Eine Route voller Tradition

Eine ideenreiche und einzigartige Attraktion, die zahlreiche Touristen anzieht, ist das Ergebnis eines polnisch-slowakischen Projektes. Worum geht es? Um die Route der historischen Rezepturen im Karpatenvorland und der Slowakei.

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Dienstag, 07. Juli 2020
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Foto z.V.g. von Pro Liberis Silesiae
Foto z.V.g. von Pro Liberis Silesiae

Mit Dr. Małgorzata Wysdak, der Vorstandsvorsitzenden des Vereins Pro Liberis Silesiae, sprach Krzysztof Świerc

Krzysztof Świerc: Wer hatte als Erster die Idee zu Pro Liberis Silesiae?

Dr. Małgorzata Wysdak: Der Verein Pro Liberis Silesiae/Für die Kinder Schlesiens entstand 2008 als Initiative von Pädagogen und Eltern. Uns war es damals schon lange durch den Kopf gegangen, eine Alternative zu klassischer Bildung zu schaffen, welche die Eigenart der Region am besten zweisprachig berücksichtigen würde. Die Anfänge waren sehr schwierig, im Jahr 2009 entstand zunächst die Einrichtung in Raschau anstelle einer geschlossenen Grund- und Vorschule. Schwierig war nicht nur der Sprung in tiefes Wasser – die Betreuung von gleich sechs Schul- und Vorschuljahrgängen –, sondern auch all die Veränderungen, vom Verzicht auf Glocken und längeren Pausen bis hin zum Arbeitskonzept nach der Montessori-Methode und der Zweisprachigkeit. Menschen haben Angst, sie mögen keine Veränderungen, aber heute wissen wir, dass dieser Weg sich als eine gute Wahl erwiesen hat, als erfolgreiche Bildung. Unsere Absolventen bestehen ihre Prüfungen sehr gut, werden an ihren Traumschulen aufgenommen und sind bei uns glücklich…

Was war das Hauptziel bei der Gründung Ihres Vereins?

Ziel der Vereinsgründung war vor allem, Bildungseinrichtungen einer anderen Art zu etablieren, die zu Änderungen gern bereit sind, die gegen den Strom schwimmen, ohne Glocken und erzwungene 5-Minuten-Pausen, wo die Kinder sich gut aufgehoben fühlen und freie Wahl im Rahmen des montessorianischen Unterrichts haben, wo ein Fehler eine Chance ist zu verstehen und zu lernen, und wo sie viele Inhalte zweisprachig auf Polnisch und Deutsch lernen können. Wir hatten am Anfang keine so schnelle Entwicklung unseres Vereins erwartet. Neben unserer Bildungsarbeit sind wir auch umfassend in der Kultur- und Projekttätigkeit aktiv. Ein Leuchtturmprojekt ist mittlerweile unsere sommerliche Spielstadt, wo die Kinder nach demokratischen Regeln ihre eigene deutsch-polnische Stadt bauen. Dabei erschaffen sie einen außergewöhnlichen Raum und lassen ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf.


Foto z.V.g. von Pro Liberis Silesiae

In welchen Ortschaften der Woiwodschaft Oppeln beitreibt Pro Liberis Silesiae seine Schulen und wie wird dort unterrichtet?

Zurzeit betreibt unser PLS seine Schul- und Vorschuleinrichtungen in Raschau, Gemeinde Tarnau, in Oppeln im Stadtteil Malino sowie in Goslawitz, Gemeinde Guttentag. Die Bildungsreform hat viele Veränderungen mit sich gebracht und im Grunde dazu geführt, dass jede Einrichtung inzwischen mehr Herausforderungen und Aufgaben bewältigen muss.

Wie sind Ihre pädagogischen Maßnahmen ausgerichtet? Werden Ihre Schüler nach dem Abschluss zu kreativen und verantwortungsvollen Menschen?

In der Montessorianischen Pädagogik steht das Kind im Mittelpunkt. Denn ein Kind versteht es, selbstständig Wahlentscheidungen zu treffen, es wiederholt gern Übungen, es hat eine großartige Konzentrationsfähigkeit, wenn es sich dafür interessiert, was es tut, und es hat auch eine einmalige Lernfähigkeit: Es lernt mit seinem ganzen Selbst, mit seinem ganzen Körper. Wenn in einer sog. vorbereiteten Umgebung (nach Definition von M. Montessori), wo alles übersichtlich geordnet ist und so die innere Ordnung des Kindes fördert, sich Materialien befinden, die für die sensiblen Phasen des Kindes angemessen sind, dann ist der Lehrer ein Beobachter und Helfer, er weiß um die Bedürfnisse und führt das Kind an die Arbeit mit dem Montessori-Material heran. Es ist das Kind, das dann individuell und selbstständig seine Aufgaben realisieren kann. „Hilf mir, es selbst zu tun”: Dieses zentrale Montessori-Prinzip wird dann zur Realität. 


Foto z.V.g. von Pro Liberis Silesiae

Sie bilden Kinder im Geiste universeller Werte und dabei nach den Grundsätzen der Pädagogik von Maria Montessori heran. Weshalb und inwiefern ist diese Methode besser und effizienter als die üblichen?

Wir lehren den Kindern Verantwortung für sich selbst und ihre Umgebung sowie Zeitmanagement und Planung, also sehr wichtige Kenntnisse für das erwachsene Berufsleben und darüber hinaus. Uns fasziniert auch die Herangehensweise von Maria  Montessori, die zwei Weltriege miterlebte, an Fragen des Weltfriedens. So hat sie unter anderem gefordert, mit einer ungerechten Ausnutzung der Macht des Erwachsenen über das Kind aufzuhören. Wir sind bemüht, die Erziehung zum Frieden zu thematisieren, indem wir zunächst einmal die individuelle Persönlichkeit des Kindes anerkennen und die Wertschätzung für alle Wesen und die Natur vermitteln, denn sie sind ja grundlegend für die menschliche Existenz. Wir wollen, dass unsere Schüler ihre eigene Verantwortung verstehen und ihr Potenzial, viele Vorgänge in ihrem unmittelbaren Umfeld und vielleicht sogar in der Welt zu beeinflussen.

Wie ermutigen Sie eventuelle Unentschlossene dazu, ihre Sprösslinge gerade in eine Vereinsschule des Pro Liberis Silesiae zu schicken?

Es kommen zu uns eher Eltern, die sich bereits entschieden haben und eine Alternative für ihre Kinder suchen. Wir brauchen sie dann nicht sonderlich zu ermutigen. Die Schüler freuen sich über die gemütliche Atmosphäre, die nichtvorhandenen Hausaufgaben, die vielen zusätzlichen Aktivitäten und Reisen, den internationalen Austausch und zum Jahresende auch über ein Projekt, das für die gesamte Gemeinschaft ein großes Erlebnis ist: die Spielstadt Klein Raschau, die von Kindern erbaut und regiert wird.


Foto z.V.g. von Pro Liberis Silesiae

 

In Polen, darunter auch in der Region Oppeln, gibt es immer mehr Unternehmer aus den deutschsprachigen Ländern, die sich den Kopf darüber zerbrechen, in welche Schulen sie ihre Kinder schicken sollen. Ist Pro Liberis Silesiae für sie die beste Adresse und wenn ja, warum?

Wir praktizieren die Zweisprachigkeit in unserer Bildungspraxis bereits ab dem Kindergarten, wo die Kinder den ganzen Tag über in Kontakt mit der polnischen und mit der deutschen Sprache bleiben. Volontäre und Lehrer aus Deutschland unterstützen als Muttersprachler den sprachlichen Fortschritt. Wir freuen uns, dass viele Eltern, die aus Deutschland zurückkehren, sich gerade für unsere Schulen entscheiden. Vor kurzem sind unsere Einrichtungen dem DSD1-Programm beigetreten, so dass unsere Achtklässler nunmehr eine internationale Prüfung der B1/B2-Stufe ablegen können. Unsere Absolventen werden in Zukunft ganz sicher ein attraktiver Nachwuchs für Unternehmen aus und in den deutschsprachigen Ländern sein.

Wie hoch ist derzeit das Schulgeld in ihren Schulen und wie sieht es damit aus im Vergleich zu anderen privaten Schulen in der Woiwodschaft Oppeln, die übrigens kein so attraktives Angebot wie Ihre Schulen haben?

Zehn Jahre lang nach der Gründung unserer Einrichtungen schafften wir es, überhaupt kein Schulgeld zu erheben. Die jüngsten Veränderungen im Bildungswesen, die Bildungsreform und die Verlängerung der Grundschule auf acht Klassen haben enorme finanzielle Aufwendungen z.B. für Infrastruktur, einen notwendigen Ausbau der Einrichtungen etc. nach sich gezogen. Um diesen Aufgaben gewachsen zu sein, haben wir ein im Grunde sehr geringes Schulgeld in Höhe von 150 Złoty monatlich eingeführt. Zum Vergleich: In anderen Schulen in Polen liegt dieses je nach Ortschaft zwischen 600 und 7.000 Złoty monatlich.

„Ein Leuchtturmprojekt ist mittlerweile unsere sommerliche Spielstadt, wo die Kinder nach demokratischen Regeln ihre eigene deutsch-polnische Stadt bauen. Dabei erschaffen sie einen außergewöhnlichen Raum und lassen ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf”.

Wie kommen die Vereinsschulen des Pro Liberis Silesiae in Zeiten der Corona-Pandemie mit dem Online-Unterricht zurecht?

Sehr gut. Wir haben ein junges und dynamisches Team, das sich den neuen Aufgaben schnell gewachsen gezeigt hat. So haben wir inzwischen spezielle Blogs und Webseiten für Kindergärten und Schulklassen 1-3 mit fortlaufenden Informationen, welche Aufgaben unsere Schüler nacheinander zu erledigen haben. Während unserer Online-Stunden ist den Kindern der Kontakt mit jedem Lehrer garantiert, außerdem werden ihnen verschiedene Tätigkeiten übertragen, z.B. Projekte, die in unser montessorianisches Schema passen. 


Foto z.V.g. von Pro Liberis Silesiae

Stehen die Lehrer jederzeit den Kindern zur Verfügung?

Wenn ein Schüler eine individuelle Frage hat oder eine Tätigkeit problematisch findet beziehungsweise einen Ratschlag braucht, dann ist der zuständige Lehrer online erreichbar und kann dem Schüler in geeigneter Weise nützliche Informationen zukommen lassen. Im Falle unserer Schulen kommen in der jetzigen Situation meiner Meinung nach die Selbstständigkeit der Schüler sowie Offenheit gut zum Tragen, also das, was ihnen bei uns beigebracht wird. Das steigert auch ihre Motivation, wenn es darum geht, zuhause zu lernen.

Bedeutet dies, dass Ihre Vereinsschulen keine Schwierigkeiten mit dem Online-Unterricht haben?

Doch, gelegentlich gibt es z.B. Probleme mit der Hardware, ein andermal ist das Netz überlastet. Also Hindernisse durch Faktoren, die von uns unabhängig sind. Dennoch gilt: Auch wenn die Schüler bereitwillig und verantwortungsvoll an das Online-Lernen herangegangen sind, sehnen sie sich nach normalen sozialen Kontakten. Ebenso die Lehrer, denn der Unterricht durch direkten Kontakt, wo man auf den Schüler zugehen und sich mit ihm unterhalten kann, fällt ihnen leichter.

Dafür haben die Lehrer, indem sie von zuhause aus arbeiten, jetzt vielleicht mehr Freizeit?

Nein, es ist genau umgekehrt! Sie müssen mehr Zeit für ihre Vorbereitung auf den Unterricht aufwenden, denn der direkte Kontakt mit dem Schüler ist ja erschwert. Das ist u.a. auch deshalb so, weil es schwieriger ist, die Emotionen wahrzunehmen, die den Lernprozess begleiten. Nichtsdestotrotz ist ganz klar festzustellen, dass an unseren Schulen der Online-Unterricht für die Kinder in puncto Bildung absolut kein Nachteil ist. 

 

 


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