RegioJet will nach Polen zurückkehren

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Das tschechische Bahnunternehmen plant unter anderem Verbindungen von Polen nach Kroatien und in die österreichischen Alpen.

Trotz des Misserfolgs bei der im vergangenen Jahr angekündigten Expansion auf innerpolnischen Strecken will der tschechische private Bahnbetreiber RegioJet seine Aktivitäten auf dem polnischen Markt ausweiten. Diesmal geht es jedoch um internationale Verbindungen. Derzeit fährt RegioJet bereits von Polen nach Prag: von Warschau/Warszawa und Przemyśl aus. Nun will das Unternehmen seine Reise fortsetzen und plant die Einführung von vier kommerziellen internationalen Verbindungen.

Nach Angaben des polnischen Eisenbahnverkehrsamtes (Urząd Transportu Kolejowego, UTK) handelt es sich um folgende Strecken: Warszawa Wschodnia – Sankt Anton am Arlberg (Tirol) – Warszawa Wschodnia, Katowice – Rijeka – Katowice, Warszawa Wschodnia – Praha Zahradní Město – Warszawa Wschodnia sowie Przemyśl Główny – Wien Hbf. – Przemyśl Główny.

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Die Züge sollen ab Mitte Dezember des kommenden Jahres, also mit Beginn des Fahrplanjahres 2027/2028, verkehren. Die bei der UTK eingereichten Anträge sehen vor, dass RegioJet die Verbindungen fünf Jahre lang, bis Ende 2032, betreibt.

Tschechen wollen PKP-Intercity-Fahrgäste abwerben

Der RegioJet-Zug von Kattowitz/Katowice nach Rijeka dürfte zu einem direkten Konkurrenten der polnischen Staatsbahn PKP Intercity werden. Das Unternehmen betreibt bereits den saisonalen Adriatic Express, der sechsmal pro Woche nach Rijeka fährt.

RegioJet setzt jedoch darauf, einen eigenen Erfolg aus der Vergangenheit wiederholen zu können. Als der tschechische Anbieter vor einigen Jahren eine Nachtverbindung von Prag nach Rijeka einführte, konnten auch Reisende aus der Slowakei und Ungarn damit die kroatische Adriaküste erreichen. Der kommerzielle Erfolg dieser Verbindung übertraf die Erwartungen deutlich.

Aus dem nun bei der UTK eingereichten Antrag geht hervor, dass RegioJet im Gegensatz zum saisonalen Adriatic Express von PKP Intercity das ganze Jahr über von Polen nach Kroatien fahren will.

Auch bei der Verbindung in die österreichischen Alpen rechnen die Tschechen mit einer hohen Nachfrage. Der aktuelle Plan ist allerdings nicht neu. RegioJet hatte bereits zuvor bei der UTK einen Antrag auf Zugang zur Strecke von Warschau/Warszawa bis zum Brennerpass gestellt.

Der Zug sollte nachts abfahren und über Zell am See, Kitzbühel und Innsbruck fahren, um sein Ziel noch vor Mittag zu erreichen.

„Im Winter fliegen zwischen Warschau/Warszawa und Innsbruck Charterflugzeuge für Skiurlaube. Der Markt ist also vorhanden. Der Zug könnte eine günstigere und bequemere Alternative sein“, hatte Radim Jančura, Eigentümer von RegioJet, damals angekündigt. Letztlich entschied er sich jedoch dagegen, den Zug auf dieser Strecke einzusetzen.

Nun sieht die geplante Verbindung Warszawa/Warschau – Sankt Anton am Arlberg eine Abfahrt um 19.41 Uhr vor. Der Zug soll am folgenden Tag um 12.00 Uhr am Ziel ankommen.

Der Zug von Kattowitz/Katowice nach Rijeka würde um 14.50 Uhr abfahren und Rijeka um 7.00 Uhr am nächsten Morgen erreichen.

Auf der Strecke Warschau/Warszawa – Prag wäre die Abfahrt um 10.06 Uhr am Warschauer Hauptbahnhof vorgesehen. Prag würde der Zug um 18.19 Uhr erreichen.

Auf der Verbindung Przemyśl – Wien soll die Abfahrt um 10.20 Uhr erfolgen. Die Ankunft in der österreichischen Hauptstadt ist für 17.55 Uhr geplant.

Der polnische Markt ist nicht gerade zugänglich

RegioJet wird in Polen derzeit mit gemischten Gefühlen betrachtet. Das Unternehmen hatte angekündigt, im Jahr 2026 rund 1,5 Millionen Fahrgäste in Polen zu befördern. Außerdem wollte es ab dem Fahrplanwechsel 2025/26 zunächst zehn Zugpaare anbieten und die Zahl später weiter erhöhen.

Noch vor Ende des vergangenen Jahres verschärften sich jedoch die Probleme des Unternehmens. Statt der angekündigten spektakulären Expansion verblieben letztlich drei Zugpaare auf der Strecke Warschau/Warszawa–Krakau/Kraków sowie eine verlängerte Verbindung nach Gdingen/Gdynia.

RegioJet strich einen erheblichen Teil der für den neuen Fahrplan geplanten Verbindungen. Als Gründe nannte das Unternehmen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Zugbegleitern und Lokführern sowie Verzögerungen beim Aufbau der technischen Infrastruktur.

Im Januar übernahm PKP Intercity die nicht genutzten Zeitfenster auf der Strecke Krakau/Kraków–Warschau/Warszawa. Anfang Mai zog sich RegioJet schließlich aus dem innerpolnischen Verkehr komplett zurück.

Als Grund für diese Entscheidung nannte das Unternehmen Behinderungen seiner Geschäftstätigkeit. Nach Ansicht von RegioJet gingen diese sowohl vom Konkurrenten PKP Intercity als auch vom Infrastrukturbetreiber Polskie Linie Kolejowe (PKP PLK) aus.

RegioJet beklagte außerdem eine negative Medienkampagne. Das Unternehmen verwies auf die Blockade des Verkaufs eines Depots in Warschau/Warszawa, das als technische Basis für den Betreiber dienen sollte. Zudem kritisierte RegioJet die Weigerung, seine Dienstleistungen an polnischen Bahnhöfen zu bewerben.

„Ich kann die Zukunft des Unternehmens, das ich im Alter von 23 Jahren gegründet habe, nicht weiter gefährden. Ich glaube, dass wir unter günstigeren Bedingungen unsere Dienstleistungen in Polen wieder anbieten können“, sagte Jančura damals.

Gegenüber dem tschechischen Portal Euro.cz wurde er noch deutlicher: „Polen ist die Hölle. Die staatlichen Verkehrsunternehmen dort greifen uns stärker an als die Tschechischen Bahnen vor 15 Jahren“, sagte der RegioJet-Eigentümer.

Auch Leo Express fährt international ab Polen

Internationale Zugverbindungen von und nach Polen bietet neben RegioJet noch ein weiterer großer ausländischer Betreiber an: der tschechische Leo Express. Das Unternehmen bedient unter anderem die Strecke Warschau/Warszawa – Krakau/Kraków – Prag.

Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern könnten weitere ausländische Wettbewerber auf den polnischen Markt kommen. Dafür sprechen mehrere Dutzend positive Entscheidungen der UTK über den sogenannten offenen Netzzugang (Open Access) für Betreiber aus Polen und anderen EU-Staaten.

Die Schwierigkeiten beim Aufbrechen des faktischen Monopols von PKP Intercity auf dem polnischen Schienennetz könnten potenzielle Konkurrenten jedoch abschrecken.

Besonders problematisch ist die Situation, in der ein kommerzieller Betreiber gegen einen staatlich subventionierten Anbieter antritt. Dies kann unter anderem die Möglichkeit einschränken, die Fahrpreise zu senken. Gleichzeitig können dauerhaft niedrige Preise für einen privaten Betreiber ein erhebliches unternehmerisches Risiko darstellen.

Auf der anderen Seite bietet das bisher dynamische Wachstum des polnischen Bahnmarktes durchaus vielversprechende Perspektiven.

PKP wehrt sich gegen die Konkurrenz

Unterdessen macht PKP keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber der wachsenden Konkurrenz.

Darauf sollen unter anderem Schreiben eines Vorstandsmitglieds des Unternehmens an Polskie Linie Kolejowe hindeuten. Darin wird dem Infrastrukturbetreiber vorgeworfen, der Fahrplan sei zu günstig für RegioJet und schwäche dadurch die Position von PKP Intercity.

Auch regionale Bahnunternehmen haben darauf hingewiesen, dass RegioJet ihre Position gefährden könnte. Ihrer Ansicht nach könnte der tschechische Anbieter durch die Belegung von Kapazitäten auf wichtigen Hauptstrecken die Möglichkeiten der regionalen Betreiber einschränken.

Gleichzeitig kritisieren sie, dass ihre eigenen Züge gegenüber den Verbindungen von PKP Intercity häufig Vorrang einräumen müssen.

Quelle: rp

Foto: Facebook/RegioJet PL

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