat man Geld für Untersuchungen gefunden und es begann eine ganze Serie von Forschungen, Jahr für Jahr bis zum Anfang der 60er Jahre. Auch in den 90er Jahren fanden Untersuchungen statt. Es wurden Forschungssaisons durchgeführt, die letzte fand im Jahr 2000 statt. Alle wurden von der Universität Łódź organisiert”, erklärt Fudziński. Im Rahmen der Untersuchungen fand man viele Skelettund Verbrennungsgräber (ganze 110!), untersuchte das Gelände um die Steinkreise und Kurgane und den flachen Teil des Gräberfeldes. Man fand viele Gegenstände, die mit den Verstorbenen begraben wurden. Es waren keine Waffen oder Werkzeuge, sondern eher typische Frauengegenstände, vor allem verschiedener Schmuck, wie Spangen, Armbänder oder Gürtelelemente. 

Nach den Ausgrabungsuntersuchungen wurde ein Teil der Kurgane rekonstruiert. Man sollte jedoch betonen,  dass alle Steine wieder an ihren Platz zurückgebracht worden sind. Die Originale bildeten nie die Ausstellung des Museums. “Die Steine von den Steinkreisen wurden aus offensichtlichen Gründen nie bewegt. Man hat Ausgrabungen durchgeführt, doch in einer Art und Weise, um sie nicht zu berühren. Generell stehen sie so, wie sie ursprünglich aufgestellt wurden”, kommentiert Fudziński.

Trotz zahlreicher Untersuchungen, wurde dieser Ort vor allem nicht dank der historischen Vorteile bekannt, sondern eher wegen der Legenden und der angeblichen Kraft der Steine. Die Touristen zieht das Geheimnisvolle und Unbekannte an, leider sind nur wenige an Fakten interessiert. Dieser Ort hat jedoch viel mehr anzubieten, als den Namen “das polnische Stonehenge”. “Ich finde, dass es eine tolle Gelegenheit ist, mit sichtbaren Relikten der alten Zivilisationen umzugehen. Es ist etwas, was man sich nicht vorstellen muss”, findet Piotr Fudziński. Die Vergangenheit erschafft sehr oft viel interessantere Geschichten, als wir uns ausdenken können. Um sie kennenzulernen, braucht es nur ein wenig an Interesse. 

Alle Angaben ohne Gewähr.

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