Das Modernistische Zentrum von Gdingen/Gdynia gehört ab sofort zum UNESCO-Welterbe. Die Entscheidung fiel während der 48. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees im südkoreanischen Busan, wie die UNESCO mitteilte. Damit verfügt Polen nun über 18 Welterbestätten.
Feierlicher Moment für Gdingen/Gdynia
Unmittelbar nach der Abstimmung widmete Oktawia Gorzeńska, stellvertretende Bürgermeisterin von Gdingen/Gdynia, die Auszeichnung den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt.
„Diesen Moment widmen wir allen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, die dieses außergewöhnliche Erbe jeden Tag bewahren und auch für kommende Generationen schützen werden. Vielen Dank“, sagte sie nach der Entscheidung.
Im Namen der Stadt bedankte sie sich außerdem beim UNESCO-Komitee für das entgegengebrachte Vertrauen sowie bei ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) für die fachlichen Empfehlungen während des Bewerbungsverfahrens.
Besonders hob Gorzeńska hervor, dass die Anerkennung ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Stadtjubiläums erfolgt sei.
„Ihre Entscheidung ist ein wunderbares Geschenk zu unserem Jubiläum und zugleich eine Würdigung der Vision und Entschlossenheit jener Menschen, die eine der bedeutendsten modernistischen Städte Europas geschaffen haben“, erklärte sie. Gleichzeitig versicherte sie, dass sich die Stadt auch künftig für den Schutz dieses außergewöhnlichen Kulturerbes einsetzen werde.
Die Vizebürgermeisterin dankte außerdem dem Projektteam der Stadt Gdingen/Gdynia, den beteiligten Expertinnen und Experten, der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Pommern, dem polnischen Außenministerium, dem Ministerium für Kultur und Nationales Erbe sowie dem polnischen Botschafter und der Ständigen Vertretung Polens bei der UNESCO.
Auch Polens UNESCO-Botschafter würdigt die Entscheidung
Auch Mariusz Lewicki, Ständiger Vertreter Polens bei der UNESCO, begrüßte die Aufnahme in die Welterbeliste.
Er erklärte, dass mit der Entscheidung nicht nur das außergewöhnliche städtebauliche Konzept Gdingens/Gdynias gewürdigt werde. Gleichzeitig erkennt die UNESCO auch die Anstrengungen Polens nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit nach dem Ersten Weltkrieg sowie die Leistungen jener Generationen an, die Gdingen/Gdynia seit der Gründung der Stadt vor genau 100 Jahren aufgebaut und weiterentwickelt haben.
Zweiter Anlauf führte zum Erfolg
Wie die UNESCO berichtet, umfasst das eingetragene Gebiet einen rund 87,9 Hektar großen Bereich im Stadtzentrum von Gdingen/Gdynia.
Die Grenzen verlaufen unter anderem entlang der Straßen Jana z Kolna, Wójta Radtkego und Świętego Piotra im Norden, der Aleja Marszałka Piłsudskiego im Süden sowie der Eisenbahnlinie im Westen.
Für Gdynia war es bereits der zweite Versuch, den Welterbestatus zu erhalten.
Der erste Antrag wurde 2025 zur Überarbeitung zurückgestellt. Die UNESCO forderte damals unter anderem eine präzisere Definition der Pufferzone sowie die Einführung von Instrumenten zur Bewertung möglicher Auswirkungen neuer Bauprojekte auf das Kulturerbe.
Nach Einschätzung des Welterbekomitees hat die Stadt diese Anforderungen inzwischen vollständig erfüllt.
Ein einzigartiges Beispiel europäischer Moderne
In der offiziellen Beschreibung der UNESCO heißt es, dass das eingetragene Stadtzentrum die beiden wichtigsten Verkehrsachsen sowie mehrere Wohnquartiere aus der Zwischenkriegszeit umfasst. Diese spiegelten die konsequente Umsetzung modernistischer Stadtplanung in großem Maßstab wider.
Die UNESCO hebt hervor, dass das Gebiet einen geschlossenen städtebaulichen Organismus mit markanten und individuell gestalteten Bauwerken bildet.
Zusammen mit den Villen auf dem Hügel Kamienna Góra dokumentiert das Stadtzentrum den radikalen Bruch mit historistischen Baustilen und verdeutlicht die Umwandlung des ehemaligen Fischerdorfes Gdynia in das neue „Tor Polens zur Welt“ während der Zwischenkriegszeit.
Keine zusätzlichen Auflagen für Eigentümer
Wie die stellvertretende Bürgermeisterin bereits vor der Abstimmung betonte, führt der UNESCO-Status nicht automatisch zu neuen Einschränkungen für Eigentümer von Immobilien innerhalb des geschützten Gebiets.
Sie erinnerte daran, dass das Areal bereits seit rund 20 Jahren durch kommunale Bebauungspläne unter Denkmalschutz steht.
Auch zusätzliche finanzielle Mittel sind mit der Aufnahme in die Welterbeliste nicht automatisch verbunden.
Polen zählt nun 18 UNESCO-Welterbestätten
Mit der Aufnahme des modernistischen Zentrums von Gdynia verfügt Polen nun über 18 UNESCO-Welterbestätten.
Davon sind 16 Kulturstätten und zwei Naturerbestätten.
Zu den bekanntesten gehören unter anderem die Altstadt von Warschau/Warszawa, die mittelalterliche Altstadt von Thorn/Toruń sowie die Marienburg/Malbork.
Nach Angaben der UNESCO umfasst die Welterbeliste inzwischen rund 1.250 Stätten weltweit.
Während der laufenden Sitzung in Busan wurden außerdem unter anderem die antiken japanischen Hauptstädte Asuka und Fujiwara, die Naturlandschaften Boma-Badingilo im Südsudan, das griechische Olymp-Massiv sowie die Landungsstrände der Alliierten in der Normandie in die Welterbeliste aufgenommen.
Quelle: onet
Foto: Magnific