Die Zahl der Deportationen aus Polen ist deutlich gestiegen. Das Jahr 2026 könnte in dieser Hinsicht einen neuen Rekord bringen. Das geht aus aktuellen Daten hervor. „Die größte Gruppe unter den Abgeschobenen sind Ukrainer. Das liegt schlicht daran, dass sich in Polen die meisten Ukrainer aufhalten“, sagt der stellvertretende Innen- und Verwaltungsminister Maciej Duszczyk.
Die Statistik zeigt in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg. Die Zahl der vollzogenen Rückführungsentscheidungen gegenüber Ausländern nahm von Jahr zu Jahr stark zu.
Nach Angaben des polnischen Innen- und Verwaltungsministeriums wurden 2023 rund 3.000 Menschen aus Polen abgeschoben. Zwei Jahre später, im Jahr 2025, lag die Zahl bereits bei 10.000. Damit stieg sie innerhalb von zwei Jahren um mehr als 330 Prozent.
Erste Jahreshälfte 2026: Bereits 6.000 Abschiebungen
Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass die Zahl in diesem Jahr noch weiter steigen könnte. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden nach Angaben des Ministeriums rund 6.000 Menschen abgeschoben.
„Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres beträgt der Anstieg der Deportationen nahezu 30 Prozent“, teilte das polnische Innen- und Verwaltungsministerium (MSWiA) mit. Im ersten Halbjahr 2025 hatte Polen demnach rund 4.600 Menschen zurückgeführt.
Ukrainer stellen größte Gruppe
„Die größte Gruppe unter den Abgeschobenen sind Ukrainer. Das liegt schlicht daran, dass sich in Polen die meisten Ukrainer aufhalten“, erklärt der stellvertretende Innen- und Verwaltungsminister Maciej Duszczyk.
Ukrainische Staatsbürger, die vor dem Krieg geflohen sind, verfügen in Polen grundsätzlich über einen besonderen Aufenthaltsstatus im Rahmen des vorübergehenden Schutzes. Dieser Status spielt bei Straftaten jedoch keine entscheidende Rolle. „Bei Fragen im Zusammenhang mit Kriminalität hat dieser Status keine Bedeutung“, betont Duszczyk.
Schätzungen zufolge leben rund zwei Millionen Ukrainer in Polen. Neben Ukrainern betrafen Rückführungsverfahren vor allem Staatsangehörige aus Georgien, Belarus, Moldau und Kolumbien.
Polens Regierung verschärft Kurs gegenüber Migranten
Der deutliche Anstieg der Abschiebungen hängt nach Angaben der Regierung direkt mit den politischen Prioritäten zusammen. „Deportationen sind ein Standardinstrument der Migrationspolitik. Das steht im Einklang mit unserer Strategie: ‚Wir gewinnen die Kontrolle zurück, wir sorgen für Sicherheit‘“, sagt Duszczyk gegenüber.
Alle Personen, deren Aufenthalt in Polen unerwünscht sei, würden abgeschoben. Das könne sowohl an begangenen Straftaten als auch an einem illegalen Aufenthalt liegen. „Der Anstieg hängt auch mit den Abkommen zusammen, die Polen in letzter Zeit mit Staaten geschlossen hat, die abgeschobene Personen aus unserem Land aufnehmen“, erklärt der stellvertretende Minister.
Die steigenden Zahlen seien vor allem auf eine stärkere Kontrolle des Aufenthaltssystems und eine höhere Aktivität der polnischen Behörden zurückzuführen.
Fehlende Dokumente sind häufigster Grund
Der häufigste Grund für eine Abschiebung aus Polen ist ein fehlender Aufenthaltstitel. Auch eine Überschreitung der zulässigen Aufenthaltsdauer im Schengen-Raum führt häufig zu einer Rückführung.
Daneben gibt es Fälle, in denen Behörden die Ausweisung von „Personen, die eine Gefahr für die Verteidigungsfähigkeit und die Sicherheit des Staates darstellen“, anordnen. Diese Gruppe ist im Vergleich zur Gesamtzahl der Abgeschobenen zwar klein. Die polnischen Behörden gehen in solchen Fällen jedoch besonders konsequent vor.
Einreiseverbot für den Schengen-Raum und EES
Mit jeder Deportation ist eine Sanktion verbunden. Eine abgeschobene Person erhält ein zeitlich befristetes Einreiseverbot für den Schengen-Raum. Je nach Fall kann dieses Verbot zwischen sechs Monaten und zehn Jahren gelten. Damit soll insbesondere eine illegale Weiterwanderung innerhalb Europas verhindert werden.
„Ein wichtiger Bestandteil zur weiteren Absicherung des Aufenthaltssystems für Nicht-EU-Bürger war die Einführung des Einreise-/Ausreisesystems (EES) im Jahr 2025“, teilte das MSWiA Interia mit.
Das System registriert Drittstaatsangehörige, die für einen kurzfristigen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen in die EU einreisen. Dabei werden biometrische Daten erfasst. Dazu gehören unter anderem Gesichtsbilder und Fingerabdrücke. Nach Angaben des Ministeriums erschwert EES damit die Einreise in die Europäische Union für Personen, die gefälschte Dokumente verwenden, erheblich.
Quelle: interia
Foto: magnific