Polen und Deutschland treiben den Aufbau eines Netzes für eine Hochgeschwindigkeitsbahn voran. Der polnische Verkehrsminister Dariusz Klimczak und der deutsche Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder unterzeichneten am Montag, 16. Februar, in Warszawa / Warschau eine entsprechende Vereinbarung.
Klimczak bezeichnete das Dokument als historisch. Er betonte, dass “beide Länder erstmals gemeinsam über die Entwicklung einer Hochgeschwindigkeitsbahn sprechen. Auf dieser Grundlage soll der Bau eines der modernsten Netze Europas vorbereitet werden. Die Hochgeschwindigkeitsbahn gilt zudem als Priorität der Europäischen Kommission”.
Konkrete Analysen statt Absichtserklärungen
Beide Regierungen leiten nun konkrete Analysen und Studien ein. Diese betreffen nicht nur die Strecke Warszawa / Warschau–Berlin. Geprüft werden auch die Verbindungen Warszawa / Warschau – Wrocław / Breslau – Leipzig – Frankfurt am Main sowie Warszawa / Warschau – Wrocław / Breslau – Prag – München.
Die Untersuchungen sollen klären, welche Route das größte Potenzial bietet und wo Investitionen am sinnvollsten sind. Einen Zeitplan für die Umsetzung nannten die Minister nicht. Sie erklärten, belastbare Entscheidungen erst nach Abschluss fundierter Analysen zu treffen.
„Wendepunkt“ in der Zusammenarbeit
Schnieder sprach von einem Wendepunkt in den deutsch-polnischen Beziehungen. Deutschland und Polen läuteten eine neue Ära der Mobilität ein. Hochgeschwindigkeitszüge würden das Reisen in Mitteleuropa grundlegend verändern.
Beide Seiten wollen das Potenzial eines geplanten Schnellbahnnetzes umfassend prüfen. Ziel ist es, die Bahn zur „Wirbelsäule Mitteleuropas“ zu machen. Kurz- und mittelfristig sollen die Kapazitäten zwischen beiden Ländern steigen. Geplant sind mehr Verbindungen auf der Strecke Warszawa / Warschau–Berlin, über Wrocław / Breslau sowie über Gdańsk / Danzig und Szczecin / Stettin. Die Zahl der Züge soll erhöht, ein regelmäßiger Takt eingeführt und die Reisezeit deutlich verkürzt werden.
Mobilität, Wirtschaft und Sicherheit im Fokus
Die Minister betonten die strategische Bedeutung moderner, leistungsfähiger Infrastruktur. Grenzüberschreitende, konfliktfreie Verbindungen stärken die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Regionen. Gleichzeitig erhöhen sie die Resilienz in Krisenzeiten.
Schnieder hob hervor, dass die Modernisierung auch sicherheitspolitische Aspekte berücksichtige. In Zeiten globaler Krisen sei das Schienennetz ein Sicherheitsfaktor. Die Infrastruktur solle daher auch für militärische Aufgaben vorbereitet werden. Beide Ministerien richteten eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein, welche die Kooperation überwachen soll.
Verzögerungen durch Bauarbeiten in Deutschland
Schnieder räumte ein, dass zahlreiche Verspätungen im grenzüberschreitenden Bahnverkehr auf Bauarbeiten in Deutschland zurückzuführen seien. Besonders im grenznahen Raum bestehe Nachholbedarf. Nach Abschluss der Modernisierungsmaßnahmen werde sich die Lage verbessern.
Politischer Hintergrund und steigende Fahrgastzahlen
Die Modernisierung der Bahnverbindungen war bereits Thema der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen am 1. Dezember 2025 in Berlin. In der Abschlusserklärung kündigten beide Seiten den Ausbau grenzüberschreitender Verbindungen an. Zudem beschlossen sie, die Möglichkeit einer Hochgeschwindigkeitsstrecke Warszawa / Warschau – Berlin zu analysieren. Diese gilt als wichtig für zivile Mobilität, wirtschaftliche Entwicklung und Verteidigung.
Im Jahr 2025 nutzten mehr als 1,2 Millionen Fahrgäste die Bahnverbindungen zwischen Polen und Deutschland. Die nun unterzeichnete Vereinbarung soll die Anbindung zwischen beiden Staaten spürbar verbessern.
Quelle: gazeta
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