Reisen mit Hund in der polnischen Bahn. Das müssen Sie mit Vierbeinern im Zug beachten

Die Reise mit einem Hund im Zug ist ein großes Abenteuer, sowohl für den Vierbeiner als auch für den Besitzer. Doch wie sieht das in Polen aus? Was muss man vor der Fahrt machen?

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Mittwoch, 20. Oktober 2021
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Symbolbild / Pixabay
Symbolbild / Pixabay

Emilcin ist der bekannteste polnische Ort, an dem angeblich der Mensch auf einen Außerirdischen traf. Was jedoch wie eine aufregende Geschichte klingt, erweist sich als eine Farce, an die Tausende Bewohner Polens jahrelang geglaubt haben.

Der 10. Mai 1978. Jan Wolski, ein einfacher Bauer aus Emilcin fährt mit einem Pferdewagen durch den Wald nach Hause. Auf einmal trifft er zwei komisch aussehende Gestalten auf seinem Weg. Sie waren ungefähr 1,4 m groß, hatten grüne Gesichter, Schlitzaugen und vorstehende Wangenknochen. Sie trugen schwarze Overalls. An den Händen hatten sie eine Schwimmhaut zwischen den Fingern und sprachen in einer merkwürdigen Sprache. Dieses außergewöhnliche Aussehen der Reisenden hat Wolski jedoch nicht erschreckt. Er hat sie sogar auf seinem Pferdewagen mitgenommen, was er übrigens ziemlich oft machte. Der Bauer war nur von der unnormal großen Belastung des Wagens erstaunt. Trotzdem hat er die Reise ohne etwas zu sagen fortgesetzt. Er nahm die Reisenden bis zur Lichtung mit, wo er ein riesiges und strahlendes Raumschiff mit einer Art von Aufzug sah, welches 5 Meter über dem Boden schwebte. Die unbekannten Wesen baten Wolski in den Aufzug hineinzugehen und nach oben zu fahren, was der Mann ohne Überlegung gemacht hat. Im Inneren warteten zwei weitere Gestalten, die ihn baten, sich auszuziehen und eine Untersuchung durchgeführt haben. Danach boten sie dem Mann Essen in Form eines Zapfens an. Dieses Angebot hat Wolski jedoch abgelehnt. Er behauptete, dass die Außerirdischen außergewöhnlich freundlich waren und sich sogar zum Abschied verneigten, als sie ihn vom Schiff herausgelassen haben.

Danach fuhr Wolski schnell nach Hause, um der eigenen Familie von dem außergewöhnlichen Treffen zu erzählen. Als er jedoch wieder zur Lichtung mit seinen Söhnen und Nachbarn kam, war das Raumschiff zusammen mit den Außerirdischen verschwunden. Geblieben sind nur Spuren.

Dieses Ereignis hat sich herumgesprochen und die Geschichten und Gerüchte wurden immer lauter und lauter. Schließlich wurde es von dem polnischen Ufologen Zbigniew Blania-Bolnar genauer unter die Lupe genommen, der vor Ort eine Ermittlung durchführte, welche die Geschichte von Wolski bestätigte. Jahrelang wurde Emilcin als das polnische Roswell angesehen, also ein Ort, wo Außerirdische gelandet sind. Ebenfalls Blania-Bolnar gewann durch seine Ermittlung an riesiger Beliebtheit im Lande. Keiner hat seine Version infrage gestellt. Doch alles hat sein Ende. Diese Aufgabe nahm Bartosz Rdułtowski auf sich, ein polnischer Publizist und Mystery Hunter. Nach einer genauen Analyse der vorhandenen Beweismittel, hat er festgestellt, dass in Emilcin nie ein Ufo gelandet ist und das ganze Geschehen eine große Mystifizierung war, die aus Rache erfunden wurde. „Am 10. Mai 1978 landeten im nahe Opole Lubelskie liegenden Emilcin keine Außerirdischen“, stellt der Experte im Gespräch mit PolenJournal.de klar.

Wahrheit oder Mystifizierung?

Was passierte also in Wirklichkeit? Wer hatte seine Finger im Spiel bei dieser riesigen Mystifizierung? „Die Frage sollte eher lauten «Wer und zu welchem Zweck nutzte Jan Wolski aus, um die größte mit Ufos verbundene polnische Mystifizierung zu erschaffen?» Am Anfang meiner Ermittlung dachte ich, dass dahinter der Geheimdienst stand und dass die Außerirdischengeschichte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der aktuellen politischen Lage im Land ablenken sollte. So ein klassisches Ersatzthema“, kommentiert Rdułtowski. Die Wahrheit war jedoch viel überraschender und kurioser, als man sich hätte denken können.

Zurück jedoch zu Zbigniew Blania-Bolnar und seiner Ermittlung. Er spielt nämlich die Hauptrolle in der Verbreitung der Geschichte von der Ufo-Landung im Emilcin. Der Mann war ein Ufologe, gelernter Magister der Soziologie. Er hatte eine Leidenschaft für übernatürliche Wesen und suchte nach Spuren ihrer Anwesenheit auf der Erde. „Blania-Bolnar war der Richter in eigener Klage. Er kontrollierte die ganze Emilcin-Ermittlung und Narration, schrieb zu diesem Thema die wichtigsten Artikel, Bücher und bereitete sogar im Jahr 1978 einen Film mit dem polnischen Fernsehen vor, welchen Millionen von Polen gesehen haben. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Zbigniew Blania-Bolnar Emilcin zur angeblich am besten dokumentierten und glaubhaftesten polnischen Begegnung mit einem Ufo kreierte. Blania-Bolnar war clever, denn zu seiner Ermittlung lud er einen vertrauten Psychologen aus Lodz/Łódź ein und später stützte er sich auf die Ergebnisse der Untersuchung, welche an Wolski durchgeführt wurde und die der Ufologe selber in Lublin leitete. Von außen sah alles musterhaft und glaubwürdig aus. Erst als ich angefangen habe, die Tonaufnahmen von der Vernehmung und Untersuchung von Wolski aus dem Jahr 1978 abzuhören, die ich aus dem privaten Archiv von Blania-Bolnar, der damals bereits verstorben war, ergatterte, stellte sich heraus, dass Blania-Bolnar in Emilcin keine Ermittlung führte, sondern versuchte, das Ereignis glaubwürdig zu machen“, stellte der Autor des Buches „Tajne Operacje. PRL i UFO“ fest.


Die Tonaufnahmen von der Vernehmung und Untersuchung von Wolski aus dem Jahr 1978 (Foto:  Bartosz Rdułtowski)

Es stellte sich nämlich heraus, dass Blania-Bolnar nur nach bestimmten Informationen suchte und sie so anpasste, um seine These zu bestätigen. Er deutete also Wolski Antworten an, ermunterte ihn, falsche Elemente in die Geschichte einzuflechten. Zusätzlich deutete er der Öffentlichkeit an, dass der Bauer unmöglich zu hypnotisieren war, weswegen man Wolski keine falschen Informationen einreden könnte. Das war jedoch nicht der Fall. Aus den Untersuchungen folgt nämlich, dass der damals 71-jährige Mann, dessen Weltwissen stark beschränkt war, sehr anfällig für Suggestionen war.

Blania-Bolnar fand jedoch einen weiteren Zeugen, der das fliegende Raumschiff angeblich sah. Dieser war jedoch damals erst 6 Jahre jung. „Der angebliche Zeuge, der das Raumschiff bemerkte, das auch Wolski sah, war damals 6 Jahre jung und hat später seine Aussage zurückgezogen. Das war für mich keine Überraschung. Als ich die Tonaufnahmen von seiner Vernehmung aus dem Jahr 1978 Jahr abhörte, war ich überzeugt, dass er manipuliert wurde“, erklärte Rdułtowski. Das Kind behauptete, dass es am Himmel ein fliegendes Raumschiff sah. Doch laut seiner Mutter begann ihr Sohn die Geschichte zu erzählen, als die ganze Ortschaft bereits darüber sprach, was Wolski passiert ist. Er konnte sich also alles ausdenken. Blania-Bolnar ignorierte jedoch ihre Worte und erklärte den Jungen als einen glaubwürdigen Zeugen.

Die von Blania-Bolnar unternommenen Untersuchungen und Handlungen wurden auf zahlreichen Tonaufnahmen festgehalten. Aus ihnen erfuhr Bartosz Rdułtowski, dass diese fahrlässig, sogar nur um die Hypothese des Ufologen zu bestätigen, durchgeführt wurden.

Rache

Der größte Beweis dafür, dass die ganze Geschichte eine Mystifizierung war, sind Briefe zwischen Zbigniew Blania-Bolnar und Witold Wawrzonek, einem anderen Ufo-Liebhaber. Beide haben sich bereits früher gekannt, und Wawrzonek hegte einen riesigen Groll gegen Blania-Bolnar. Sie haben zusammen einige Zeit gearbeitet und nahmen kurz vor den Ereignissen in Emilcin an einer Fernsehshow teil. Dort wurde Wawrzonek, der sich für Hypnose interessierte und sicher war, dass man ihn nicht hypnotisieren kann, einer Hypnose unterzogen und Blania-Bolnar hat ihm falsche Erinnerungen über ein Treffen mit Außerirdischen eingeredet. Wawrzonek konnte sich mit einer so großen Demütigung nicht abfinden und hegte einen großen Groll.

Interessant ist, dass Wawrzonek auch Jan Wolski kannte und selber Blania-Bolnar über die Ereignisse in Emilcin informierte. „Sehr relevant war die Korrespondenz zwischen Blania-Bolnar und Wawrzonek. Sie brachte mich auf die Spur der ganzen Mystifikation, die in Emilcin stattgefunden hat. Wichtig war auch die Korrespondenz von Witold Wawrzonek mit anderen damaligen Ufologen. Sie skizzierte nämlich ein völlig anderes Bild des Ufo-Liebhabers und vor allem bewies sie klar und eindeutig, dass er Zbigniew Blania-Bolnar hasste und mochte es, Intrigen auszuhecken.“


Briefe von Zbigniew Blania-Bolnar und Witold Wawrzonek (Foto:  Bartosz Rdułtowski)

„Jahrelang wussten nur ein paar polnische Ufologen, dass Wawrzonek als erster mit Wolski sprach und als nächstes Blania-Bolnar über das Geschehen informierte. Daraufhin kam der Mann nach Emilcin und führte seine Ermittlung durch. Anfangs war es für mich merkwürdig, weil Wawrzonek selber dank Emilcin nicht nur in der polnischen Ufologie, sondern auch Presse bekannt werden konnte. Noch merkwürdiger schien es für mich, als ich einen Brief aus dem Jahr 1977 von Wawrzonek ergatterte, welcher an das Programm ‚Sonda‘ geschickt wurde. Darin war ein Bild eines angeblichen Ufos, das er selber gemacht haben sollte, mit einer genauen Beschreibung des Geschehens. Ein Beleg dafür, dass Wawrzonek in den Medien eine Karriere in Sachen Ufo starten wollte. Wieso nutzte er dafür Emilcin also nicht aus? Es stellte sich heraus, dass er Emilcin ausnutzte, jedoch in einer Weise, die keiner vorhersehen konnte“, kommentiert Rdułtowski. Sein Ziel war Rache. Wawrzonek wollte angeblich nach ein paar Tagen die Mystifikation auflösen und Blania-Bolnar blamieren, doch als er sah, wie schnell sich das Ganze entwickelt hat und wie viele Menschen daran teil hatten, hat er es nicht gemacht.

Wawrzonek hat angeblich den armen Jan Wolski hypnotisiert. Man kann also sagen, dass der ältere Bauer nicht log, als er über das Treffen mit Außerirdischen sprach. Er glaubte nämlich an das, was er erzählte. Rdułtowski betont, dass es seine subjektive Wahrheit war. Diese Tatsache kann beispielsweise die Beschreibung des Raumschiffes bestätigen – „Sie erinnerte nicht an typische Beschreibungen von fliegenden Tellern. Einerseits deutete es darauf, dass Wolski authentische Ereignisse beschrieb. Mich machte die Tatsache nachdenklich, wieso das von Wolski beschriebene Objekt seinem eigenen Haus ähnelte. Die Antwort lernte ich am Ende der Ermittlung kennen“.

Aufsehen

Die ganze Geschichte erlangte viel Aufsehen. Davon bekam auch Blania-Bolnar genug. Dank seiner langjährigen Arbeit an dem Thema wurde Emilcin für einen der am besten dokumentierte Ort eines Treffens mit einem Außerirdischen in Polen gehalten. „Die Beliebtheit von Ufos wuchs in der polnischen Presse systematisch ab dem Anfang der 70er-Jahre. Um den Rest kümmerte sich Blania-Bolnar, der seit ein paar Jahren Artikel zu dem Thema in der Presse veröffentlichte. Dank der potenziell gründlichen Untersuchung von Wolski, konnte er das ganze Ereignis als außergewöhnlich glaubhaft darstellen. Alles Weitere war das Ergebnis einer Kettenreaktion“, stellte der Autor des Buches „Tajne Operacje. PRL i UFO“ fest.

Und kaum jemand stellte die Schlussfolgerungen des Ufologen, welche in verschiedenen Publikationen enthalten waren, in Frage. Sogar nach dem Tod des Ufologen wollte keiner seine Arbeit verifizieren. An die Lösung des Geheimnisses ging Bartosz Rdułtowski heran, der alle verfügbaren Kassetten und Dokumente, welche mit der Geschichte verbunden waren, analysierte. Und seine Schlussfolgerungen lösten ziemlich große Kontroversen aus. Es stellte sich nämlich heraus, dass in Emilcin niemals ein Ufo landete, das ganze Geschehen war abgekartet. Der Hauptgrund? Rache. Für manche kann es kindisch und unvorstellbar sein, doch es ist schwer, Fakten zu bestreiten. „35 Jahre lang regierte in der Angelegenheit von Emilcin die sogenannte dritte Wahrheit vom Priester Tischner („Es gibt drei Wahrheiten: die heilige Wahrheit, die Auch-Wahrheit und die Scheißwahrheit” – Anm.d.Red.). Ich denke, dass die in meinem Buch «Tajne Operacje. PRL i UFO» vorgestellten Fakten und Dokumente, die verborgene Wahrheit hinter der Geschichte zeigen.

Emilcin kann man also nicht als das polnische Roswell bezeichnen. Das Einzige, was laut Rdułtowski die beiden Orte verbindet, ist die Tatsache, dass weder in den USA noch in Polen ein Ufo gelandet ist. Trotzdem wurde in der Ortschaft vor ein paar Jahren ein Denkmal aufgestellt, dass die Begegnung von Wolski mit den Außerirdischen verewigt. Es ist der Gegenstand eines großen Interesses seitens der Touristen und Reisenden. Besonders dieser, welche nach Beweisen der Existenz außerirdischen Lebens suchen. „Es wurde von der Stiftung Nautilus aufgestellt, welche vor vielen Jahren feststellte, dass man aus den Geschehnissen in Emilcin leicht ein mediales Kapital schlagen kann. Die Tatsache, dass sie Stiftung immer noch existiert und dank den Spenden vieler Bewohner Polens Fox Mulder spielt, beweist, dass man auf dem Planeten immer noch Menschen finden kann, welche an Ufos glauben. Mit Ufos selbst ist es etwas schwieriger…“

Emilcin ist also kein Ort, in dem ein Ufo landete, Wolski traf keine Außerirdischen und Blania-Bolnar und Wawrzonek waren einfach nur Betrüger. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass diese Ortschaft auf ihre eigene Art und Weise besonders ist. Wenn auch wegen der Farce, die hier inszeniert wurde. 

Dieser Artikel stammt aus dem PolenJournal-Magazin (Onlineausgabe 1/2021) 

 

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