In den Wäldern des Forstamtes Tuszyma wurden Teile einer deutschen V-2-Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Für die Bergung des Raketenhecks, von Teilen der Turbopumpe und weiterer Komponenten waren mehr als 40 Menschen und zwei Bagger im Einsatz. Nach Angaben der polnischen Staatsforste sollen die geborgenen Teile künftig im Historischen Park Blizna zu sehen sein.
Fast acht Meter unter der Erde
Die Suchaktion fand am vergangenen Samstag in den Wäldern der Puszcza Sandomierska statt. Das Gebiet gehört zu einem ehemaligen deutschen Raketenversuchsgelände in Blizna. Dort testete die deutsche Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs ihre modernsten Fernwaffen.
Einige der nun entdeckten Raketenbestandteile lagen fast acht Meter tief im Boden. Trotz mehr als 80 Jahren unter der Erde befinden sie sich teilweise noch in einem guten Zustand.
Große Bergungsaktion mit mehr als 40 Beteiligten
„Es war eine gut geplante Operation, an der mehr als 40 Menschen und zwei Bagger beteiligt waren“, berichtet Grzegorz Ptaszek, leitender Forstschutzbeamter des Forstamtes Tuszyma. Gleichzeitig gehört er dem Explorationsverein V2TEAM an, der die Suche federführend organisierte. „Gefunden wurden unter anderem Teile der Turbopumpe und des Einspritzsystems sowie der Raketenheckkonus einer V-2“, fügt Ptaszek hinzu.
Die Arbeiten wurden durch ein Kampfmittelräumteam abgesichert. Zudem überwachte der Woiwodschafts-Denkmalpfleger die Suche und wurde dabei von Archäologen unterstützt. Die geborgenen Teile sollen in den Historischen Park Blizna gelangen. Dort werden bereits früher gefundene Überreste ausgestellt. Dazu gehören eine maßstabsgetreue Rekonstruktion einer V-2 sowie originale Raketenteile aus der Region.
Ein streng geheimes Projekt des Dritten Reiches
Der aktuelle Fund ist nicht die erste Entdeckung dieser Art in den Wäldern der Region. Die Puszcza Sandomierska bewahrt Spuren eines der am stärksten geheim gehaltenen Rüstungsprojekte des Dritten Reiches.
Die Geheimnisse des Raketenversuchsgeländes in Blizna konnten teilweise durch den polnischen Widerstand aufgedeckt werden. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die in der Region tätigen Förster.
Eine zentrale Figur war der Forstamtsleiter Mieczysław Stachowski. Gleichzeitig leitete er die AK-Stelle „Sława“ in Sędziszów Małopolski. Er koordinierte das Sammeln von V-2-Raketenteilen und deren Weitergabe an das Hauptquartier der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa, AK).
Auf Anweisung der Zentrale wurden weitere Raketenfragmente sowie ein Lenksystem geborgen. Ein Spezialflugzeug brachte die Teile anschließend nach London. Die Aufklärungsarbeit führte schließlich dazu, dass alliierte Flugzeuge das Raketenversuchsgelände bombardierten.
Förster spielten eine wichtige Rolle bei der Aufklärung
Bei der Erkundung des Geländes zeichneten sich unter anderem die Förster Edward Dubiel, Tadeusz Jankowski, Stanisław Mróz, Adolf Wiktor und Władysław Żątowski aus. Letzterer beherrschte die deutsche Sprache fließend. Dadurch wurde er für den polnischen Widerstand zu einem besonders wertvollen Mitarbeiter.
Auch der Student Józef Cempla gehörte zum Aufklärungsnetzwerk. Die Deutschen beschäftigten ihn mit dem Zeichnen von Karten des Versuchsgeländes. Kopien dieser Karten gelangten regelmäßig zum Bezirkskommando der AK.
Henryk Augustynowicz, ein Förster des Forstamtes Kolbuszowa, sammelte ebenfalls Raketenteile und übergab sie dem polnischen Nachrichtendienst. Die Deutschen nahmen ihn fest. Er starb später im Konzentrationslager Sachsenhausen.
Quelle: wp
Foto: facebook / Lasy Państwowe
