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Samstag, 22. September 2018
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Wenn die Friedhöfe in Polen ein Mal im Jahr in einem Lichtermeer versinken und zu einem Ort der Begegnung werden, dann begeht das Land Allerheiligen – eine Tradition, an der viele junge Menschen noch immer festhalten.

An Allerheiligen ist ganz Polen auf den Beinen – das bedeutet überfüllte Straßen und Gedränge an den Ein- und Ausgängen der Friedhöfe. Da brauche man manchmal Nerven aus Stahl, sagt Pawel Ratuszny aus Oppeln in Schlesien. Doch hat man es erst mal geschafft, sich zu den Gräbern durchzukämpfen, sei die Stimmung überwältigend. „Wir sind eine ganze Gruppe  und gehen gemeinsam von Grab zu Grab, erst zu meinen Verwandten, dann zu der anderen, wir beten und zünden Kerzen an. Dann geht es weiter. Oft trifft man an einem Grab Menschen, die man schon 1-2 Jahre nicht gesehen hat. Dann plaudert man,es ist wirklich nett. Und wenn es dunkel ist, sehen die Lichter wunderschön aus.“

Mit einem Rucksack voller Kerzen und bequemen Schuhen an den Füßen will der 31-Jährige heute so viele Gräber abgrasen wie nur möglich. Mit dabei ist auch die 15-jährige Karolina Pawlik – beten und sich vor dem Grab bekreuzigen so wie Pawel, damit hat sie nichts am Hut. Trotzdem: an Allerheiligen zu Hause bleiben kommt für Karolina nicht in Frage. „Aus Tradition und Achtung vor den Verstorbenen besuche ich die Friedhöfe. Schließlich stirbt jeder einmal und dann gedenkt man seiner Seele. Das ist etwas ganz Normales, das ist nicht traurig – eigentlich geht es fröhlich zu.“

Allerheiligen ist in Polen ein gesetzlicher Feiertag. Diesen auf dem Friedhof zu verbringen sein einfach ein Muss, sagt die 18-jährige Agnieszka Rotten. „Es ist eben Allerheiligen – der eine Tag im Jahr, an dem man alle Gräber besucht. Und so wird es wohl auch in Zukunft bleiben. Das sehe ich bei meinen älteren Brüdern. Sie gehen mit ihren Kindern jedes Jahr und so wird es bei mir sicher auch sein.“

Noch einige Tage werden die Kerzen auf den Gräbern brennen. Dann heißt es groß sauber machen. Auch das gehöre dazu, sagt Pawel Ratuszny,  schließlich wolle man sich für sein Grab nicht schämen.

 

 

Autorin: Marie Baumgarten
Foto: kjb (Praca własna) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], Wikimedia Commons

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