Polen gehört seit Jahren zu den wichtigsten Wirtschafts- und Investitionspartnern Deutschlands. Gleichzeitig verändert sich der polnische Arbeitsmarkt dynamisch. Die Zeiten extrem niedriger Löhne sind vorbei. Der gesetzliche Mindestlohn in Polen steigt kontinuierlich und beeinflusst Kosten, Wettbewerbsfähigkeit und Personalplanung.
Für dich als deutscher Arbeitgeber, Investor oder CFO wird das Thema Mindestlohn in Polen spätestens für die Budgetplanung 2026 zentral. Die Löhne steigen, die gesetzlichen Mechanismen sind komplex und unterscheiden sich deutlich vom deutschen Arbeitsrecht. Dieser Artikel gibt dir die wichtigsten Informationen, ordnet Zahlen ein und zeigt, wie hoch die realen Kosten pro Arbeitnehmer tatsächlich sind.
Ziel ist es, Dir eine verlässliche, verständliche und langfristig gültige Orientierung zu bieten – von aktuellen Zahlen über Prognosen bis zu rechtlichen Besonderheiten im Vergleich zu Deutschland.
Wie hoch ist der Mindestlohn in Polen aktuell?
Der gesetzliche Mindestlohn in Polen gilt landesweit einheitlich. Er unterscheidet sich nicht nach Region, Branche oder Qualifikation. Das macht das System transparent, aber auch politisch sensibel. Die Höhe des Mindestlohns wird jährlich per Regierungsverordnung festgelegt.
Zum Jahresende 2025 liegt der Mindestlohn pro Monat bei 4.666 PLN brutto. Das entspricht – je nach Wechselkurs – rund 1.050 bis 1.080 Euro brutto im Monat. Dieser Wert gilt für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer mit einem klassischen Beschäftigungsverhältnis.
Neben dem Monatslohn existiert ein gesetzlicher Mindeststundenlohn. Er ist vor allem für flexible Beschäftigungsformen relevant, etwa bei Umowa zlecenie. Ende 2025 beträgt der Mindeststundensatz 30,50 PLN brutto, also rund 6,80 bis 7,00 Euro pro Stunde.

Prognose 2026: Was erwartet uns ab Januar?
Ab dem 1. Januar 2026 tritt eine neue Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in Kraft. Die polnische Regierung hat per Verordnung festgelegt, dass der Mindestlohn auf 4.806 PLN brutto pro Monat steigt. Das sind 140 PLN mehr als im Jahr 2025.
Der Mindeststundenlohn wird parallel angehoben und beträgt ab Januar 2026 genau 31,40 PLN brutto pro Stunde. Umgerechnet entspricht das etwa 7,10 Euro pro Stunde, abhängig vom EUR/PLN-Kurs.
Wichtig für deine Planung: 2026 wird es nur eine Erhöhung geben. Anders als im Jahr 2023 oder im Jahr 2024, als der Mindestlohn wegen hoher Inflation zweimal angehoben wurde, bleibt es 2026 bei einer einmaligen Anpassung. Der Grund liegt in der Inflationsprognose, die unter der gesetzlichen Schwelle von fünf Prozent liegt.
Arbeitgeber-Kalkulator: Was kostet ein Mitarbeiter wirklich?
Der Blick auf den Bruttolohn allein reicht in Polen nicht aus. Für Arbeitgeber entstehen zusätzliche Kosten durch Sozialversicherungsbeiträge, die an die ZUS abgeführt werden. Diese Lohnnebenkosten machen den entscheidenden Unterschied zwischen Brutto und tatsächlicher Belastung.
Viele deutsche Unternehmen unterschätzen diese Zusatzkosten, weil sie nicht direkt auf der Gehaltsabrechnung des Arbeitnehmers sichtbar sind. Für eine realistische Budgetplanung musst du daher immer mit dem sogenannten Arbeitgeber-Brutto rechnen.

Brutto vs. „Arbeitgeber-Brutto“ (Super-Brutto)
In Polen zahlt der Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn rund 20 Prozent an Sozialversicherungsbeiträgen. Dazu gehören Renten-, Unfall- und Krankenversicherungsbeiträge sowie Abgaben an den Arbeitsfonds.
Bei einem Mindestlohn von 4.806 PLN brutto steigen die gesamten Kosten pro Arbeitnehmer auf rund 5.790 PLN pro Monat. Das entspricht etwa 1.250 bis 1.300 Euro pro Monat. Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns führt damit automatisch zu einer spürbaren Anhebung der Lohnnebenkosten.
Für Unternehmen mit vielen vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern summiert sich dieser Effekt schnell und beeinflusst die gesamte Lohnbuchhaltung.
Beispielrechnung:
| Position | Betrag in PLN | Betrag in EUR (ca.) |
| Mindestlohn brutto pro Monat | 4.806 PLN | ~1.100 € |
| Arbeitnehmer netto | ca. 3.605 PLN | ~825 € |
| Gesamtkosten Arbeitgeber | ca. 5.790 PLN | ~1.300 € |
Personen unter 26 Jahren profitieren von der Einkommensteuerbefreiung („Zerowy PIT“). Sie erhalten deutlich mehr netto, während die Arbeitgeberkosten nahezu identisch bleiben.

Polen vs. Deutschland und Europa: Ein Lohnvergleich
Im europäischen Vergleich bleibt Polen ein Land mit niedrigeren gesetzlichen Mindestlöhnen. Gleichzeitig schrumpft der Abstand zu Westeuropa kontinuierlich. Besonders für deutsche Unternehmen ist der Vergleich mit dem Mindestlohn in Deutschland entscheidend.
In Deutschland liegt der gesetzliche Mindestlohn aktuell bei über 12 Euro pro Stunde. Das entspricht rund 2.000 Euro brutto im Monat bei Vollzeit. Polen bleibt nominal deutlich darunter, nähert sich aber schrittweise an.
| Land | Mindestlohn pro Monat (EUR) |
| Deutschland | ca. 2.000 € |
| Niederlande | ca. 1.995 € |
| Frankreich | ca. 1.750 € |
| Polen | ca. 1.100 € |
| Tschechien | ca. 900 € |
| Ungarn | ca. 800 € |
| Bulgarien | ca. 475 € |
Kaufkraftparität (PPS) – Warum der Unterschied kleiner ist als gedacht
Nominale Löhne erzählen nur die halbe Wahrheit. Entscheidend ist die Kaufkraft. Für 1.000 Euro kannst du in Polen deutlich mehr Waren und Dienstleistungen kaufen als in Deutschland. Die Lebenshaltungskosten sind niedriger, vor allem bei Mieten und Dienstleistungen.
Das erklärt, warum der Lebensstandard in Polen steigt, obwohl der Mindestlohn im Euro-Vergleich niedrig wirkt. Für Arbeitgeber bedeutet das: Höhere Löhne treffen auf einen motivierten Arbeitsmarkt mit wachsender Kaufkraft.
Rechtliche Unterschiede: Das müssen deutsche Firmen wissen
Das polnische Arbeitsrecht unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich vom deutschen System. Gerade beim Mindestlohn entstehen häufig Missverständnisse, die zu Compliance-Risiken führen können.
Ein zentraler Unterschied liegt in der Art der Lohnberechnung und in den gesetzlichen Anpassungsmechanismen.
Monatslohn vs. Stundenlohn
In Deutschland steht der Stundenlohn im Fokus. In Polen gilt bei klassischen Arbeitsverträgen der Monatslohn. Er bleibt gleich, unabhängig davon, wie viele Arbeitstage oder Feiertage ein Monat hat.
Der Mindeststundenlohn spielt hingegen bei zivilrechtlichen Verträgen eine Rolle. Dazu zählen Umowa zlecenia und bestimmte B2B-Konstellationen. Hier muss jede gearbeitete Stunde mindestens mit dem gesetzlichen Mindeststundensatz vergütet werden.
Der Inflationsmechanismus
Eine polnische Besonderheit ist der automatische Anpassungsmechanismus. Überschreitet die prognostizierte Inflation fünf Prozent, wird der Mindestlohn zweimal pro Jahr erhöht – im Januar und im Juli.
Dieser Mechanismus führte 2023 und 2024 zu außergewöhnlich starken Lohnerhöhungen. Für deutsche CFOs erschwert das die langfristige Budgetplanung erheblich, da zusätzliche Erhöhungen mitten im Jahr möglich sind.
Zusammensetzung des Mindestlohns
Zum Mindestlohn zählen Grundgehalt, Prämien und reguläre Zulagen. Nicht angerechnet werden Überstundenvergütung, Nachtzuschläge, Jubiläumsprämien oder Abfindungen. Diese Unterscheidung ist für die korrekte Lohnabrechnung entscheidend.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Mindestlohn in Polen
Muss ein deutsches Unternehmen in Polen den deutschen oder polnischen Mindestlohn zahlen?
Es gilt grundsätzlich das Territorialprinzip. Arbeitnehmer in Polen unterliegen dem polnischen Mindestlohn. Bei Entsendungen greifen Sonderregeln des EU-Arbeitsrechts.
Wie hoch ist der Mindestlohn 2025 netto in Euro?
Der Mindestlohn 2025 netto liegt bei rund 800 bis 830 Euro, abhängig vom Wechselkurs und individuellen Abzügen.
Welche Strafen drohen bei Unterschreitung des Mindestlohns?
Die staatliche Arbeitsinspektion PIP kann Bußgelder bis zu 30.000 PLN verhängen. Zusätzlich drohen Nachzahlungen inklusive Zinsen.
Gilt der Mindestlohn auch für Ausländer und Saisonarbeiter?
Ja. Der gesetzliche Mindestlohn gilt unabhängig von Nationalität oder Aufenthaltsstatus. Diskriminierung ist unzulässig.
Ausblick für Investoren
Der Mindestlohn in Polen steigt weiter und verändert die Kostenstruktur für Arbeitgeber. Gleichzeitig bleibt Polen ein attraktiver Standort mit gut ausgebildeten Arbeitnehmern, hoher Produktivität und stabiler EU-Anbindung.
Für Investoren und Unternehmen empfiehlt sich eine realistische Planung, die Wechselkursrisiken, politische Entscheidungen und den Inflationsmechanismus berücksichtigt. Wer diese Faktoren früh einbezieht, kann auch 2026 von einem ausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnis profitieren.

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