Polen ist das am häufigsten genannte Investitionsziel deutscher Unternehmen in Mittel- und Osteuropa. Das zeigt die Studie „German-Central and Eastern European Business Outlook 2026“, erstellt von KPMG in Deutschland und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.
56 Prozent der befragten Firmen nennen Polen als Standort für Investitionen. Das ist ein Anstieg um 11 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und zugleich der höchste Wert in der Region. Auf Platz zwei folgt die Ukraine mit 43 Prozent.
Trotz des Krieges zeigen sich Unternehmen investitionsbereit: 19 Prozent wollen auch unter diesen Bedingungen investieren, weitere 19 Prozent sind bereits aktiv. Rumänien und Tschechien erreichen jeweils 35 Prozent und teilen sich den dritten Platz.
Region gewinnt strategisch an Bedeutung
Mittel- und Osteuropa rückt stärker in den Fokus deutscher Unternehmen. 63 Prozent erwarten, dass die Region in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnt. 55 Prozent planen in diesem Zeitraum konkrete Investitionen, während 32 Prozent Projekte mit einem Volumen von über 5 Millionen Euro umsetzen wollen.
Die wichtigsten Investitionsfelder sind Dienstleistungen (31 Prozent) und der Ausbau von Produktionskapazitäten (29 Prozent). 22 Prozent der Firmen planen zudem, ihre Export- und Vertriebsstrukturen zu stärken.
Gleichzeitig prüfen viele Unternehmen eine Verlagerung der Produktion aus Deutschland. 26 Prozent erwägen diesen Schritt. Hauptgründe sind steigende Lohnkosten, Fachkräftemangel und strukturelle Herausforderungen am Standort Deutschland.
Wachstum, Innovation und neue Märkte
Die Region überzeugt mit rund 155 Millionen Einwohnern, wachsender Kaufkraft und einer prognostizierten Wirtschaftsleistung von etwa 2,9 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig entwickelt sich Mittel- und Osteuropa zunehmend zu einem Innovationsstandort.
Unternehmen setzen vor allem auf künstliche Intelligenz und Automatisierung (38 Prozent), digitale Infrastruktur (23 Prozent) sowie den Verteidigungssektor (20 Prozent). Als besonders attraktive Absatzmärkte gelten erneuerbare Energien (45 Prozent), Elektromobilität und Batterietechnologien (40 Prozent) sowie die Rohstoffverarbeitung (36 Prozent).
Mit der steigenden Attraktivität wächst auch der Wettbewerb. 16 Prozent der Unternehmen sehen eine zunehmende Konkurrenz durch Firmen aus China, die ihre Aktivitäten in der Region ausbauen.
Rekordhandel und positive Geschäftsaussichten
Der Handel zwischen Deutschland und den Ländern Mittel- und Osteuropas erreichte 2025 ein Rekordniveau von 529,3 Milliarden Euro. Damit liegt er über dem gesamten Handelsvolumen Deutschlands mit den USA und China zusammen.
Die aktuelle Geschäftslage bewerten 47 Prozent der Unternehmen als gut oder sehr gut, 39 Prozent als stabil. Für die kommenden fünf Jahre erwarten 75 Prozent eine Verbesserung der Rahmenbedingungen.
Die Beschäftigungspläne bleiben moderat positiv. 56 Prozent der Firmen wollen die Mitarbeiterzahl konstant halten, 23 Prozent planen Neueinstellungen. Langfristig rechnen 61 Prozent mit zusätzlichem Beschäftigungsaufbau. Gleichzeitig gewinnen Shared-Service-Zentren und Business-Process-Outsourcing weiter an Bedeutung. 74 Prozent der Unternehmen sehen diese Modelle als zentral für ihre Aktivitäten in der Region.
Die Studie basiert auf einer Befragung von 115 Unternehmen. Sie wurde zwischen November 2025 und Januar 2026 durchgeführt und umfasst 20 Länder Mittel- und Osteuropas.
Quelle: bankier
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