In Bieszczady hat sich in den letzten Jahren ein wahres Königreich der Wisente entwickelt. Noch vor gut 10 Jahren galt die Begegnung mit diesem majestätischen Säugetier als seltenes Erlebnis, doch heute sprechen sowohl Touristen als auch Förster von einer regelrechten „Belagerung“. Wie kam es dazu, dass die Population im Karpatenvorland in einem derart atemberaubenden Tempo zunimmt?
Der König der Bieszczady erobert das Karpatenvorland. So lässt sich die Entwicklung inzwischen treffend beschreiben, denn das Wisent gehört heute zu den Tieren, denen man in der Region regelmäßig begegnet. Nach jüngsten Daten der Bestandsaufnahme, welche die Regionaldirektion der Staatlichen Forste (poln. Regionalna Dyrekcja Lasów Państwowych) in Krosno durchgeführt hat, leben im Karpatenvorland bereits mehr als 800 Wisente.
Warum wächst der Bestand so stark?
Mehrere entscheidende Faktoren greifen ineinander. Die Bieszczady sind für die Wisente zu einer Art „Gelobtem Land“ geworden, denn sie finden dort keine natürlichen Feinde, die ihre Population dauerhaft begrenzen. Zwar greifen Wölfe oder Bären gelegentlich Kälber oder geschwächte Tiere an, doch ein ausgewachsener, gesunder Wisent behauptet sich im Wald nahezu ohne ernsthafte Gegner.
Zugleich bieten weitläufige, dünn besiedelte Gebiete in Forstrevieren wie Baligród (Dort lebt die größte Wisentherde), Komańcza oder Lutowiska ideale Bedingungen. Die Tiere finden Ruhe, sie stoßen auf reichlich Nahrung, und sie können sich frei bewegen. Darüber hinaus unterstützen Förster die Herden im Winter mit Zufütterung, sie kontrollieren regelmäßig den Gesundheitszustand, und sie errichten Tränken sowie Futterstellen im gesamten Gebiet der Bieszczady. Deshalb überleben besonders viele Kälber, und deshalb wächst der Bestand Jahr für Jahr.
Auf die Besonderheit dieser Population wies unter anderem Prof. Kajetan Perzanowski hin, der die Bieszczady-Herden viele Jahre wissenschaftlich betreute. Er betonte, dass die Wisente in den Bieszczady die stärkste Population in den Karpaten bilden. Zugleich sprach er von einem großen Erfolg, weil Wisente erstmals seit mehreren Jahrhunderten wieder südlich des Gebirges leben. In dieser Region existiert die Flachland-Kaukasus-Linie (die einzige in Polen), und dank der genetischen Beimischung des Kaukasus-Wisents meistert die Art das schwierige, gebirgige Gelände besonders gut.
Beobachter unterstreichen außerdem, dass diese Tiere wild und unberechenbar auftreten. Vor allem im Winter versammeln sich die größten Herden, und dann lassen sie sich am besten beobachten.
Wann kam es zum größten „Sprung“?
Den stärksten Zuwachs verzeichnete die Region im vergangenen Jahrzehnt, insbesondere zwischen 2015 und 2024. Anfang 2012 zählten Experten in Bieszczady noch rund 250 Tiere, doch im Jahr 2026 übersteigt die Zahl bereits auf 800.
Den spektakulärsten Anstieg erlebte die Population zwischen 2019 und 2024, denn in nur fünf Jahren wuchs sie um mehr als 260 Tiere. Mehrere milde Winter folgten aufeinander, und zugleich setzte das Artenschutzprogramm konsequent wirksame Maßnahmen um. Diese Kombination beschleunigte das Wachstum deutlich.
Entsteht daraus eine reale Gefahr?
Das dynamische Wachstum bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Wissenschaftler schlagen Alarm, weil die Wälder der Bieszczady den Tieren zunehmend zu wenig Raum bieten. Ursprüngliche Planungen gingen von einer optimalen Zahl von 400 Tieren für diese Region aus, doch der aktuelle Bestand liegt inzwischen doppelt so hoch.
Immer häufiger verlassen die Wisente die Wälder und ziehen auf landwirtschaftliche Flächen, weshalb viele Bauern ihren Unmut äußern. Gleichzeitig tauchen die mächtigen Tiere vermehrt in der Nähe von Straßen auf. Dadurch steigt auch das Risiko für Autofahrer erheblich.
Im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen im Schaugehege in Muczne, wo man Tuberkulose feststellte, äußerte sich die Woiwodin des Karpatenvorlands, Teresa Kubas-Hul, im Dezember 2025 deutlich. Sie erklärte, dass die Behörden sehr schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssten, denn sie wollten die frei lebenden Wisente schützen und zugleich verhindern, dass sich eine unheilbare und äußerst gefährliche Krankheit ausbreitet.
Der Wisentbestand wächst derzeit so schnell, dass die Verantwortlichen nicht mehr in erster Linie gegen das Aussterben kämpfen, sondern vor allem ein umsichtiges Bestandsmanagement entwickeln müssen, damit die Population nicht an ihrer eigenen Dichte scheitert.
Quelle: rzeszow-news
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