Die kaschubischen Steinkreise

Tief in einem Wald in der Kaschubei befinden sich Steinkreise, die man als das “polnische Stonehenge” bezeichnet. Man sagt, dass sie von Außerirdischen gebaut wurden und ihre Kraft Einfluss auf das Befinden von Menschen nehmen soll. Wie viel Wahrheit steckt jedoch dahinter? Darüber spricht mit PolenJournal.de Piotr Fudziński vom Archäologischen Museum in Gdańsk/Danzig. 

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Samstag, 06. Juni 2020
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Foto: ZVG. Muzeum Miasta Zgierza
Foto: ZVG. Muzeum Miasta Zgierza

In der Woiwodschaft Lodz befindet sich eine Stadt, die einst ein großes Weberzentrum war. Nicht nur Weber aus Polen, sondern auch aus Deutschland waren einst in Zgierz zu Hause. Im Laufe der Zeit hat sich viel verändert. An die alten Zeiten erinnern jedoch immer noch wunderschöne Weberhäuser.

Deutscher Wollstoff wurde schon immer sehr geschätzt, doch nach den Napoleonischen Kriegen kamen die Gewebe aus modernen britischen Fabriken nach Westeuropa. Dadurch kam es leider zur Verarmung der deutschen, schlesischen und tschechischen Weber. Für das Königreich Polen, das unter der Regierung des russischen Zaren stand kamen schwere Zeiten, denn das Königreich hatte keine Industrie. Diese Situation verbesserte sich dank der Erlassung von zwei Dokumenten, die der Vorsitzender der Woiwodschaftskommission des Königreiches Masowien, Rajmund Rebliński, ausgestellt hat. 1820 teilte er der Stadt Zgierz Siedlungsrechte zu und ein Jahr später schickte er einen Brief an den Regierungsausschuss für Inneres und Justiz, um u. a. in Zgierz eine Tuchmachersiedlung zu gründen. Aus diesem Grund wurde der Zgierzer Vertrag ausgehandelt. “In diesem Vertrag wurde beschlossen, dass die neuen Ansiedler, nachdem sie einen Eid der Treue ablegen, die Rechte der Bürger des Königreichs Polen erwerben. Jeder bekam ein Grundstück für ein neues Haus und einen Garten”, erklärt der Direktor des Museums der Stadt Zgierz, Robert Starzyński. Die Ansiedler erhielten nicht nur Rechte und Privilegien. Sie mussten auch der Pflicht nachgehen, eine Tuchmacherzunft zu gründen. Dadurch kam ein großer Andrang von Handwerkern, besonders aus Deutschland, in die Stadt. Zgierz entwickelte sich rasant und in den neuen Häusern hat man nicht nur gewohnt, sondern auch fleißig gearbeitet, denn dort befanden sich Werkstätte. Das folgte aus dem Heimarbeitssystem. In der Stadt wurden auch neben den Häusern die ersten Manufakturen gegründet. Im Jahr 1825 gab es in Zgierz insgesamt 427 Weberwerkstätte.

Ab 1829 wurde die Stadt immer industrieller, was vor allem auf das Erhalten der Rechte einer Woiwodschaftshauptstadt zurückzuführen ist. Produziert wurden hauptsächlich Garne und Wollstoffe, die man später nicht auf dem lokalen Markt, sondern vor allem in Russland und China verkaufte. “Die Produktion wurde von Zunftverbänden organisiert – Webern, Tuchmachern und Färbern. Es gab aber auch andere Zünfte. Ihre Anzahl variierte ständig und hing von der Anzahl der Handwerker eines bestimmten Berufes ab”, erklärt Robert Starzyński.

 

 

Die Weberhäuser in Zgierz

Wer war eigentlich ein Weber? Das war ein Arbeiter in der Textilindustrie, der Stoffe hergestellt hat. Dazu benötigte er entsprechendes Werkzeug und eine Werkstatt, die sich meistens in seinem Haus befand. Ein charakteristisches Markenzeichen der goldenen Zeiten von Zgierz sind die Weberhäuser, die von Stadtplanern und Architekten aus Warszawa/Warschau geplant wurden. Sie verbanden Elemente traditioneller polnischer Baukunst, die typisch für die Höfe und Holzschlösser waren, mit den preußischen Gestaltungsrichtlinien. Diese Kombination führte dazu, dass die Häuser komfortabel und praktisch eingerichtet waren. Den Wohnbereich und die Werkstätten konnte man hervorragend durch einen Flur und einen nutzbaren Dachboden abtrennen. “Ein typisches Weberhaus in Zgierz, war ein auf einem Steinfundament errichtetes Holzgebäude in einer Ständerbohlenkonstruktion und mit einem Krüppelwalmdach bedeckt. Meistens waren die Häuser zwischen 16 und 19 Meter lang, von 10 bis 16 m breit und von 6,5 bis 7 m hoch”, skizziert Robert Starzyński. Der Flur teilte das Gebäude in zwei Bereiche. Die sich dort befindende Treppe führte auf den Dachboden, wo sich Wohnräume und Garnlager befanden. In dem unteren Teil des Hauses gab es sowohl Wohnräume als auch eine Werkstatt. Alles war so geplant, damit das Gebäude praktisch und nützlich ist. 

Damit die Häuser nicht nur eine praktische Funktion hatten, sondern auch stillvoll aussahen, wurden die Fassaden mit zahlreichen Details verziert. Charakteristisch waren vor allem die profilierten Gesimse, die man unter die Dachkante platzierte. Aus Liebe zum Detail wurden auch die Fassaden verschalt, damit sie gemauerten Häusern ähneln. So wirkte das Äußere Erscheinungsbild abwechslungsreicher und anspruchsvoller. Die großen Haustüren waren mit Karo und Rosetten geschmückt. Bei Zierbeschlägen wurden wiederum vor allem Pflanzen- und Tiermotive in Form von Blättern, Pferdeköpfen oder Fischen verwendet.

Museum der Stadt Zgierz

In dem wunderschönen “Haus unter den Löwen” (poln. Dom pod lwami) befindet sich jetzt das Museum der Stadt Zgierz. Früher hatte das Gebäude entweder eine Wohnfunktion oder wahrscheinlich befand sich hier die Werkstatt von Carl Müller, der ein Zunftmeister der Stoffschneider war. Im Museum befinden sich Ausstellungsstücke und Archivdokumente aus der Zeit, als die Weberei in Zgierz noch ihre Blütezeit erlebte. Dank der Ausstellung zur Geschichte von Zgierz können Besucher nicht nur die alte Weberstadt kennenlernen, sondern auch u. a. eine Zunftkiste der Weberzunft aus dem Jahr 1837 bewundern, die im Biedermeier Stil hergestellt wurde. Auf der Vorderseite befindet sich das Zunftwappen und auf der Innenseite des Deckels wurden Namen der Zunftmeister graviert. Innen befindet sich ein Versteck für Wertsachen und Kostbarkeiten. Auf dem Zunftwappen sind zwei Löwen in einem Band abgebildet, die drei Weberschiffchen halten. Das Wappen schmückt eine Krone mit einem Kreuz.

Den zentralen Punkt der Ausstellung bildet ein großes multimediales Modell, das die Stadt ab Mitte des 19. Jahrhundert darstellt. Es zeigt Zgierz auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. Das Model basiert auf Karten, Plänen und Quelldokumenten von Zgierz aus dem Jahr 1850. Das Gebäude, in dem sich das Museum befindet, ist eines der bereits erwähnten Weberhäuser. Leider sind von den 300 Häusern aus dem 19. Jahrhundert nur noch weniger als 100 geblieben. Wieso? Technische Abnutzung und fehlende Konservierungs- und Reparaturarbeiten wirken sich negativ auf den Zustand der Häuser aus.


Foto: ZVG. Muzeum Miasta Zgierza

Wohnen in der Stadt noch Weber?

Die goldenen Zeiten der Weberstadt Zgierz sind schon längst vorbei. Heute gibt es hier kein Weberhandwerk mehr. 2003 wurde der Kulturpark der Weberstadt gegründet. Er sorgt dafür, dass diese Tradition nicht vergessen und am Leben erhalten wird. Die Bewohner von Zgierz werden nun ermuntert, diese Tätigkeit in Form eines Hobbys wieder aufzunehmen. In dem Kulturpark der Weberstadt befinden sich einige Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Der Park ist 500 Meter lang und umfasst die Narutowicz-Straße und die Rembowski-Straße. Die Weberhäuser wurden so eingerichtet, dass jeder Tourist sie besuchen kann. Die Türen für Gäste öffnen u. a. das Holzschutzzentrum, das sich mit der Restaurierung von Möbeln und Holzgegenständen beschäftigt, die Kunstgalerie mit Werken von lokalen Künstlern, das Hostel FOLKier und das Cafe&Bistro u Tkaczy, das von dem Verein der geistig Behinderten KOLO Zgierz geführt wird. Touristen kommen gerne nach Zgierz, um den Kulturpark der Weberstadt und das Museum, in dem sich 5000 Exponate befinden, die die Geschichte der Stadt erzählen, zu besuchen. Interessant ist, dass viele ausländische Gäste hier nach den Spuren ihrer Vorfahren suchen.

Von den goldenen Zeiten sind heute zwar nur Andenken geblieben, doch das Flair der alten Weberstadt ist immer noch dank Einrichtungen, wie dem Stadtmuseum Zgierz, lebendig. So lohnt es sich auch die Weberzeiten in Zgierz auf eigene Faust zu erleben. Diese Hinterlassenschaft ist ein wichtiger Teil der Geschichte, an den sich nur wenige Menschen erinnern.

Alle Angaben ohne Gewähr.

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