Von den Verstorbenen trennt uns nur die Zeit - Die Schädelkapelle von Czermna

 

Sie lockt heran, ruft Unheimlichkeit hervor, bringt zum Nachdenken. Dieses einmalige Werk der religiösen Kunst ist ein besonderes Bild der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen. Über die Schädelkapelle in Czermna erzählte PolenJournal.de der Reiseführer Sławomir Stasiak.

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Mittwoch, 12. Mai 2021
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Aerodynamische Vorhangsfassade des Bahnhofs / Bild: Adam Korulczyk
Aerodynamische Vorhangsfassade des Bahnhofs / Bild: Adam Korulczyk

Hört man das Wort „Luxus“, spürt man sofort die Raffiniertheit des Samts sowie die Kälte des Marmors an  den Fingerspitzen und sieht die erhabene Farbnuance des Mahagonis. Diesen unabdingbaren Elementen des Luxus’ verleiht der Architekt und Visionär Adam Korulczyk in seinen eigenen Entwürfen futuristische Züge. Die typische aerodynamische Linie ist eines seiner Markenzeichen, unabhängig davon in welchem Kontext, sei es an einer Gebäudefassade, der Innenarchitektur oder auf luxuriösen Jachten sie Anwendung fand. Nach fast 20 Jahren in der Branche ist Adam Korulczyk in der Lage, die Vision der Investoren zu verwirklichen und gleichzeitig ihre Identifikation mit dem Designer nicht zu verlieren. Wie kann die Architektur das formal-designerische und das ökonomisch-funktionale Stigma überwinden, um das Niveau der Kunst zu erreichen?

Emanuela Janda (PolenJournal.de): Sie haben Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste in Gdańsk/Danzig studiert. Zurzeit reicht Ihre Tätigkeit weit über die Innenarchitektur hinaus. Sie beschäftigen sich außerdem mit der Fassadenbeleuchtung sowie mit dem Design von architektonischen Unikat-Objekten.

Adam Korulczyk (KAG Architecture): Eines der Fächer während des Studiums an der Akademie war die Propädeutik der Stadtplanung, wo wir die Abhängigkeit der Innenarchitektur und der Stadtplanung lernten. Es war ein theoretisch-praktischer Lehrveranstaltungszyklus, genannt „dialogische Stadt”. Hier wurde mir bewusst, dass die Innenräume der Mietshäuser und Bürogebäude in einem Dialog mit dem Kontext der Straßen und Gebäudefassaden stehen. Hier lernte ich den Begriff der Skala zwischen dem Innenraum der Häuser und des Außenraums kennen, sowie den Dekodierungsprozess des Außenraums im Kontext des Innenraums. Diese Analyse veranlasste mich dazu, weitsichtiger auf das Innenraumdesign zu schauen.

Die Gebäudeskala wurde zur Möbel- und einzigartigen Innenausstattungsskala. Die Maßstäbe und Ornamente der Fassaden gingen auf dem Wandschmuck in die Innenräume über. Werbeschilder und andere Aufschriften an den Gebäudefassaden bildeten eine Analogie zum Corporate Design und Wandverzierungen in der Form von Malerei in den Innenräumen. Fontänen, Außenausstellungsobjekte und effektvolle Überführungen sind nichts anderes als Skulpturen und Beleuchtungskonstruktionen. Die ganze Stadtstruktur, ihre Funktionalität und Form sind auf die Innenarchitektur übertragbar. Der Einfluss und die stadtplanungs-geometrische Analyse der Verkehrsadern in den Hauptstädten flossen in meine Wahrnehmung der Innenarchitektur hinein.

Diese Zusammenhänge und die Wahrnehmung der „austauschbaren Architektur“ stellten eine Ordnung in meinem Design auf, die  auf den  ersten Blick als reiner Zufall wahrgenommen werden mag, aber in Wahrheit auf handfesten Kunstprinzipien aufgebaut ist. So sah die erste Etappe in meiner Wahrnehmungsumstellung von der Mikro- zur Makrodesignskala aus.

Die Suche nach meinem individuellen architektonischen Ausdruck führte mich zur Ausarbeitung eines geometrischen Codes. Es handelt sich um eine originelle stilistische Linie, die ich in meinen Designs verwende. Konstruiert auf der Basis des goldenen Schnitts, setzt sie sich aus mehreren Abschnitten zusammen, die miteinander durch Bögen in entsprechender Konstellation und räumlicher Harmonie in einer aerodynamischen Geometrie einkomponiert sind. Dadurch entstand eine originelle, sich wundervoll in meine multidisziplinären Projekte einfügende komponierende Stilistik.

Sie sind schon fast 20 Jahre in der Designbranche tätig. Wie veränderte sich ihre Wahrnehmung der Architektur im Laufe der Jahre?

Mein Abenteuer mit Kunst und Design begann 1989, als ich eine Auszeichnung in einem Schulkunstwettbewerb „Hilfe bei einer Katastrophe“ erhalten habe. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich einen Rettungshelikopter mit einer an  einem Seil hängenden Trage gezeichnet habe, die Opfer einer Flugzeugkatastrophe bergen  sollte. Diese Auszeichnung gab mir Antriebskraft, um sich mehr mit der Kunst auseinanderzusetzen. Damals konnte man auf Videokassetten amerikanische Filme kaufen. Sie alle zeigten den  American Dream mit dem Manhattan-Panorama im Hintergrund. Solch eine Anhäufung von Hochhäusern in einem Bild erwirkte damals in mir einen enormen Eindruck. Oftmals griff ich nach einem Lineal und einem Blatt Papier und versuchte eifrig das Gesehene in der Perspektive zu zeichnen. Ich wusste noch nichts über geometrische Grundlagen, aber ich gab mein Bestes, um architektonische Strukturen mithilfe der Perspektive wiederzugeben. Etwas zog mich in die Richtung der Geometrie und bildenden Künste wie ein Magnet.

1992 bestand ich die Aufnahmeprüfung des Lyzeums der Bildenden Künste in Olsztyn/Allenstein. Dort lernte ich die Grundlagen des Grafikdesigns, der technischen Zeichnung, der Kalligrafie, Malerei sowie der akademischen Zeichnung, Bildhauerei und dreidimensionaler Raumkomposition. Sowohl die Kunstgeschichte wie auch die technische Zeichnung, die ich in der Schule erlernt habe, beeinflussten meine Berufswahl. Ich stand aber am Anfang eines langen Weges. Eine weitere Etappe bildete das Interesse für die Grundlagen der darstellenden Geometrie. 

1997 begann ich Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste in Gdańsk/Danzig zu studieren, wo ich sowohl meine Kenntnisse im Bereich der Kunst als auch Design erweitern konnte. Zeichnung, Malerei, Bildhauerei, Grafik, Architekturdesign – umrahmt durch die Stadtplanung – schmolzen in eine klare Raumwahrnehmung zusammen und verliehen den neu entworfenen Formen eine Grundstilistik.

Ich entdeckte einen gemeinsamen Nenner für die Wahrnehmung der architektonischen Mikro- und Makroskala, die durch eine ausgewogene multi-geometrische Struktur verbunden war. Diese hingegen wurde auf den Grundlagen des bildhauerischen Kontraposts und des goldenen Schnitts des Raums aufgebaut. Es war ein weiterer Schritt meiner künstlerischen Entwicklung.


Adam Korulczyk

Die Umsetzung der neuen Kenntnisse in die Tat stellte  bestimmt eine Herausforderung dar.

Man kann es so sagen. Meine nächste Station war die Arbeit in der Dreistadt. Ich machte meine ersten Schritte in der Branche. Ich arbeitete in den unterschiedlichsten Designateliers an Schrankentwürfen und Küchenmöbeln. So lernte ich die Technologie und den Markt kennen.

Weitere Erfahrungen brachte mir die Arbeit in einem Architekturatelier in Gdynia/Gdingen. Erst 2005 führte mich mein Weg  nach Warszawa/Warschau, wo ich mein Design in renommierten Ateliers verbessern konnte. Dazu zählte auch ein Atelier, das sich mit dem Innendesign für Corporate Banking und Private Banking befasste.

2010 gründete ich meine eigene Firma, die sich zurzeit mit spezialistischem Design in den Bereichen Architektur, Innenräume, Möbel und Grafik befasste. Ich gewann den Wettbewerb für die Aktualisierung des Standardisierungsbuchs aller Filialen der ING-Bank in Polen, die ich als „Interior Standardisation Book“ bezeichne. Dabei handelte es sich um ein komplexes Design aller Aspekte der Innenausstattung. Ich koordinierte die Umsetzung des Entwurfs – angefangen von den Fußböden über einzigartige krummlinige Wände und Systemverglasung, Decken, Beleuchtung, elektrische Maßnahmen, Klimaanlagen und Sicherheitssysteme bis zu originellem Möbeldesign und Katalogsausstattung.

Meine Architekturwahrnehmung entwickelte sich fortwährend. Jeder neue Entwurf ist eine neue Herausforderung, welche die Umwandlung der künstlerischen Prozesse und das Ausführungsbewusstsein determinieren.

Sie sind ein Visionär, Künstler und Designer – solche Informationen findet man im Internet. Inwieweit wechselt sich in ihren Entwürfen die Kunst mit der Funktionalität ab? Hängt es vielleicht von dem Charakter des Raums oder Orts, in welchen Sie arbeiten, ab?

Die heutigen Designerwerkzeuge ermöglichen sehr komplexe geometrische Strukturen und einzigartige stilistischen Linien der Architektur und des Designs zu entwerfen. Dabei kann die Architektur ohne einen Empfänger nicht existieren.

Das Visionäre ist nichts anderes als das Schaffen von aerodynamischen geometrisch-strukturellen Aspekten, die dem Anschein nach nicht realisierbar sind. Pragmatisch gesehen, kann man sie jedoch realisieren. Ihre Kunstfertigkeit hingegen verleiht ihnen eine architektonische Leichtigkeit und Einzigartigkeit. Meine Architektur scheint geometrisch zu „fliegen“, ist aber statisch in der ausgeführten Wirklichkeit verankert.

In meinen Entwürfen verkleide ich die Erwartungen des Investors in die von mir vorgeschlagenen geometrischen und innovativen stilistischen Details. Es ist ein eigenartiger und klarer Dialog zwischen dem geschaffenen Stil, den funktionellen Richtlinien des Investors und dem geometrischen, farbigen sowie  strukturellen Schönheitskanon, der durch originelle und edle Details vollendet wird. Das alles wird mit Hilfe einer reellen, technischen Sprache transkribiert, die aus genausten Informationen für die Ausführung besteht.  

Wie beginnen Sie die Arbeit an einem neuen Projekt?

Die erste Grundphase eines Projekts – gleich nach der Analyse der Erwartungen des Investors – ist die Dekodierung des bereits vorhandenen und des geplanten räumlich-kulturellen Kontexts. Bei der Arbeit an einem architektonischen Konzept, die  auch die Funktionalität des Geländes umfasst, berücksichtige ich die lokalen Bedingungen, welche  aus dem Raumordnungsplan hervorgehen. So werden die Rahmen bestimmt, aufgrund welcher die neue Kreation  geschaffen  werden kann. Ein weiterer Aspekt, den man in  Erwägung ziehen muss, sind die Inspirationen und Richtlinien des Investors bezüglich der Funktion des Objekts, wie auch der einzelnen Räume. Dabei muss man im Einklang mit seinem Lebens- und Arbeitsstil bleiben.

Die visionäre Haltung macht nur einen kleinen Bruchteil von dem künstlerischen Potential eines Designers aus. Den Rest bilden andere Fähigkeiten, zu welchen das eigentliche Entwerfen zählt – und dieses basiert meiner Meinung nach nicht auf dem Hineinstellen fertiger Ausstattungselemente oder fertiger quaderförmiger Formen in den Raum, sondern auf der Kreierung einer originellen und raffinierter stilistischen Linie, die in den Rahmen der Erwartungen des Investors hineinpasst. Es ist eine wahre Kunst, in diesem kleinen Schöpfungsgebiet etwas Individuelles und Originelles anzubieten. Somit handelt es sich um die Fähigkeit, sich auf einem „kleinen“ Gebiet künstlerisch bewegen und ausleben zu dürfen. Dieses Gebiet kann gleichzeitig klein und groß sein – alles hängt von dem Potenzial des Architekten ab.

Sie sind der Gründer des Stils Luxury Futuristic Design. Was versteckt sich hinter diesem Namen?

Die Anwendung u.a. in der Jachtausstattung von Mahagoni und Maserholz, die mit dutzenden Schichten von Hochglanzlacken überzogen sind, Nubuk-, Wildleder- und Samtpolster, Perlmutterinkrustierungen, polierter natürlicher Marmor Crema Marfil oder der mit Harz überzogene Travertin – alle diese Stoffe zählen auf der ganzen Welt zur luxuriösen Ausstattung. Wenn wir diese Elemente in eine feine, außergewöhnliche aerodynamische Linie einkleiden, bekommen wir den von mir entworfenen Stil, den ich als Luxury Futuristic Design (LFD) bezeichnet habe. Er ist zum Beispiel in der Innengestaltung einer Residenz in dem Warschauer Stadtbezirk Mokotów zu beobachten, an der ich gerade arbeite (Case Study 015). Das Hauptziel bei  dieser Investition war das Design der Innenräume in der LFD-Stilistik. Diese kam zum Ausdruck u.a. in der Linie der Möbel an der Bar, wie auch im  akustischen Deckenteil in dem Chillout-Raum, an den Wänden im Schlafzimmer und in dem Wandsystem im Wohnzimmer. Die gleiche Herangehensweise kennzeichnet die vertikalen Elemente der Balustraden, wo die futuristische Geometrie mit dem klassischen und eleganten Material des Handlaufs verbunden wurde. Die LED-Kantenbeleuchtung in dem vertikalen Fenstersystem im Salon, der mit einem Sandmuster in klassischen  Vintage-Stil geschmückt ist, führt ebenfalls die genannten Aspekte der Ausstattung zusammen.

Heutzutage arbeitet man im Bereich der Architektur oft mit dem Prinzip Copy-Paste. So wird das Entwerfen schneller und gleichzeitig spart man am kreativen Teil der Arbeit, was auch die Produktionskosten verringert. Man kopiert die Stoffe und Ausführungen, was dazu führt, dass man im Großteil der architektonischen Objekte kaum Elemente vorfindet, die den Designer identifizieren lassen. Es sind nur Produkte ökonomisch-funktioneller Faktoren.

Durch die Anwendung von Elementen des dreidimensionalen LFD-Codes fließt die stromlinienförmige und bionische Geometrie in die Architektur hinein. Dank ihr werden die funktionellen und die, das Image aufbauenden Erwartungen des Investors mit den individuellen Aspekten des künstlerischen Ichs des Architekten vereint.

Eine moderne Villa nach dem Entwurf von Adam Korulczyk

Es handelt sich also um die neueste Generation des Designs?

Der Begriff der neuesten Generation des Designs ist nichts anderes als das Ergebnis der Erwartungen sowie  der Nachfrage nach stets neueren stilistischen Aspekten der Architektur, deren Merkmale in dem Phänomen der Linienführung und Struktur der geometrischen Aerodynamik erkennbar sind.

Trotz Ihrer Vorliebe zur futuristischen Stilistik, kann man in ihrem Portfolio auch Entwürfe finden, in denen  Elemente traditioneller Architektur auftreten – zum Beispiel die japanische Residenz in Ukta oder das Design des Chopin-Studios.

Tatsächlich gibt es solche Ausnahmen, wo die Entwürfe durch klassische Merkmale gekennzeichnet sind. Diese Designs knüpfen an die Geometrie der klassischen architektonischen Ordnungen und fernöstlichen Stilistik an. Solche Projekte bilden in  gewisser Weise eine Abwechslung zum LFD-Design.

Sie arbeiten an Entwürfen, die an  den unterschiedlichsten Orten  erbaut werden. Entdeckten Sie irgendwelche Unterschiede in der Betrachtungsweise der Architektur und des Designs?

Die Mehrheit der Institutionen, mit welchen ich zusammengearbeitet habe, bevorzugte die moderne Linie mit LFD-Akzenten, und so war ich in der Lage den innovativen Erwartungen der Investoren entgegen zu kommen. Den lokal-kulturellen Elementen  wird in solchen Fällen eine dekorative Funktion zugeschrieben. Ein gutes Beispiel dafür ist die aerodynamische Vorhangsfassade des Bahnhofs, an dem ich gerade arbeite (Case Study 030). Wenn wir den neuesten  Trends in der Architektur LFD-Elemente zuordnen, entsteht ein origineller Charakter von Fassaden, Innenräumen und Design, was man mit dem Begriff „neueste Generation des Designs“ bezeichnen kann.


Ein Rahmenwolkenkratzer nach dem Entwurf von Adam Korulczyk

Wie bereits angesprochen wurde, arbeiten Sie in unterschiedlichsten Bereichen – Sie entwerfen stilistische Linien für Jachten, unterschiedliche Institutionen, Flughäfen, Einkaufszentren, Krankenhäuser usw. Womit können ihre potentiellen Kunden rechnen?

Die Architektur hat zwei Grenzen. Den ersten Pol bildet die Fantasie des Designers. Den zweiten – die technischen Möglichkeiten. Wenn wir uns zwischen ihnen geschickt und methodisch bewegen, können wir auch auf unzähligen Ebenen arbeiten. Bei Krankenhäusern, Bahnhöfen, Flughäfen sowie Einkaufszentren beeinflussen ihre präzisen Richtlinien die Architektur. Hier determiniert die Funktion den Charakter der Raumteilung und Kommunikation.

Alle diese Aspekte und Faktoren, die in solchen Objekten immer wieder auftreten, behalte ich mir im Hinterkopf. Meine Grundaufgabe besteht darin, ein System von Objekten zu schaffen, die das  Nutzungsprogramm bestimmen. Dies geschieht in Auseinandersetzung mit den Erwartungen des Investors. Potenzielle Investoren können eine persönliche Herangehensweise erwarten. Jedes Projekt führe ich mit größter Sorgfalt aus. Nur so bin ich in der Lage, präzise die Erwartungen des Kunden in den architektonischen Objekten, in den Innenräumen und im Design umzusetzen.

Finden Sie, dass die Architektur heutzutage eine Mission ausfüllt? Vielleicht haben Sie Ihre eigene?

Ich bin der Meinung, dass die Architektur – genau wie in der Vergangenheit – von dem Gesellschaftsstatus des Kunden zeugt. Die größten Investoren der Welt wetteifern miteinander um stilistisch innovative Durchführungen, was die Maßstäbe in der Architekturbranche immer höher legt. Das Gebäude Burj Khalifa in Dubai, das mich  bereits während seiner Entstehung 2009 mit der Skala und zurückhaltenden Form verblüffte, ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Einen noch größeren visuellen Eindruck machte das 1999 fertiggestellte  Hotel Burj Al Arab. Es wurde zum luxuriösen Akzent und architektonischen  Perle Dubais. Diese vor Luxus triefende und gleichzeitig zurückhaltende architektonische Ikone ist gleichzeitig ein symbolisches Synonym der Marktposition der Investoren. Während meiner nächsten Aufenthalte in den Vereinten Arabischen Emiraten sah ich mir ein weiteres Gebäude in Abu Dhabi an – das Emirates Palace. Auch dort beobachtete ich klassizistische  architektonische Details und Ausstattung höchster Qualität. Diese Objekte unterscheiden sich durch ihre Stilistik, sind aber zugleich einnehmend. Sie verbinden die dialogischen Aspekte der Gegenwart und des Futurismus mit dem klassischen Stil der Ornamentik des Innenraums und Details der Fassade. 

Meine Mission ist die Entwicklung origineller architektonischer Lösungen mit individuellem geometrischem Charakter, die das Leben und die Arbeit der Menschen unterstützen.


Ein aerodynamischer Bahnhof nach dem Entwurf von Adam Korulczyk

Auf Ihrer Homepage findet man das Zitat: “Geometry touched by spark of talent is the visionary essence of architecture style”. Könnten Sie dies erläutern?

Ein Funken des Talents filtert das gewisse Etwas aus der Architektur heraus. Viele Architekten unterschiedlicher Werke haben dieses Talent. So sind sie in der Lage, Kunstwerke zu schaffen. Wenn ein Architekt daran arbeitet, etwas nicht nur Oberflächiges zu erschaffen, analysiert er alle Faktoren, um die besten Vorschläge bezüglich der Erwartungen des potentiellen Investors geben zu können. 

Wenn man das vom Schöpfer gegebene Talent im Designprozess einsetzt, entsteht eine perfekt geometrisch und strukturell ausgewogene Form – die Essenz der Architektur. Der Rest ist die Antwort auf die Raum- und Nutzungsbedingtheiten. Ohne den Einsatz des Talents bildet die Architektur nur eine rein formell-designerische Antwort.

Wie bringen Sie die Vision des Kunden mit Ihrer eigenen in Einklang?

Der Kunde sucht nach der Verwirklichungsmöglichkeit seiner Vision durch einen Designer, der mit jenen  Ausdrucksformen arbeitet, die mit seiner Konvention übereinstimmen. Man kann also durchaus sagen, dass eine Person, die einen Designer sucht, bereits über  eine Präferenz-Schablone verfügt, die mit den Entwürfen und Realisierungen des potentiellen Schöpfers zusammenlaufen. Der Investor selbst ist ein Mitschöpfer und gibt die Genehmigung, seine Vision in die Ausdrucksformen zu verkleiden, die – durch den Künstler transformiert – die Verwirklichung seiner Idee ermöglichen. Der Architekt bringt das Konzept des Kunden heraus und verschafft ihm eine Form.

Ein präziser Dialog des Designers mit dem Kunden dient dazu, eine komplette Datensammlung vorzubereiten, auf deren Basis dann die Realisierung stattfindet, die beide Seiten zufrieden stellt.

Konzeption des Pharma-Standortes eines Privatinvestors in Abu Dhabi

Ist das Endergebnis eine Geldfrage?

Designdienstleistungen und ihre Verwirklichung gehören auf den Markt. Wenn man auf dem Markt erfolgreich werden möchte, braucht man das Kapital. Nur so kann man ein Atelier eröffnen und unterhalten. Damit die geometrische Form verwirklicht werden kann, braucht man den ersten künstlerischen Faktor – die Idee. Diese ist somit  das meist geschätzte Marktprodukt. Die daraufhin folgenden Schritte sind nur deren materielle Begründungen. Wir reden von dem  wichtigsten und meist geschätzten Kunstgebiet, welches  die Transformation  einer Idee in ein Endergebnis ermöglicht.

Während des Designprozesses tritt die Konzeptionsetappe zyklisch auf, obwohl man annimmt, dass es nur am Anfang der Fall ist. Ein gutes Thema muss die ganze Zeit verifiziert werden. Der Architekt analysiert während des gesamten  Prozesses alle nacheinander erfolgten Zustände und überprüft seine Arbeit. Dies hält er in den Entwürfen fest. Einem guten Schachspieler ähnlich, erkennt er mögliche Konflikte, stellt zukünftliche Überlegungen an und schließt die eventuellen Kollisionen aus, damit seine Arbeit in jedem Aspekt perfekt ausgewogen ist. Der Investor kauft nicht nur den Vertragsgegenstand, sondern auch die Zeit des Architekten, die in dem Objekt festgehalten wird.

Ein potentieller Investor kennt die Businessprinzipien und besitzt die Fähigkeiten, das architektonische Produkt in einen Gewinn zu verwandeln. Es kann Anerkennung, der Handelswert oder Benutzungskomfort sein. Der Investitionsstatus ist eine Geldfrage. Der Geldbeutel des Kunden trifft den künstlerischen Geldbeutel des Architekten und so entsteht ein perfektes Produkt, mit welchem beide Seiten zufrieden sind.


Moderne Wolkenkratzer nach dem Entwurf von Adam Korulczyk




Innenräume der Corporate-Filiale der ING-Bank in Lódź/Lodz in der Kopcińskiego-Straße

Welches Ihrer Designs oder erschaffenen Objekte ist Ihr Favorit?

Ich habe kein Lieblingsthema, da jeder Entwurf individuell in seiner Form, Inhalt und Bearbeitung ist. Ich bevorzuge Unternehmen, in welchen ich meine geometrische Sensibilität zum Vorschein bringen kann. Einige Beispiele dafür: die vorletzte Konzeption des Pharma-Standortes eines Privatinvestoren in Abu Dhabi (Case Study 026) oder der Entwurf des Magnetbahnhofs in Jakarta (Case Study 024). Dazu zählen auch die Innenräume der Corporate-Filiale der ING-Bank in Łódź/Lodz an der Kopcińskiego-Straße (Case Study 009). Das gemeinsame Merkmal aller dieser Vorhaben ist durch den geometrischen Faktor, der auf dem LFD-Code basiert, gekennzeichnet.

Unter den interessanten Ideen, die nach dem goldenen Schnitt im modernistischen Stil entworfen wurden, finden wir eine Residenz, die ich Makarska Riviera (Case Study 018) genannt habe. Es handelt sich um eine Konzeption für einen ausländischen Kunden in Kroatien. Oftmals arbeite ich nur an dem architektonischen Konzept, da die Investoren hauptsächlich ausgewogene Entwürfe erwarten, die sich in den Kontext einkomponieren und gleichzeitig ihre Funktion erfüllen. Dieser Arbeitsteil ist sehr zeitaufwendig. Dieses Objekt ist das Endziel einer Suche des Investors nach einem autonomen Raum, weit von dem Lärm der Stadt entfernt. Das Objekt setzt sich aus einer Quaderkomposition, die nach dem goldenen Schnitt konzipiert wurde, zusammen. Die Strebepfeiler scheinen sich in die Landschaft und Struktur des Tals einzuklammern. In dem Innenraum wurden vertikale, mobile Grasflächen eingesetzt, die den Dialog des Interieurs mit der Küstenlandschaft und der sie umgebenden  Natur ermöglichen. Eine der Wände bildet die natürliche Felsenwand. Das Gebäude ist in zwei voneinander unabhängige Teile getrennt – einem Wohn- und Bürobereich, wo sich im Atrium eine Grünanlage befindet – so wird das Mikroklima bei schlechtem Wetter attraktiver.

Jedes Projekt ist für mich sehr wichtig – mit jedem fühle ich mich auf der mentalen Ebene verbunden.


Residenz im Warschauer Stadtbezirk Mokotów

Wie fühlt es sich an, wenn ein Konzept, das  zuerst in ihrem Kopf entstand, dann aufs Papier übertragen wird und schließlich – nach mehreren Etappen – sich vor Ihren Augen materialisiert?

Eigentlich unterscheide ich drei Momente, in welchen der Zufriedenheitsgrad jeweils am höchsten ist. Erstens ist es die künstlerische Phase, in welcher meine Vision den Erwartungen des Investors entgegenkommt. Dann ist es der Augenblick, wo ich den Bauplatz betrete. Die Idee erlebt eine Neugeburt. Schließlich der letzte Moment, wenn die Investition die offizielle Eröffnung feiert. Die restliche Zeit füllt die Lücken zwischen diesen Etappen mit Geduld aus.  

Welche Herausforderung im Bereich der Architektur und des Designs würden sie sich gerne in Ihrer Karriere stellen?

Ich habe viele architektonische Lösungen in meinem Kopf, die sich ständig weiterentwickeln. Außer solchen architektonischen Objekten, wie Jachten, Flughäfen, Residenzen auf Felsenhügel, Einkaufszentren und Wolkenkratzern, arbeite ich sehr gerne an Appartements, Banken und Vorhallen, die zehn Etagen umfassen.

Ich träume aber von einem multifunktionalen architektonischen Komplex, der 100 Kilometer lang wäre und durch erneuerbare Energiequellen – die Sonne, den Wind, das Wasser und die Geothermie – angetrieben würde. Wenn sich eine ernste Investorengruppe für solch eine Initiative fände, werde ich mein multi-strukturelles architektonisches Konzept gerne vorstellen. 

 

 
Residenz Makarska Riviera nach dem Entwurf von Adam Korulczyk
 

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