Hauptmenü
Anzeige

Neue Orgel für das Nationale Musikforum in Breslau. Foto: NFM/Lukasz Rajchert
Neue Orgel für das Nationale Musikforum in Breslau. Foto: NFM/Lukasz Rajchert

4.700 Pfeifen in 84 Reihen mit 80 Stimmen – die neue Orgel des Nationalen Musikforums in Wrocław (Breslau) ist ein Instrument der Superlative. Sie wurde eigens für das moderne Musikhaus von Orgelbau Klais aus Bonn angefertigt und wird erstmals am 24. und 25. Oktober in mehreren Konzerten vor Publikum ertönen. Nur wenige Schritte entfernt wird in der Elisabethkirche am Marktplatz derzeit eine Orgellegende rekonstruiert. Die ursprüngliche barocke Engler-Orgel wurde 1976 ein Raub der Flammen.

Mit Julian Gembalski und Karol Mossakowski werden die derzeit bedeutendsten Organisten Polens das neue Instrument einweihen. Der eine ist der Nestor der Zunft, der andere der talentierteste Nachwuchsorganist. Gembalski wird am 24. Oktober Werke des französischen Barockkomponisten François Couperin und des Breslauer Romantikers Moritz Brosig präsentieren. Mossakowski interpretiert Marcel Dupré und Franz Liszt. Beide Musiker werden zudem eigene Improvisationen darbieten, um den kompletten Umfang des monumentalen Instrumentes vorzuführen.

Ebenfalls am 24. Oktober wird es ein zweites Konzert mit Werken unter anderem von Johann Sebastian Bach, Maurice Ravel, Jan Podbielski und César Franck geben. Es spielen Andrzej Chorosiński, Elżbieta Karolak und Józef Serafin. Weiter geht es am 25. Oktober mit gleich drei Konzertveranstaltungen. Um 11 Uhr erklingen im Rahmen der Familienkonzertreihe so unterschiedliche Kompositionen wie Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur von Bach, das Stück Rhythmic Trumpet von Seth Bingham oder das Alleluia von Giuseppe Rosetta. Beim Nachmittagskonzert um 15 Uhr sind Stücke von sechs verschiedenen Komponisten aus unterschiedlichen Epochen zu hören, darunter Dietrich Buxtehude und Zbigniew Kruczek. Am Abend wird es schließlich eine Vorführung des Stummfilmklassikers „Phantom der Oper“ von Rupert Julian mit Orgelbegleitung geben. Die Eröffnungskonzerte waren ursprünglich schon für den April 2020 geplant, mussten aber aufgrund des Corona-Lockdowns ausfallen.

Die renommierte Orgelbaufirma Klais orientierte sich beim Entwurf des Instruments an französischen symphonischen Orgeln des 19. und 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus verfügt die neue Orgel auch über Stimmungen im Stil der deutschen Romantik und verschiedene Perkussionsstimmen. Verbaut wurden Pfeifen mit einer Gesamtlänge von 1.850 Metern. Die längste misst rund zehn Meter, die kleinste nur etwa elf Millimeter. Das 14 Meter hohe, neun Meter breite und viereinhalb Meter tiefe Instrument wiegt 30 Tonnen. Eine Besonderheit ist der Platz des Organisten. So gibt es einen fest installierten Sitz direkt am Instrument sowie ein transportables Orgelpult für den Gebrauch im Bühnenbereich, was für das Zusammenspiel mit dem Orchester von großer Bedeutung ist.

Modell der Orgel in der Elisabethkirche. Foto: Klaus Klöppel

Die Spezialisten um Philipp Klais sind auch an einem anderen Projekt in der Odermetropole beteiligt. Gemeinsam mit Firmen aus Polen und Frankreich verhelfen sie einer Legende zu neuem Leben. Die Orgel der Kirche St. Elisabeth war das letzte große Werk des bedeutenden Breslauer Orgelbauers Michel Engler d.J., das erst ein Jahr nach seinem Tod vollendet wurde. Ein wichtiger Abschnitt der seit mehreren Jahren andauernden Rekonstruktionsarbeiten wurde unlängst abgeschlossen. So konnte im Zuge der Restaurierung der gotischen Backsteinkirche die Grundkonstruktion aus Eichenholz wieder eingebaut werden. Nachdem diese mit Skulpturen aus Lindenholz und Goldornamenten verzierte Konstruktion durchgetrocknet ist, soll der Aufbau des eigentlichen Instrumentes folgen.

Die Rekonstruktionsarbeiten des 1976 bei einem Brand bis auf wenige Details komplett zerstörten Instrumentes gestalteten sich schwierig. So waren keine Originalpläne erhalten und auch die wirkliche Farbgebung war nicht restlos zu ergründen. Da alte Fotografien nur teilweise Hilfestellung gaben, mussten aufwendige Untersuchungen der wenigen Überbleibsel durchgeführt werden. Die Zahl der Ornamente und Figuren der knapp zehn Meter breiten, 15 Meter tiefen und 16 Meter hohen Orgel mit 91 Stimmen liegt bei rund 500. Die Fertigung der musikalischen Elemente des Instrumentes liegt bei Orgelbau Klais. Der Abschluss der Arbeiten ist für das kommende Jahr vorgesehen. Dann soll das Ausnahmeinstrument auch erstmals wieder vor Publikum erklingen.

Informationen zum Nationalen Musikforum unter www.nfm.wroclaw.pl Informationen über Wrocław unter www.visitwroclaw.eu Allgemeine Informationen über das Reiseland Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www.polen.travel

FB


Twiter


Youtube