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Foto: Andrzej Grabowski/Wikimedia
Foto: Andrzej Grabowski/Wikimedia

Weltweit wird derzeit über ein Ende der fossilen Brennstoffe diskutiert. Ihren Anfang nahm die Erdölindustrie nicht in Texas und auch nicht auf der arabischen Halbinsel, sondern im Südosten Polens. Ignacy Łukasiewicz gilt nicht nur als Erfinder der Petroleumlampe, sondern gründete auch die erste Erdölmine der Welt. Am 8. März 2022 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Chemikers und Apothekers. Der Sejm, das polnische Parlament, rief 2022 zum Jahr von Ignacy Łukasiewicz aus, um an den Pionier des Erdöl-Zeitalters zu erinnern.

Als Łukasiewicz im damals polnischen Lwów (Lemberg) seine bahnbrechende Entdeckung macht, ist er gerade mal 30 Jahre alt. Um die Jahreswende 1852/53 gelingt es ihm, mit seinem Kollegen Jan Zeh in der Apotheke „Zum goldenen Stern“ erstmals Petroleum mittels Destillation aus Erdöl herzustellen. Damit ist der Grundstein für seine weitere Laufbahn und die sprunghafte Entwicklung der weltweiten petrochemischen Industrie gelegt.

Der Sohn einer verarmten Adelsfamilie mit armenischen Wurzeln war in Rzeszów aufgewachsen und hatte dort die ersten Jahre seiner Ausbildung verbracht. Die wurde wegen seines politischen Engagements jäh unterbrochen. Mit 23 Jahren verurteilte ihn die österreichische Justiz wegen polnisch-patriotischer Umtriebe gegen die damalige Teilungsmacht zu zwei Jahren Haft. Nur dank verschiedener Fürsprachen gelang es ihm später, sein Magisterstudium der Pharmazie an den Universitäten in Krakau und Wien abzuschließen.

Łukasiewicz experimentierte mit dem Petroleum weiter, entwickelte Reinigungsverfahren und kam schnell zu dem Schluss, dass die neue Flüssigkeit ein idealer Ersatz für die bisher in Lampen eingesetzten tierischen Fette war. Als symbolisches Geburtsdatum der gemeinsam mit dem Schmied Adam Bratkowski entwickelten Petroleumlampe gilt der 31. Juli 1853. Damals konnte Łukasiewicz die Kraft und Effizienz seiner Erfindung erstmals unter Beweis stellen. Sie sorgte für genügend Licht bei einer Blinddarm-Operation im Lemberger Krankenhaus.

Um näher an seinem Forschungsobjekt zu sein, zog er wenig später ins kleinpolnische Gorlice, wo er die örtliche Apotheke übernahm. Schon seit Jahrhunderten wurde in der Region Erdöl, das beim Graben an die Oberfläche trat, für medizinische Zwecke und als Schmiermittel genutzt. Łukasiewicz erkannte das wahre Potenzial des Rohstoffs –  und schon bald leuchtete an der Kreuzung der Straßen ul. Węgierska und Kościuszki die weltweit erste mit Petroleum betriebene Straßenlaterne.

1854 gründete er mit zwei Teilhabern die erste Erdölmine der Welt in Bóbrka, einem kleinen Dorf in den Bieszczady, 1856 und 1857 kamen die ersten beiden Raffinerien hinzu. Das Unternehmen entwickelte sich binnen kürzester Zeit und es folgten zahlreiche andere Erdölminen in der Region, die sich zu einem der größten Zentren der Erdölförderung weltweit entwickelte. Łukasiewicz gab seine Anteile 1871 ab, blieb aber weiterhin als Direktor der Mine tätig und widmete sich bis zu seinem Tod 1882 zunehmend sozialen und politischen Belangen. 1876 zog er als Abgeordneter für die Region Krosno in den Sejm ein.

In der ehemaligen Mine in Bóbrka können Besucher heute eine Zeitreise von den Anfängen dieser faszinierenden Geschichte bis in die Gegenwart unternehmen. Die historischen Anlagen sind als Freilichtmuseum der Erdöl- und Gasindustrie zugänglich. Gut erhalten sind die ersten beiden Erdölbrunnen, die zunächst noch mit Muskelkraft gegraben und später dann mithilfe von Maschinen in Tiefen von 150 und 250 Metern vorgetrieben wurden. Zu den ältesten erhaltenen Gebäuden zählt die Werksschmiede von 1856 mit Originalöfen aus den 1890er Jahren.

Im Direktionsgebäude von 1865 befindet sich eine Ausstellung zur Apothekengeschichte und den Anfängen der Mine sowie eine umfangreiche Sammlung von Petroleumlampen. Im modernen Ausstellungspavillon direkt am Eingang zum Gelände befindet sich die Hauptausstellung. Dort bekommen Besucher unter anderem einen Einblick in das „Cockpit“ einer modernen Raffinerie. An den Maschinen aus über 150 Jahren können Besucher zudem eindrucksvoll den technischen Fortschritt ablesen.

Das nach Ignacy Łukasiewicz benannte Museum der Erdöl- und Gasindustrie ist ganzjährig dienstags bis sonntags geöffnet, in den Sommermonaten  von 9 bis 17 Uhr. Bóbrka liegt unweit der Kreisstadt Krosno, einem Zentrum der Glasindustrie, und rund 70 Kilometer südlich von Rzeszów, der Hauptstadt der Woiwodschaft Podkarpackie (Vorkarpaten). Infos zum Museum unter www.bobrka.pl Während das Erdöl in der Region langsam versiegt, erfreut sich dort eine andere Flüssigkeit wachsender Beliebtheit. Die Vorkarpatenregion ist eines der wichtigsten Weinbaugebiete Polens und knüpft damit an eine tausendjährige Tradition an. Zu den Zentren des Weinbaus gehört die unweit von Bóbrka gelegene Kleinstadt Jasło, www.jaslo.pl Weitere Informationen über touristische Angebote in Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel

 

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