Familientat an der polnischen Ostseeküste

Tragödie in Ustka / Stolpmünde: Offizier tötet vierjährige Tochter
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In der polnischen Küstenstadt Ustka / Stolpmünde ist es zu einer der erschütterndsten Tragödien der letzten Jahre gekommen. Ein 44-jähriger Offizier des Staatsschutzdienstes SOP (Służba Ochrony Państwa) griff am Montagabend während eines Urlaubsaufenthalts seine eigene Familie mit einem Messer an. Seine vierjährige Tochter starb an den Folgen der Verletzungen. Weitere Familienmitglieder hat der Täter schwer verletzt.

Tatablauf: Ruhiger Abend endet in Gewalt

Die Tragödie ereignete sich am Montag, dem 26. Januar, gegen 21:30 Uhr in einer Wohnung in der Bałtycka-Straße in Ustka / Stolpmünde. Die Polizei erhielt eine Meldung über eine laute häusliche Auseinandersetzung. Nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte bot sich ein dramatisches Bild.

Der 44-Jährige hatte sich zuvor in der Wohnung verbarrikadiert. Die Polizei musste ihn gewaltsam überwältigen. Nach offiziellen Angaben griff er fünf Familienmitglieder sowie sich selbst mit einem Messer an. Trotz langer Reanimationsversuche konnten die Dienste die vierjährige Tochter nicht retten.

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Die Ehefrau, die Schwiegermutter, der Sohn sowie der Großvater des Kindes wurden in Krankenhäuser in Słupsk / Stolp, Lębork / Lauenburg und Sławno / Schlawe gebracht. Auch der Täter wurde verletzt und zunächst in ein Krankenhaus eingeliefert. Inzwischen befindet er sich in Untersuchungshaft.

Am Tatort blieben deutliche Spuren der Gewalt zurück. Auf dem Schnee vor dem Gebäude waren Blutspuren, benutzte Handschuhe der Rettungskräfte und zurückgelassene Verbände zu sehen.

Wer ist der Täter? 

Der mutmaßliche Täter ist ein Major des Staatsschutzdienstes. Er stand seit 23 Jahren im Dienst. Seine Laufbahn begann noch im früheren Regierungs­schutz­dienst BOR. Laut SOP galt seine Dienstakte als einwandfrei.

Der Mann ist 44 Jahre alt und verfügt über eine Ausbildung in Sportwissenschaften und Krisenmanagement. Er nahm an Auslandseinsätzen im Irak, in Afghanistan und in Pakistan teil. Seine fachlichen Spezialisierungen umfassen Hochrisikoeinsätze, eine Ausbildung im Bereich Kampf- und Gefechtsrettung sowie Sprengstoff- und Pyrotechnik. Für seinen Dienst erhielt er unter anderem den Irak-Stern und den Afghanistan-Stern.

Im Oktober 2025 absolvierte der Offizier turnusmäßige medizinische und psychologische Untersuchungen. Er wurde vollständig diensttauglich geschrieben. Zuletzt war er im Bereich Pyrotechnik eingesetzt. Er gehörte jedoch nicht zu den Beamten, die aktuell Spitzenpolitiker schützten.

„Eine Oase der Ruhe“ – Kollegen und Nachbarn fassungslos

Die Tat löste Bestürzung innerhalb der Sicherheitsdienste aus. Ein SOP-Funktionär sagte anonym gegenüber der polnischen Presse, der Mann habe während des Dienstes keinerlei Auffälligkeiten gezeigt.

Er sei als äußerst ruhig, professionell und ausgeglichen wahrgenommen worden. Probleme, Disziplinarverfahren oder Fehlverhalten seien nicht bekannt gewesen. Innerhalb der Formation herrscht Schock. Vergleichbare Vorfälle seien dort bislang unbekannt.

Auch Nachbarn reagierten fassungslos. Medienberichten zufolge beschrieben sie den Mann als freundlich, hilfsbereit und familienorientiert. Noch am Vortag sei die Familie gemeinsam spazieren gegangen. Nichts habe auf eine Eskalation hingedeutet.

Ermittlungen: Vernehmung und Gutachten angesetzt

Die Staatsanwaltschaft in Słupsk / Stolp leitete umgehend Ermittlungen ein. Ein psychiatrischer Gutachter bestätigte, dass der Beschuldigte vernehmungsfähig ist und sich in Polizeigewahrsam aufhalten kann.

Die Vernehmung ist für Mittwoch, den 28. Januar, um 11:00 Uhr angesetzt. Der Mann soll voraussichtlich wegen Mordes an seiner vierjährigen Tochter angeklagt werden. Zusätzlich prüfen die Ermittler Anklagen wegen versuchten Mordes an weiteren Familienmitgliedern.

Für die verstorbene Tochter wurde eine Obduktion angeordnet. Sie soll an der Medizinischen Universität Danzig durchgeführt werden. Bereits am Dienstag konnten die verletzten Schwiegereltern des Mannes befragt werden.

Reaktion der Behörden und des Innenministeriums

Die SOP sprach der Familie des Kindes nach der Tragödie ihr Beileid aus. Gleichzeitig erklärte sie, in engem Kontakt mit dem Krankenhaus in Słupsk / Stolp zu stehen, in dem man die Ehefrau und die Schwiegermutter behandelt. Medizinische und psychologische Unterstützung wurde zugesichert.

Der Offizier wurde umgehend suspendiert. Zudem wurde ein Verfahren zur Entlassung aus dem Dienst eingeleitet. Das polnische Innenministerium ordnete eine umfassende Überprüfung seiner gesamten Dienstlaufbahn an. Das interne Kontrollbüro soll insbesondere die medizinischen und psychologischen Untersuchungen analysieren.

Offene Fragen bleiben

Warum es zu dieser Gewalttat kam, ist weiterhin unklar. Die Ermittler setzen große Hoffnungen auf die Aussagen der überlebenden Familienmitglieder. 

Die Tragödie von Ustka / Stolpmünde wirft erneut Fragen nach der psychischen Belastung von Sicherheitskräften auf – auch dann, wenn ihre Laufbahn bislang als vorbildlich galt.

Quelle: se, rmf24, gazeta

Foto: freepik

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