Das polnische Statistikamt (GUS) veröffentlichte im Februar 2026 aktuelle Daten zur Lohnverteilung in der polnischen Wirtschaft. Die Zahlen beziehen sich auf August 2025.
Demnach lag das durchschnittliche Bruttogehalt in Polen bei 8.827,87 Zloty. Für internationale Vergleiche gilt jedoch eine andere Kennzahl als aussagekräftiger: der Medianlohn.
Der Median des Bruttogehalts betrug 7.280 Zloty. Das bedeutet: Die Hälfte der Beschäftigten erhielt höchstens diesen Betrag, die andere Hälfte mindestens diesen Betrag. Der Median gilt als realistischer Indikator, weil er extreme Ausreißer nach oben oder unten ausblendet.
Im Zeitraum von August 2024 bis August 2025 stieg dieser Medianlohn um 8,7 Prozent. Dennoch bleiben die Einkommen deutlich niedriger als in Westeuropa.
Deutschland: Selbst strukturschwache Regionen liegen klar vorn
Ein Vergleich mit Deutschland verdeutlicht den Abstand. Laut einem Bericht liegt der jährliche Medianlohn in Deutschland bei 53.900 Euro. Das entspricht monatlich etwas mehr als 4.490 Euro, also rund 19.000 Zloty.
Damit verdienen Beschäftigte in Deutschland im Median fast 2,6-mal so viel wie in Polen.
Selbst wirtschaftlich schwächere ostdeutsche Bundesländer übertreffen das polnische Niveau deutlich. In Mecklenburg-Vorpommern, dem einkommensschwächsten Bundesland, liegt das monatliche Einkommen umgerechnet bei rund 16.790 Zloty.
Polen holt auf: Konsum und Kaufkraft entwickeln sich dynamisch
Nicht alle Kennzahlen fallen für Polen negativ aus. Eurostat vergleicht die EU-Mitgliedstaaten unter anderem anhand des sogenannten tatsächlichen Individualkonsums. Dieser Indikator gilt als besonders geeignet, um den materiellen Wohlstand privater Haushalte abzubilden. Er berücksichtigt alle Güter und Dienstleistungen, die Bürger nutzen – unabhängig davon, ob sie diese selbst bezahlen oder der Staat die Kosten übernimmt.
Im Jahr 2014 lag Polen bei 76 Prozent des EU-Durchschnitts. Bis 2024 stieg dieser Wert auf 85 Prozent. Deutschland verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 126 auf 119 Prozent des EU-Durchschnitts. Der Abstand zwischen beiden Ländern verringerte sich damit innerhalb eines Jahrzehnts von 50 auf 34 Prozentpunkte.
Dynamische Lohnentwicklung: Polen wächst schneller
Auch beim jährlichen, kaufkraftbereinigten Bruttoverdienst von Vollzeitbeschäftigten zeigt sich eine dynamische Entwicklung. Laut Eurostat stieg dieser Wert in Polen zwischen 2022 und 2024 von 15.488 auf 21.246 Euro. Das entspricht einem Plus von 37,2 Prozent innerhalb von zwei Jahren.
In Deutschland erhöhte sich der entsprechende Wert im gleichen Zeitraum von 47.725 auf 53.791 Euro, was einem Anstieg von 12,7 Prozent entspricht.
Damit verbesserte sich das polnische Lohnniveau im Verhältnis zu Deutschland deutlich. Während polnische Einkommen zuvor 32,4 Prozent des deutschen Niveaus erreichten, waren es nach zwei Jahren bereits 39,5 Prozent.
Der Abstand bleibt groß – doch das Rennen läuft
Deutschland zahlt weiterhin deutlich höhere Löhne als Polen. Der Medianlohn liegt fast zweieinhalbmal so hoch. Dennoch entwickelt sich Polen dynamisch. Die Einkommen steigen schneller als in Deutschland. Gleichzeitig nähert sich auch der Konsum dem EU-Durchschnitt an.
Der wirtschaftliche Abstand bleibt erheblich. Doch die Zahlen zeigen: Polen holt Schritt für Schritt auf.
Quelle: polsatnews
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