In Kochczütz/Kochcice wurde in einer restaurierten historischen Brennerei ein neues Kultur-, Wissenschafts- und Begegnungszentrum eröffnet. Der sogenannte „Żółty Folwark“ verbindet Industriegeschichte, Adelsbiografie und moderne Multimedia-Inszenierung.
Industrieerbe neu interpretiert
Das Gebäude gehört zu einem Gutshofkomplex, der im Jahr 1903 von Ludwik Karol von Ballestrem errichtet wurde. Die einst verfallene Brennerei wurde zwischen 2020 und 2024 umfassend rekonstruiert und denkmalgerecht modernisiert.
Das Objekt steht im Denkmalregister und zeichnet sich durch hohe architektonische und historische Qualität aus. Träger des Projekts ist die Gemeinde Kochanowice.
Multimediale Ausstellung über die Familie von Ballestrem
Im Zentrum steht eine moderne Ausstellung zur Geschichte der Familie von Ballestrem – einer der bedeutendsten schlesischen Unternehmerdynastien.
Seit dem späten 17. Jahrhundert bis 1945 prägten sie Wirtschaft, Bildung, Religion sowie das Sozialwesen in Oberschlesien maßgeblich. Sie errichteten Bergwerke, Hüttenwerke, Arbeiterkolonien, Kirchen und Schulen.
In Kochczütz/Kochcice erwarb Franciszek Karol von Ballestrem zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund 3300 Hektar Land. Neben der Brennerei entstanden ein Sägewerk, Forsthäuser, eine Schmalspurbahn-Anbindung, sowie eine Reithalle für den Gutsbetrieb.
Die Ausstellung zeigt neben historischen Dokumenten und Alltagsgeschichten auch originale Maschinen und erklärt die industrielle Revolution in Schlesien.
Mehr als ein Museum
Żółty Folwark ist als multifunktionales Zentrum konzipiert. Zur Ausstattung gehören:
- ein kleiner Kinosaal,
- ein Café,
- ein Aussichtsturm mit verglastem Dach,
- barrierefreie Zugänge mit zwei Aufzügen.
Geplant sind zudem Workshops und Bildungsprogramme – etwa zu traditionellen Handwerkstechniken oder Unterrichtsformate im Stil einer historischen preußischen Schule.
Żółty Folwark ist nun regulär für Besucher geöffnet und dürfte sich rasch als kultureller Anziehungspunkt in Oberschlesien etablieren.
Quelle: naszemiasto
Foto: Facebook/Anna Spaleniak