Ein französisch-deutsches Start-up will den europäischen Nachtzugmarkt aufmischen. Nox Mobility setzt auf private, schallgedämmte Kabinen statt klassischer Schlafwagen und will damit vor allem eine Alternative zu Kurzstreckenflügen schaffen. Auch Polen soll Teil des geplanten Streckennetzes werden.
Hotel auf Schienen statt Flugzeug
Nachts einsteigen, schlafen und am nächsten Morgen mitten in der Zielstadt ankommen: Genau dieses Konzept will Nox Mobility auf Europas Schienen bringen. Das französisch-deutsche Start-up plant ab dem kommenden Jahr transeuropäische Nachtzüge, in denen Reisende in Einzel- oder Doppelkabinen mit eigener Privatsphäre unterwegs sein sollen.
Der Einstiegspreis soll bei rund 79 Euro pro Bett liegen. Zum geplanten Streckennetz gehört auch Warszawa/Warschau.
Nox Mobility will seine Pläne auf der internationalen Bahnmesse InnoTrans vorstellen, die in der zweiten Septemberhälfte in Berlin stattfindet. Das Unternehmen hat bereits zwei Millionen Euro von Investoren erhalten. Der erste Zug befindet sich laut der Münchner Zeitung „Merkur“ bereits im Aufbau. Dafür nutzt Nox Mobility einen gebrauchten Intercity-Zug, den das Unternehmen von der Deutschen Bahn gekauft hat.
Das Konzept ist bewusst auf möglichst wenige Zwischenhalte ausgelegt. Die Züge sollen am Abend starten und am Morgen so ankommen, dass die Fahrgäste schnell das Zentrum der Zielstadt erreichen. Lange Aufenthalte an Bahnhöfen, Rangiermanöver oder unnötige Zugstopps sollen vermieden werden.
Nachtzüge als Alternative zu Kurzstreckenflügen
Nox Mobility will dabei nicht einfach einen weiteren klassischen Nachtzug anbieten. Das Unternehmen verspricht eine Zuverlässigkeit auf dem Niveau von Fluggesellschaften, kombiniert mit dem Komfort eines Boutique-Hotels.
Für Urlauber könnte das vor allem einen Vorteil haben: Die Übernachtung findet während der Fahrt statt, sodass am Ziel kein zusätzliches Hotelzimmer für die Anreise benötigt wird.
Auch Geschäftsreisende gehören zur Zielgruppe. In Frankreich machen Geschäftsreisende laut den Angaben rund 30 Prozent der Passagiere in französischen Nachtzügen aus. Für sie könnte eine Nachtfahrt bedeuten, dass frühe Fahrten zum Flughafen, zusätzliche Hotelübernachtungen und verlorene Arbeitszeit entfallen.
„Durchdachtes Design, persönlicher Service an Bord und abgestimmte Fahrpläne“ sollen Nachtzugreisen planbarer, bezahlbarer und komfortabler machen, verspricht Nox Mobility.
Reichen 79 Euro pro Bett für ein rentables Geschäft?
Ob das Modell wirtschaftlich funktioniert, dürfte allerdings stark von der Auslastung abhängen. Die angekündigten 79 Euro sind daher vermutlich eher als Einstiegspreis zu verstehen.
Das Portal Back-on-Track hat die mögliche Wirtschaftlichkeit von Nachtzügen untersucht. Bei einer durchschnittlichen Auslastung von 75 Prozent und maximal 500 Sitz- beziehungsweise Schlafplätzen könnte ein Zug demnach einen Nettoerlös von rund 27.000 Euro erzielen. Das würde allerdings noch nicht ausreichen, um die Kosten zu decken.
Damit sich die Investition für Geldgeber rechnet, müsste der durchschnittliche Ticketpreis nach dieser Einschätzung bei mehr als 100 Euro liegen. Das wäre vergleichbar mit den durchschnittlichen Preisen für Liegeplätze in Nachtzügen von und nach Deutschland.
Eine Untersuchung von Zeit Online auf Basis von Daten von night-ride.com kam für den Sommer 2025 auf Preise zwischen 69 und 158 Euro, abhängig von der jeweiligen Strecke.
Von Warschau/Warszawa in die Alpen und bald quer durch Europa?
Langfristige Pläne für ein europäisches Nachtzugnetz gibt es auch in Polen. Port Polska hat ein Konzept für internationale Nachtverbindungen entwickelt, die ab 2035 verkehren könnten. Vorgesehen sind unter anderem Verbindungen nach Amsterdam, Berlin, Köln, Bratislava, Wien und Tallinn.
Noch deutlich früher könnte RegioJet eine Verbindung von Warschau/Warszawa in die österreichischen Alpen aufnehmen. Der tschechische private Bahnbetreiber plant ab Ende des kommenden Jahres eine Nachtverbindung von Warschau/Warszawa nach Sankt Anton am Arlberg.
Der Zug soll Warschau/Warszawa um 19:41 Uhr verlassen und am nächsten Mittag am Ziel ankommen.
Nun versucht mit Nox Mobility ein neues Unternehmen, den Nachtzugmarkt mit einem etwas anderen Konzept zu erobern: weniger klassische Schlafwagen, mehr Privatsphäre und Hotelkomfort auf Schienen. Ob daraus tatsächlich ein europaweites Netz wird, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.
Quelle: rp
Foto: Facebook/Nox Mobility