Eine Entscheidung rund um eines der bekanntesten polnischen Technologie- und Logistikunternehmen könnte weit über den nationalen Markt hinaus wirken. Im Hintergrund stehen globale Konzerne, Expansionspläne und die Frage nach der Rolle Polens im europäischen E-Commerce. Der Paketautomaten-Betreiber InPost erhält neue Eigentümer.
Nach Unternehmensangaben nutzen in Polen bis zu 19 Millionen Menschen die InPost-Automaten. Die Transaktion wirft daher die Frage auf, ob und wie sich der Verkauf für Kundinnen und Kunden bemerkbar macht. Ein Punkt gilt als sicher: Große Preiserhöhungen sind vorerst nicht geplant.
Konsortium übernimmt InPost
Über einen möglichen Verkauf wurde seit Langem spekuliert. Nun ist es Realität. InPost wird von einem Konsortium bestehend aus Advent International, FedEx, A&R Investments und PPF übernommen.
Trotz des Eigentümerwechsels soll der polnische Charakter des Unternehmens erhalten bleiben. Laut Mitteilung bewahrt InPost seine operative Unabhängigkeit, die Marke sowie das bestehende Geschäftsmodell. Schlüsselpersonen bleiben im Amt, darunter Gründer Rafał Brzoska. Der Hauptsitz verbleibt weiterhin in Polen.
Für Kunden zunächst kaum Veränderungen
Für Kundinnen und Kunden dürfte sich zunächst wenig ändern. InPost agiert seit Jahren international. Das Unternehmen ist weiterhin an der Börse in Amsterdam notiert. Eine wichtige Rolle spielte zuletzt auch die tschechische Investorin Renáta Kellnerová.
Auf Fragen zu konkreten Auswirkungen verweist das Unternehmen auf die Pressemitteilung. Dort ist von weiterer Expansion und dem Ausbau des Paketautomaten-Netzes die Rede. Da die meisten Mitglieder des Konsortiums aus der Finanzbranche stammen, wird kein unmittelbarer Einfluss auf den Wettbewerb erwartet. Eine marktbeherrschende Stellung gilt derzeit als unwahrscheinlich.
Keine Prüfung durch die Wettbewerbsbehörde
Aktuell liegt der Deal nicht zur Prüfung bei der polnischen Wettbewerbsbehörde UOKiK. Die Behörde erklärte, dass bisher keine Anmeldung eingegangen sei. Nach einer möglichen Meldung werde die Auswirkung auf den Wettbewerb geprüft.
Besonders relevant ist die Beteiligung von FedEx. Der US-Konzern gehört zu den weltweit größten Paket- und Logistikanbietern. In Polen ist FedEx bisher vergleichsweise wenig präsent.
FedEx und die Paketautomaten
Es gilt als wahrscheinlich, dass FedEx den Einstieg nutzt, um seine Marktposition in Polen und Europa auszubauen. Die Vereinbarung sieht eine Verbindung des globalen FedEx-Netzwerks mit rund drei Millionen Geschäftskunden und 225 Millionen Empfängern weltweit mit dem InPost-Paketautomaten-Netz vor.
Branchenexperten sehen darin ein mögliches Risiko für etablierte Anbieter. Die Kombination aus interkontinentaler Reichweite von FedEx und der kostengünstigen ersten und letzten Meile von InPost könnte den Wettbewerbsdruck erhöhen. Besonders betroffen wären große Anbieter wie DHL, vor allem in Märkten wie Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland.
Fokus nicht auf dem polnischen Markt
Vertreter der Logistikbranche betonen, dass der Deal nicht primär auf Polen abzielt. InPost ist bereits in neun Ländern aktiv. Das Unternehmen betreibt rund 95.000 Automaten, darunter etwa 61.000 Paketautomaten und 33.000 weitere Geräte.
Ein zentraler Wachstumsmarkt ist Großbritannien. Gleichzeitig zeigte InPost Interesse an außereuropäischen Märkten. Frühere Versuche in Kanada oder Kolumbien blieben begrenzt erfolgreich. Mit den neuen Eigentümern steigen jedoch die finanziellen und operativen Möglichkeiten.
Wird InPost ein globaler Akteur?
Branchenkenner halten es für möglich, dass InPost langfristig zu einem globalen Logistikakteur wird. Polen könnte dabei zum Zentrum einer europaweiten Paketautomaten-Strategie werden.
Die Lösungen des Unternehmens sind in mehreren Ländern beliebt und lassen sich vergleichsweise leicht skalieren. Das könnte der polnischen Wirtschaft zugutekommen. Internationale Logistiklösungen könnten weiterhin in Polen entwickelt werden. Bislang verfügt das Land über nur wenige weltweit bekannte Konzerne.
Wettbewerb und Preise bleiben vorerst stabil
Ein mögliches Risiko für Kundinnen und Kunden wäre eine zu starke Marktkonzentration. Derzeit gilt dieses Szenario jedoch als fern. Der polnische Kurier- und Logistikmarkt ist stark umkämpft. Das hält die Preise auf einem moderaten Niveau.
In Polen existieren derzeit über 60.000 Paketautomaten. Rund 27.000 davon gehören zu InPost. Auch andere Anbieter bauen ihre Netze aus, darunter DHL, Orlen und Allegro.
Paketautomaten auch in Deutschland im Fokus
InPost ist nicht das einzige polnische Unternehmen mit internationalen Ambitionen. Der Energiekonzern Orlen installiert ebenfalls Paketautomaten im Ausland. Nach Angaben des Unternehmens sind an über 200 Orlen-Tankstellen in Deutschland bereits Automaten in Betrieb.
Kurzfristig müssen Kundinnen und Kunden von InPost keine deutlichen Preissteigerungen erwarten. Ein konkreter Vorteil der internationalen Expansion könnte jedoch der einfachere und günstigere Paketversand aus Polen in Länder wie Großbritannien oder Spanien sein.
Quelle: BI
Foto: InPost / Pressematerialien
